spanglish (james l. brooks, usa 2004)

Veröffentlicht: August 17, 2013 in Film
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Als ihr Mann sie verlässt, emigriert die Mexikanerin Flor (Paz Vega) mit ihrer Tochter Cristina (Shelbie Bruce) in die USA. In der hispanischen Gemeinde L.A.s ist sie fest integriert, muss weder die englische Sprache lernen noch irgendwie in Kontakt mit US-Amerikanern treten. Nach sechs Jahren bewirbt sie sich auf die Stelle als Haushälterin und Kindermädchen der Familie Clasky: Vater John (Adam Sandler) ist ein renommierter Spitzenkoch, seine Gattin Deborah (Téa Leoni) eine tief verunsicherte, neurotische Hausfrau, die vor allem mit der Tochter Bernice (Sarah Steele) ihre Probleme hat. Engagiert wirft sich Flor in ihre neue Aufgabe, die schon bald Probleme aufwirft: Deborah versucht Cristina mit ihrem Geld an sich zu binden und zwischen Flor und John entwickelt sich eine Romanze …

Vordergründig eine romantische Liebeskomödie, die ihre Protagonisten vor die Entscheidung zwischen Vernunft und Bauch bzw. Herz stellt, setzt sich SPANGLISH dahinter mit hispanischer und US-amerikanischer „Mentalität“, der Integration und schließlich der Frage nach nationaler Identität auseinander. Flors Abwehrhaltung, die sich zunächst in ihrem Unwillen äußert, die englische Sprache zu lernen, im weiteren Verlauf immer wieder auch in ihrer Ablehnung der gutgemeinten finanziellen Zuwendungen der Claskys und schließlich in ihrem Kampf gegen die in ihr aufkeimenden Gefühle für John, gründet letztlich auf dem Bedürfnis, ihre eigene Identität zu wahren, ihre Herkunft zu ehren und die Verbindung zu ihrer Tochter zu schützen. SPANGLISH ist eine Rückblende, die Bebilderung eines Aufsatzes Cristinas, mit dem sie sich um ein Stipendium bewirbt und in dem es um ihr größtes Vorbild geht. Die Antwort kann für sie nur „Meine Mutter“ lauten und warum, das soll eben der Film zeigen.

SPANGLISH zeigt auf liebenswerte und leichte, dann aber auch auf sehr nachdrückliche Art und Weise, wie das ist mit der „Integration“, die ja auch hierzulande immer wieder eingefordert, aber oft genug mit Assimilation oder gar Unterwerfung verwechselt wird. Die Entscheidung Flors, in die USA zu gehen, erfolgt aus ganz rationalen Erwägungen: Es ist der Ort, an dem auf ihre Tochter eine bessere Zukunft wartet. Alle ihre Handlungen zielen darauf ab, ihrer Tochter diese Zukunft zu ermöglichen, ohne jedoch die Verbindung zu ihr zu verlieren. Schon die Tatsache, dass ihre Tochter die englische Sprache beherrscht, ihr in der Kommunikation mit Amerikanern voraus ist, ist für Flor mit einer gewissen Angst besetzt; einer Angst, die sie jedoch aushalten muss, weil Cristina in diesem Land aufwachsen soll. In der vielleicht schönsten Szene des Films fungiert Cristina als Übersetzerin für Flor, muss John auf Geheiß der Mutter maßregeln, weil der ihr für einen Ferienjob einen großen Geldbetrag gegeben hatte. Und obwohl sie das Geld doch eigentlich behalten will, transportiert sie mit jedem übersetzten Wort auch den Zorn, die Angst ihrer Mutter, als lägen diese bereits in der Sprache.

Flor kämpft um das Recht, ihren eigenen Weg zu gehen, eigene Entschiedungen zu treffen und auch ihre eigenen Fehler zu machen. Deborah jedoch sieht sich mehr und mehr in der Rolle des Wohltäters, der den „armen“ Immigranten zu einem besseren Leben verhilft. Dieser Wunsch resultiert auch in einer nagenden Unzufriedenheit mit ihrem eigenen Leben. Die eigene Tochter ist ihr zu dick, der Ehemann unterstützt sie nicht genug, mit beängstigender Strenge quält sie sich durch ihr Fitnessprogramm, als müsse sie sich für irgendetwas bestrafen. Sie wirkt immerzu getrieben, unentspannt, unzufrieden, unfähig den Moment zu genießen, vom Drang besessen, das, was sie hat, kaputtzumachen, weil es ihr nicht genug ist. John ist da ganz anders: Als sein Restaurant euphorische Kritiken bekommt, da freut er sich nicht etwa über den Ruhm, der damit verbunden ist, das Geld, das er verdienen wird, sondern bedauert, den Verlust von Freiheit, Ruhe und Gelassenheit, der damit einhergehen wird. Dass sich Flor und John zueinander hingezogen fühlen, ist keine Überraschung. Aus einer patriarchalischen Kultur kommend, ist sie beeindruckt von seiner Weichheit und Empfindsamkeit, während er ihre Kraft und ihre innere Ruhe bewundert, Eigenschaften, die seiner Frau völlig abgehen. Aber es ist auch klar, dass es für beide keine gemeinsame Zukunft geben kann: Flor muss und will ihren eigenen Weg gehen – und die Zerschlagung einer amerikanischen Familie ist auf diesem Weg nicht vorgesehen.

James L. Brooks Film beeindruckt mit kleinen Beobachtungen und der Leistung, die er aus Adam Sandler herauskitzelt. Was könnte der leisten, wenn nur mehr Regisseure sein Potenzial erkennen würden?

 

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