black shampoo (greydon clark, usa 1976)

Veröffentlicht: September 27, 2013 in Film
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SHAMPOO, von Warren Beatty produziert, Robert Towne geschrieben und Hal Ashby inszeniert, war ein veritabler Hit, für Hollywood-Beau Beatty zudem absolut imageprägend und thematisch prädestiniert für die Annektierung durch Exploitation-Filmer. Die Blaxploitationifizierung lag besonders nahe: Das Subgenre warf Mitte der Siebzigerjahre immer noch verlässliche Gewinne ab und die Geschichte eines seine reiche weibliche Kundschaft in doppelter Hinsicht befriedigenden Friseurs ließ sich ideal für die Mischung aus weißer Mittelklassen-Angst vor dem potenten schwarzen Mann und schwarzem Empowerment adaptieren, der das Genre seine Sprengkraft verdankte. Greydon Clark, nie darum verlegen, eine gewinnträchtige Idee schnellstmöglich umzusetzen, sah das Potenzial und schraubte BLACK SHAMPOO auf seine ihm eigenen Art zusammen.

Der schwarze Muskelprotz Mr. Jonathan (John Daniels) betreibt einen feinen Friseursalon in Hollywood. Die Kundinnen legen ihm nicht nur ihre Frisuren vertrauensvoll in die Hände, sondern auch ihre Libido. Und Mr. Jonathan enttäuscht nie. Ein bisschen neidisch, vor allem aber neugierig-erregt verfolgt seine neue Rezeptionistin Brenda (Tanya Boyd) seine sexuellen Eskapaden. Sie war bis vor kurzem das Betthäschen des lokalen Gangsterbosses Mr. WIlson (Joseph Carlo), machte sich dann aber aus dem Staub, um schließlich Zuflucht bei Jonathan zu finden. Zwischen ihr und ihrem neuen Chef bahnt sich eine Romanze an, die jedoch von ihrem eifer- und rachsüchtigen Ex unterbunden wird: Er schickt seine Schläger, um Jonathans Salon kurz und klein zu hauen und sie zu entführen. Es kommt zum blutigen Showdown in Jonathans Refugium in den Bergen …

Clark ist keiner der inspirierteren Low-Budget-Trashfilmer aus den Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahren, die Freunden des ungewöhnlichen Films noch heute viele schöne Stunden bescheren. Er ist immer sehr abhängig von seinen Stoffen, sein Werk zwar sympathisch und liebenswert, aber weitestgehend hit & miss (ich verbürge mich hier ausdrücklich für seinen Neonazi-Actioner SKINHEADS, seine Achtziger-Sexkomödie JOYSTICKS und den Katzensplatter UNINVITED). Sein größtes Manko ist sein eher unkreativer Szenenaufbau: Auch BLACK SHAMPOO wirkt sehr statisch, fast theaterhaft in seiner Szenenfolge, was durch die verfremdeten Standbilder, die jede einzelne Szene einleiten, noch unterstrichen wird. Richtigen Schwung entfaltet sein Blaxploiter trotz eines standesgemäß exzellenten Soul- und Funk-Soundtracks nicht, vor allem weil er seinen Plot sehr fahrlässig entwickelt. Am spaßigsten ist BLACK SHAMPOO in der Exposition, die sich Jonathans erotischen Ekapaden widmet, und im erstaunlich blutigen Finale: Die Titlesequenz zeigt eine sich unter Jonathans Haarwaschtechnik lustvoll windende Kundin, in einer späteren Szene wird der Friseur bei einem Hausbesuch (!) erst von zwei lüsternen Teens empfangen („Oh my god!“) und dann von deren Mutter „übernommen“, die ihren staunenden Töchtern mal zeigt, wie das wirklich funktioniert. Im Schlussfight kommen dann nicht weniger nachdrücklich und phallisch eine Kettensäge, ein Beil und eine Billardqueue als Mordwaffen zum Einsatz. Diese Entschlossenheit hätte man sich auch für den restlichen Film gewünscht, der leider wenig mehr als gepflegte Langeweile produziert, die durch die ausgesprochen ansehnliche Physis von Tanya Boyd und etwas Seventies-Nostalgie nur überaus unzureichend aufgewogen wird.

 

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