si può essere più bastardi dell’ispettore cliff? (massimo dallamano, italien/großbritannien 1973)

Veröffentlicht: Oktober 13, 2013 in Film
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Bildschirmfoto 2013-10-13 um 08.39.11„Kann man ein größerer Bastard sein als Inspektor Cliff?“, fragt der Titel, wenn mich meine Italienischkenntnisse (bzw. die diverser Internet-Übersetzungsseiten) nicht trügen: Dallamanos Gangster-/Cop-Groteske ist einer von vielen Filmen, die sich von Sergio Leones PER UN PUGNO DI DOLLARI (bzw. Kurosawas YOJIMBO) nspirieren ließen, und besetzt den kantigen Ivan Rassimov als korrupten Drogenbullen Cliff Hoyt in der Eastwood-Rolle. In den Kampf zweier Gangsterorganisationen – einer wilden Bande von Hippies, die von der alten „Mama the Turk“ (Patricia Harvey) angeführt wird, und des unter dem Deckmantel eines (erpresserischen) Hostessenservices agierenden Geschäfts von Morell (Ettore Manni) – schaltet er sich als anscheinend vertrauenswürdiger Freiberufler ein, um beide, weder ein gesetzliches noch ein bloß moralisches, sondern im Gegenteil ein höchst egoistisches Interesse verfolgend, gegeneinander auszuspielen. Am Schluss hat er sogar den New Yorker Drogenboss Marco (Giacomo Rossi-Stuart) beiseitegeräumt und hält ein stattliches Sümmchen in den korrupten Händen. Aber er hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht …

Dallamanos Film ist trotz seiner Inspirationsquelle ein recht untypischer Italofilm. Das liegt nicht nur an seinen Schauplätzen jenseits des Stiefels – Beirut, London, Paris, New York –, sondern an seiner tonalen Grundausrichtung: Zynisch sind viele italienische Thriller jener Zeit, dennoch stellen sie sich dabei meist auf die Seite ihrer kaputten Antihelden. All die Hardliner unter den italienischen Polizeifilm-Cops sind ja doch nur Opfer der Umstände, verzweifelt gegen eine Verbrechensflut ankämpfend, die längst nicht mehr aufzuhalten ist. Inspektor Cliff Hoyt hingegen ist, wie der Titel schon sagt, ein Bastard, und auch mit den größten argumentativen Verrenkungen nicht zu verteidigen: Die Gangster, gegen die er vorgeht, muten geradezu bemitleidenswert an in ihrem naiven Glauben, bei den großen Fischen mitmischen zu können, ohne dabei gefressen zu werden. Mama the Turk führt zwar mit unerbittlicher Härte (etwas im Stile der Gangstermamas, die in jenen Jahren das amerikanische Kino unsicher machten: Shelley Winters in BLOODY MAMA und CLEOPATRA JONES, Angie Dickinson in BIG BAD MAMA oder Cloris Leachman in CRAZY MAMA), hat aber eben doch einen denkbar unorthodoxen und unprofessionellen Haufen um sich geschart, der den internationalen Drogenhandel als große Party interpretiert. Und Morell hat die Masche, seine betuchten Klienten im Anschluss an ihre bei ihm gebuchten Vergnügungen mit diffamierendem Fotomaterial zu erpressen (herrlich die Szene, in der ein älterer Herr mit aufgesetzen Hasenöhrchen und Möhren knabbernd das „Hasenweibchen“ Joanne becirct), zwar perfektioniert und es damit zu einigem Reichtum gebracht, im Grunde seines Herzens ist er aber lediglich ein kleiner Gauner. Dass er Hoyt für einen Freund hält, sein bestes Pferd im Stall, die umwerfend attraktive Joanne (Stepahnie Beacham), gar ihr Herz an coolen Cop verschenkt, macht seinen Verrat noch schwerwiegender und die gerechte Strafe unabwendbar. Crime does eben doch not pay.

Seine Originalität, der ultraegoistische Protagonist, steht dem Film auf dem Weg ins Herzen des Zuschauers leider auch etwas im Weg. Auch wenn eigentlich ständig ewas passiert – Schießereien, Morde, Verfolgungsjagden, Schäferstündchen mit der nackten Beacham –, ließ mich SI PUÒ ESSERE PIÙ BASTARDI DELL’ISPETTORE CLIFF? eher kalt. Man weiß einfach nicht so recht, zu wem man halten soll; selbst wenn sich das ganze Ausmaß von Hoyts Abgebrühtheit erst am Schluss offenbart, ist er einem von Anfang an unsympathisch. Wenn man Dallamanos Werk kennt, dann weiß man, dass das kein Unfall war. Der Regisseur zeigt erneut seine Kompetenz in der Fertigung harter, aber finessenreicher Reißer, kann sich überdies auf die famose Kamerarbeit von Jack Hildyard (u. a. THE BRIDGE ON THE RIVER KWAI) und die loungigen Klänge von Riz Ortolani verlassen, aber sein Stoff erzeugt hier eher Distanz statt Nähe. Die eigentlichen Sympathiefiguren sind die gefoppten Gangster und natürlich die schöne Joanna, deren Gefühle übel missbraucht wurden. Dass internationale Fassungen ihr im Titel auch noch mit dem schicken Namen SUPERBITCH huldigen, ist der sprichwörtliche Tritt auf den am Boden Liegenden. Ihre finale Reaktion gönnt man ihr ob der doppelten Demütigung von Herzen.

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