new year’s evil (emmet alston, usa 1980)

Veröffentlicht: Oktober 1, 2013 in Film
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Silvester: In der Fernsehshow von Moderateuse Diane Sullivan (Roz Kelly) ruft ein Mann (Kip Niven) an und droht, zu jeder vollen Stunde bis zum Jahreswechsel eine Frau umzubringen. Während der Misogynist beginnt, sich durch das nächtliche L.A. zu morden, offenbart die Polizei der verängstigten Diane, dass sie wahrscheinlich sein letztes Opfer sein soll …

Die Israelis Menahem Golan (übrigens auch ein Corman-Schüler!) und Yoram Globus machten den großen Studios mit ihrer Produktionsgesellschaft Cannon Films in den frühen und mittleren Achtzigerjahren mächtig Druck und standen kurz davor, als erste Unabhängige ihre Phalanx zu durchbrechen. Heute kennt man die Cannon vor allem wegen ihrer zahlreichen Actionfilme, aber Golan und Globus waren in vielen Genres tätig, verfolgten dabei nicht nur kommerzielle, sondern durchaus auch künstlerische Interessen und hatten ihre Finger zumindest einige Jahre lang verlässlich am Puls der Zeit. Es ist nicht wirklich nachvollziehbar, warum sie den in den Achtzigern gutgehenden Horrorfilmmarkt so sträflich vernachlässigten: Es gibt ein paar vereinzelte coproduzierte Filme wie Pete Walkers HOUSE OF LONG SHADOWS oder Neil Jordans THE COMPANY OF WOLVES, kuriosen Crossover wie NINJA III: THE DOMINATION und natürlich, als löbliche Ausnahme, Tobe Hoopers THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE PART 2 (und LIFEFORCE, wenn man den als Grenzgänger dazuzählen will). Sonst kommt da lange nichts. Und dann, ganz am Ende dieses Nichts, ist da NEW YEAR’S EVIL.

Im Vergleich zu den zuletzt gesehenen GRADUATION DAY und FINAL EXAM ist NEW YEAR’S EVIL deutlich ernster und grimmiger, steht dem Serienmörderfilm jener Tage deutlich näher als dem auf grelle Schocks und Splatter abonnierten und für ein jugendliches Zielpublikum produzierten Werken des Slashergenres. Der Killer ist hier keine maskierte Chiffre, sondern ein vollwertiger Charakter: Sein Gesicht ist von Beginn an zu sehen, er walzt sich nicht wortlos und mit Brachialgewalt durch den Film, sondern ist im Stile eines Ted Bundy als charmanter und begüterter Verführer unterwegs. Im Showdown des Films, wenn er die Moderatorin in seine Fänge bekommt – zu diesem Zeitpunkt wissen wir bereits, dass sie seine Ehefrau ist – darf er in einem langen Monolog seine Motivation erklären und sich als handfester Frauenfeind outen, gebeutelt von einer Scheidung und der Missachtung, mit der Diane seinen Sohnemann – einen blonden Schmollmund-Popper mit Schauspielambitionen – straft und ihn so angeblich „kastriert“. „Ladies aren’t very nice“: So banal wie kategorisch klingt sein Urteil, dem nur die Todesstrafe folgen kann. NEW YEAR’S EVIL erinnert hier ein bisschen an das später von der Cannon produzierte Bronson-Vehikel 10 TO MIDNIGHT. Das Problem ist, dass Alstons Film sowohl ein Charles Bronson wie auch ein Protagonist fehlen.

Die andere Hälfte von NEW YEAR’S EVIL, die sich mit der Moderatorin Diane und ihrer Fernsehsendung befasst, wirkt wie aus der Not geboren, die Story auf Spielfilmlänge zu bringen, und besteht fast ausschließlich aus den Auftritten der in ihrer Show auftretenden Bands. Das bringt zwar gewisse Schauwerte, Nostalgiebonus und Kuriositätenwert mit sich, nutzt sich aber auch enorm schnell ab. Es ist vor allem diese Hälfte, die einen dazu verleitet, NEW YEAR’S EVIL als Slasher- denn als Serienmörderfilm zu deklarieren: Sie entspricht dem nummernhaften Aufbau der Filme dieses Genres und richtet sich eindeutig an ein junges Publikum, das sich wohl kaum für einen Thriller um einen frustrierten Ehemann interessiert hätte. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass Cannon einige Schwierigkeiten damit hatte, sich in die anvisierte Zielgruppe hineinzudenken: Die Show brüstet sich damit, den heißesten und angesagtesten „New Wave Rock“  zu spielen und zieht mit dieser Ankündigung tatsächlich haufenweise Ausgeflippte und Punks an. Doch dann dudeln Shadow den Titelsong, der nach überkommenem Siebzigerjahre-Hardrock klingt und treiben das ausrastende Auditorium danach mit einer lahmarschigen Bluesrock-Nummer zur Ekstase, die in der Realität wohl die Hinrichtung der Band nach sich gezogen hätte. Und Diane, die als Bändigerin der ihr aus der Hand fressenden Meute dargestellt wird, ist eine gelangweilte, arrogante Society-Schlampe, deren angeblicher Ruhm sich genauso wenig mit ihrer Mitwirkung in dieser planlosen Sendung in Einklang bringen lässt wie mit der Anbetung durch die aufbegehrenden Massen.  Ich hatte mich wirklich gefreut auf den einzigen Slasherfilm der Cannon, aber leider ist das Ding dann doch eher eine Enttäuschung. Zu gut, um als Partyfilm zu begeistern, zu dröge, um als Schocker zu funktionieren, zu bieder, um als ernster Thriller zu fesseln. Drei Anläufe, dreimal vorbei. Nur der deutsche Titel, der ist super: ROCKNACHT DES GRAUENS.

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