i now pronounce you chuck and larry (dennis dugan, usa 2007)

Veröffentlicht: August 28, 2013 in Film
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Bei meiner Zweitsichtung bin ich zu keinem wesentlich anderen Ergebnis als bei Erstbetrachtung gekommen. Anstatt das also alles noch einmal wiederzukäuen, beschränke ich mich auf das, was mir neu aufgefallen ist. Wer mehr wissen möchte, klickt einfach auf den Link.

I NOW PRONOUNCE YOU CHUCK AND LARRY setzt sich auf sehr amüsante Art und Weise mit männlicher Sexualität, männlichem Gender und den damit verbundenen Klischees und Vorurteilen auseinander. Der Film beginnt mit einem Basketballspiel, das Chuck (Adam Sandler) und Larry (Kevin James) mit ihren Arbeitskollegen während einer Pause austragen. Eine attraktive Frau – eine Lateinamerikanerin vermutlich – tritt an den Zaun, der das Spielfeld begrenzt, und beginnt, Chuck mit Beleidigungen zu überziehen. Sie hat offensichtlich eine Beziehung mit ihm und erfahren, dass er sich mit ihrer Schwester statt mit ihr vergnügt hat. Chuck spielt das Unschuldslamm: Er hätte die beiden verwechselt. Dann tritt die Schwester hinzu und es kommt nun zur Auseinandersetzung zwischen den beiden Frauen, die wie aus einer Männerfantasie entsprungen aussehen. Chuck weiß genau, wie er die Situation zu seinen Gunsten wendet. Er heizt die Eifersucht zwischen den beiden Schwestern an und fordert sie schließlich auf, sich zu küssen, um zu beweisen, welche von beiden experimentierfreudiger ist. Seine Kollegen stehen mit offenen Mündern hinter ihm und können ihren Augen nicht trauen. Eine Sirene unterbricht das Schauspiel, bevor es zum großen Finale kommen kann: Die Frauen lassen voneinander ab, die Männer müssen enttäuscht zum Einsatz eilen. Sie sind bei der Feuerwehr.

Der Beruf der beiden Protagonisten dürfte kaum zufällig gewählt worden sein: Zum einen werden uniformierte Männer in der Gay Culture immer wieder ikonisch aufgegriffen (man denke an die Village People), zum anderen verbindet man den Beruf mit genuin männlichen Attributen. Wie es hierzulande noch undenkbar scheint, dass sich ein Fußballprofi als homosexuell zu erkennen gibt, so sorgt das spätere, dem Zwang geschuldete Outing der beiden (das ja eigentlich keines ist) auch bei ihren Kollegen für die erwartbare Mischung aus Angst, Schnappatmung und Aggression. Doch die von der Masse gegen den Einbruch des „Unnormalen“ verteidigte Realität ist ja eh nur noch ein mühsam aufrechterhaltener Schein: Der schwarze Muskelprotz, den man für einen Gewaltverbrecher hält (Ving Rhames), folgt dem Beispiel seiner Kollegen, outet sich und tanzt dann vor den in Homophobie erstarrten Kollegen unter der Dusche ausgelassen zu Chaka Kahns „I’m Every Woman“. Der von Larry zunächst noch besorgt beobachtete Sohn, der sich nicht für Baseball, aber dafür für Tanz und Musicals interessiert, schlägt den Bully, der ihn als Weichling ausgemacht zu haben glaubt, mit einem beherzten Schlag ins Gemächt ganz einfach nieder. Und der der Promiskuität zugetane Prolet Chuck, der das Leben eines Westentaschen-Hugh-Hefners führt, wird später von allen als der weibliche Part in der Männerbeziehung ausgemacht – sehr zu seinem Entsetzen. Frauen entpuppen sich als Männer, Heteros als Homos – die Freundschaft zweier Männer gar als Liebe? Je länger Chuck und Larry ihre Täuschung aufrechterhalten, umso weniger scheinen starre Konstrukte von Sexualität und Geschlecht noch eine Entsprechung in der Wirklichkeit zu haben. Am Ende ist man fast etwas überrascht, wenn Chuck und Larry vor dem Kuss, den sie sich als Beweis der Echtheit ihrer Beziehung vor dem Gericht geben sollen, genauso wie die beiden Schwestern zu Beginn des Films unterbrochen werden, ihre Scharade auffliegt und sie zu ihrem alten Leben zurückkehren, anstatt als Paar zusammenzubleiben, vielleicht in einer Dreiecksbeziehung mit der feschen Anwältin Alex (Jessica Biel), die sich in Chuck verliebt hat. Aber auch so haben sich die einst fest gefügt geglaubten Verhältnisse im Film als immens durchlässig und nachgiebig erwiesen. Hetero, Homo: Alles völlig egal, reine Privatangelegenheit und nichts, was irgendwas über den Menschen aussagt. Letzten Endes nur Begriffe, die eine Denkblockade aufbauen, um uns daran zu hindern, die Schönheit im Gegenüber zu entdecken.

Kommentare
  1. Thimmon sagt:

    Fanden Sie den Film jetzt gut oder schlecht? Das eröffnet sich mir leider nach dem Genuss der Kritik nicht.

    LG

    • Oliver sagt:

      Lieber Thimmon,

      im erste Satz schreibe ich, dass ich den Film zum zweiten Mal gesehen habe und verlinke den Alttext, der etwas mehr „Meinung“ enthält. Und schreibe auch, dass ich in diesem Text auf dergleichen nicht weiter eingehen werde, weil ich das bereits getan habe. So viel zum „leider“.

      Außerdem steht im ersten Satz des zweiten Absatzes: „I NOW PRONOUNCE YOU CHUCK AND LARRY setzt sich auf sehr amüsante Art und Weise mit männlicher Sexualität, männlichem Gender und den damit verbundenen Klischees und Vorurteilen auseinander.“ „Sehr amüsant“ sollte eigentlich ausreichend Aufschluss darüber geben, wie mir der Film gefallen hat.

      Nichts für ungut, aber vielleicht sollten Sie sich die Mühe machen, einen Text richtig zu lesen, bevor Sie kommentieren, oder? 😉

  2. Thimmon sagt:

    Da haben Sie recht!

    Dennoch herzlichen Dank für die Aufklärung!

    LG

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