rambo lll (peter macdonald, usa 1988)

Veröffentlicht: Oktober 19, 2013 in Film
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Nur drei Jahre nach dem bahnbrechenden RAMBO: FIRST BLOOD PART II entstanden, war die Welt im Jahr 1988 doch bereits eine andere. Die Annäherung der vormals verfeindeten Blöcke hatte begonnen (mit bekanntem Ausgang) und der Rückzug der russischen Armee aus Afghanistan war schon eingeleitet. Als RAMBO III ins Kino kam, da hinkte er der Realität einige Schritte hinterher, was wohl auch angesichts der Größe der Produktion für schadenfrohe Kommentare unter denen sorgte, die Stallone für einen Scharlatan, seine Erfolgsserie für ein Ärgernis hielten. Aber noch etwas war zwischen 1985 und 1988 passiert: Mit LETHAL WEAPON hatte Richard Donner einen Actionhit gelandet, in dem die Gewalt mit wohldosiertem Humor aufgebrochen und so „goutierbar“ gemacht worden war. Die Geburtsstunde des familienfreundlichen Actionfilms, wie er sich bis heute etabliert hat. Diesen neuen Einfluss merkt man auch RAMBO III überdeutlich an: Dem einst so schweigsamen, verschlossen Soldaten entfleucht nun der ein oder andere trockene One-Liner, sein Mentor Trautman – in FIRST BLOOD noch ein steifer, ausgesprochen ambivalenter, wenn nicht gar unsympathischer Charakter – hat sich nun vollends in den väterlichen Freund verwandelt, der mit seinem Schützling auch dann noch Witzchen macht, wenn beide sich einer Übermacht feindlich gesonnener Russen gegenübersehen. Auch wenn Macdonald noch einmal eine beispiellose Materialschlacht abliefert, noch einmal gemordet und gemeuchelt wird, dass es nur so kracht: Die Schwere des Vorgängers geht seinem Film weitestgehend ab.

Es schleicht sich ein seltsamer Sentimentalismus in den Film, Rambo – im ersten Teil noch tief gespalten zwischen dem maschinenhaft funktionierenden Soldaten und dem Menschen, der da stumm im Inneren des aufgepumpten Körpers lauert – verwandelt sich hier beinahe in einen Träumer und Romantiker. Ausgerechnet für Trautman verlässt er hier sein Exil, für den Mann, der doch die Verantwortung für sein Dilemma trägt und ihn im Vorgänger tief in die Scheiße geritten hatte. „Er würde es auch für mich tun“, sagt er, aber es bleibt unklar, ob er sich da wirklich so sicher ist. Jede politische Dimension des Stoffes tritt weit in den Hintergrund, stattdessen wird die Frage gestellt, die dann auch im vierten Teil noch im Raum steht: „When do you come full circle?“ Wann wird Rambo akzeptieren, dass er eine Kampfmaschine ist, wann wird er aufhören, wegzurennen und seine Rolle annehmen? Diesmal hat es ihn nach Thailand verschlagen, wo er Mönchen bei den Arbeiten im Kloster hilft, mit Stockkämpfen Geld für sie verdient. Er scheint sich wohl zu fühlen dort, es gefällt ihm, wie er sagt, aber seinen Frieden hat er noch nicht gefunden: Dass da immer noch der Krieger in ihm schlummert, der darauf wartet, von der Kette gelassen zu werden, sieht man in seinem Stockkampf, wenn er sich nur mit größter Anstrengung zurückhalten kann, seinen am Boden liegenden Rivalen totzuschlagen. Der Mann der Tat ist zum Haderer geworden, der sich selbst nicht mehr vertraut und seine Instinkte vollkommen unterdrückt.

Die Reise nach Afghanistan, wo er seinen Mentor aus den Fängen der Russen befreien will, wird für ihn zu einer Art Selbstfindungsseminar. Wenn er kraftlos und schweren Schrittes durch die Trümmer der Siedlung läuft, die die Russen eben angegriffen haben, dann scheint diese Haltung nicht zuletzt der Selbsterkenntnis geschuldet: Das hier ist meine Realität. Es hat keinen Sinn, das zu leugnen. Und so läuft er dann noch einmal zur Höchstform auf, schaltet fast im Alleingang eine ganze Armee aus, befreit Trautman, wird zum afghanischen Volkshelden, über den man sich wahrscheinlich bald ähnlich blumige Legenden erzählt, wie er sie zu Beginn von seinem Führer zu hören bekommt. Am Ende steht er sogar kurz davor, bei den Mujaheddin zu bleiben, deren Tapferkeit und Unerschrockenheit ihn so beeindruckt hat. Es ist nicht ganz klar, warum er ihre Einladung ablehnt: Weil das auch nur wieder eine Flucht wäre oder weil er weiß, dass er sich nun endlich seinem Kampf widmen muss? Vor allem scheint seine Entscheidung der Konvention geschuldet: Am Ende muss der Held weiterziehen, einsam in den Sonnenuntergang reiten.

RAMBO III ist vielleicht der Schlusspunkt des Achtzigerjahre-Actionkinos. Noch einmal war fast alles so wie vorher. Zwar zeichnete sich auch an ihm bereits der bevorstehende Wandel ab, doch bestimmten diese noch nicht das Bild. Das führt dazu, dass Macdonalds Film zwischen dem grimmigen zweiten und dem ultrabrutalen vierten Teil fast leicht anmutet. Merkwürdig für eine Gewaltoper, die der Film ja trotz allem ist. Dieser zwiespältige Charakter hat die Menschen auch hierzulande verwirrt: Nachdem man RAMBO III erst das Prädikat „Besonders wertvoll“ verliehen hatte, landete er dann doch noch auf dem Index.

EDIT: Da ich meinem letzten Text zu RAMBO, dem vierten Teil von 2008, kaum etwas hinzuzufügen habe, belasse ich es an dieser Stelle bei dem Link.

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Kommentare
  1. ekkardbaeuerle sagt:

    Jaja, das mit Prädikat war damals ein heißes Thema. Insgesamt enttäuschte mich der dritte nach dem zweiten Teil. Der war wohl auch einfach zu bahnbrechend, um noch getoppt zu werden.

    • Oliver sagt:

      Aus heutiger Sicht relativiert sich die Enttäuschung, finde ich. Auch der dritte Teil ist schon sehr toll. Fand ich natürlich auch damals schon, auch wenn er an den zweiten nicht heranreicht, da stimme ich dir zu. Und der vierte Teil hat mir eben wieder die Beine unter dem Leib wegerissen.

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