just go with it (dennis dugan, usa 2011)

Veröffentlicht: September 2, 2013 in Film
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Seit Danny Maccabee (Adam Sandler) in jungen Jahren mithilfe eines Eherings eine wunderschöne Frau zum Beischlaf überreden konnte, schwört der mittlerweile erfolgreiche Schönheitschirurg und Junggeselle auf das Utensil als unfehlbare Abschlepphilfe. Nachdem er jedoch die zauberhafte, 20 Jahre jüngere Palmer (Brooklyn Decker) ganz ohne Schummelei kennengelernt hat, wird der unvermittelt auftauchende Ehering zum Problem: Sie will unbedingt seine Ex-Frau kennenlernen. Solchermaßen in Not, überredet Danny seine Assistentin Katherine (Jennifer Aniston), eine alleinerziehende Mutter, in die Rolle der Geschiedenen zu schlüpfen. Als die sich verplappert, werden auch noch ihre Kinder in das Spielchen mit hineingezogen. Als Belohnung für ihre Hilfe bestehen sie auf eine gemeinsame Reise nach Hawaii. Dort eskaliert die Situation, als Katherine ihre ehemalige Schul-Nemesis Devlin (Nicole Kidman) wiedertrifft und nun ihrerseits darauf besteht, dass Danny in die Rolle ihres Ehemanns schlüpft. Und während die beiden so ein zunehmend komplizierter werdendes Spielchen spielen, stellen sie fest, dass sie füreinander mehr als nur Kollegen und Freunde sind …

JUST GOT WITH IT ist damals komplett an mir vorbeigegangen. Wahrscheinlich hätte ich aber auch sonst einen Bogen um ihn gemacht: auf den ersten Blick komplett uninteressant, in Deutschland zudem mit dem akut nichtssagenden deutschen Titel MEINE ERFUNDENE FRAU gestraft und mit einem Poster beworben, das in dieser Form auch von Neckermann verwendet werden könnte. Den meist schmerzhaft konservativen RomComs stehe ich sowieso eher ablehnend gegenüber – ich habe für mich mal die These formuliert, dass diese Filme vor allem zur Bestückung transatlantischer Passagierflüge produziert werden, und halte sie tatsächlich für plausibel –, und habe so auch glatt vergessen, dass Sandler mit THE WEDDING SINGER und 50 FIRST DATES in zwei Genrevertretern mitwirkte, die ich beide gegen meine Gewohnheit absolut großartig finde. Zwar ist die Chemie zwischen Sandler und Drew Barrymore, die diese beiden Filme trägt, nicht beliebig reproduzierbar, aber weil auch Jennifer Aniston wunderbar zusammen mit dem Komiker harmoniert, gelingt die „Rückkehr“ Sandlers ins Fach der Liebeskomödie. Der Schauspieler findet sich in einer typischen Rolle wieder, die YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN referenziert (der promiskuitive Hedonist entdeckt die Treue), der Plot erinnert mit seinem hohen Tempo und der ansteigenden Verwirrungs- und Konfliktfrequenz durchaus an die glorreichen Zeiten der Screwball-Komödien, einige derbere Gags und Gastauftritte sorgen für die nötige Basisnähe und den Stallgeruch (Höhepunkt der Albernheiten ist die Rettung eines Schafs mithilfe des Heimlich-Manövers). Der unwiderstehliche Drive, den JUST GO WITH IT entwickelt, lässt dann auch die kleineren Mängel verschmerzen, die man ebenfalls schon gewohnt ist: Dass eine der für die Handlung wichtigsten Szenen, die geplatzte Hochzeitszeremonie zwischen Danny und Palmer, offscreen stattfindet und nur per Dialog wiedergegeben wird, erscheint reichlich fragwürdig, wenn nicht gar herablassend gegenüber einer der zentralen Figuren, die noch nicht einmal etwas angestellt hat, was diese Behandlung rechtfertigen würde.

JUST GO WITH IT hat mich mit seiner Vielzahl beknackter Ideen (die beiden abgezockten Kinder Katherines, Nick Swardson, der sich in seiner Rolle als Dannys bester Freund als Online-Schafsverkäufer mit deutschem Akzent und dem Namen „Dolph Lundgren“ ausgibt, Nicole Kidman als zickige Rivalin Katherines, Musiker Dave Matthews als ihr heimlicher schwuler Ehemann) für sich eingenommen. Ja, vieles an Sandlers Filmen erweckt den Eindruck, seine Filme seien während eines Urlaubs mit Freunden – hier eben auf Hawaii – so nebenbei entstanden, weswegen der Neckermann-Hinweis weiter oben gar nicht mal so weit hergeholt ist. Man mag das für dekadent halten und Sandler vorwerfen, dass er seine Kunst nicht mit genügend Respekt ausübt. Aber solange diese „Respektlosigkeit“ so herrlich kernentspannte Komödie wie JUST GO WITH IT – der Titel ist hier eben durchaus Programm – hervorbringt, darf einem das meiner Meinung nach herzlich egal sein.

Kommentare
  1. Splatter-Fanatic sagt:

    „Just Go with It“ ist übrigens ein Quasi-Remake von Gene Saks‘ „The Cactus Flower“. Deshalb auch die Nähe zur klassischen Screwball-Komödie. 🙂

    • Oliver sagt:

      Besten Dank! Habe zunächst vermutet, er könnte was mit Sturges‘ PALM BEACH STORY gemeinsam haben (wegen des Urlaubsort-Settings), wurde durch Lesen meines eigenen Eintrags dazu aber eines Besseren belehrt. 🙂

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