zärtlich, aber frech wie oskar (franz josef gottlieb, deutschland 1980)

Veröffentlicht: November 1, 2013 in Film
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zaertlich_aber_frech_wie_oskarDer jugendliche Frauen- und Mädchenschwarm Peter (Régis Porte) lernt im Urlaub am Wörthersee die süße Billi (Patricia Zenker), Tochter des örtlichen Gendarmerie-Chefs Josef (Werner Röglin), kennen und verliebt sich ein bisschen. Die Teenieromanze endet mit dem letzten Urlaubstag und dem Versprechen, sich regelmäßig zu schreiben und im nächsten Jahr wiederzusehen. Zu Hause in München hat Peter freilich viel zu viel mit anderen Frauen zu tun, als dass er an Billi noch viele Gedanken verschwenden würde. Drei etwas lästige Freundinnen hat er angehäuft, kann sie aber pünktlich zum nächsten Sommerurlaub, der ihn und seinen jungfräulichen Kumpel Freddy (Tobias Meister) nach Italien führen soll, wieder loswerden. Auf dem Weg in den Süden machen die beiden Halt an einer Tankstelle – und treffen dort prompt Billi wieder, die die beiden überredet, doch wieder in Velden am Wörthersee einzukehren. Es folgen amouröse Verwicklungen und schließlich ein Happy End für Peter und Billi …

Meinen kleinen Lisa-Film-Exkurs (der irgendwann fortgesetzt werden wird) schließe ich vorerst mit ZÄRTLICH, ABER FRECH WIE OSKAR (auf DVD als DER GENDARM VOM WÖRTHERSEE vermarktet). Wir sind nach einigen Softsex-Filmen wieder bei den frivolen Lustspielen angelangt, die in den Achtzigerjahren die tragende Säule der umtriebigen Produktionsfirmen waren. In dem Duo aus Peter und Freddy brodelt schon der Samen der Supernasen, der heutige Zuschauer glaubt den Geist Roy Blacks durch die Wörthersee-Kulisse schweben zu sehen. Tatsächlich eignet sich Gottliebs Film hervorragend, einem Uneingeweihten die Lisa-Film näherzubringen, vereint der Film doch alles, was ihre Produktionen „auszeichnete“: Freche, jugendliche Protagonisten, die nie um einen duften Spruch verlegen sind. Flotte Discomucke mit einprägsamen Gaga-Texten, die sich sofort ins Ohr fräst und zum unbeschwerten Schwofen einlädt. Jede Menge kesser Bienen, die immer bereit sind, ihre Hüllen fallen zu lassen, und denen keine Anmache zu blöd ist. Ein attraktiver, Urlausatmosphäre verströmender Handlungsort, der den Eskapismus-Charakter der Filme noch unterstreicht. Und schließlich ein paar klischierte Spießerfiguren, die zur Freude des jungen Publikums Opfer des jugendlichen Anarchismus werden und selbst ein paar Kalauer reißen dürfen.

Letztere Rolle wird hier erneut mit Bravour von Herbert Fux übernommen, der nach COLA, CANDY, CHOCOLATE zum zweiten Mal in die Priestersoutane schlüpfen darf und überall „Nackerte“ sieht. Werner Röglin gibt den strengen Papa, der seine Tochter vor gefährlichen Schwerenötern schützen will, dem jungen Liebesglück am Ende aber seinen Segen gibt, weil er eigentlich ein guter Kerl ist. Seine Kollegen sind der tumbe Xandel, verkörpert vom Lisa-Faktotum Otto W. Retzer, und Leopold (Heinz Eckner), der obligatorische Schwule (er hat den besten Gag des Films). Außerdem gibt es noch eine rustikale Oma (Rosl Mayr), die natürlich genau weiß, wie das funktioniert mit der Liebe, ein spießiges Touristen-Ehepärchen, das angesichts der hormonellen Verwerfungen um sie herum selbst ganz wuschig wird, jedoch keine Lust mehr für den eigenen Partner aufbringt (die Satzkonstruktion funktioniert nicht ganz, egal). Der Reigen wird vervollkommnet durch den Kellner Mario (Alexander Grill), der als erstes die Preise auf der Karte manipuliert, als die dummen Touris eintreffen und später für den ach so putzigen Rassismus sorgt, der in einem solchen Film natürlich nicht fehlen darf. DIe chinesischen Gäste bedient er aus Prinzip nicht, beschimpft sie als „chinesische Saupreiß“ und muss dann erfahren, dass die selbst breitestes Bayrisch sprechen. Überhaupt diese Szene kurz vor Schluss auf der Veranda von Marios Lokal: Da hagelt es einen zotigen Schenkelklopfer nach dem anderen, werden tatsächlich Witze erzählt, statt filmische Gags vorbereitet. ZÄRTLICH, ABER FRECH WIE OSKAR kann und will seinen episodischen, kolportagehaften Charakter gar nicht verbergen. Keine Szene erfüllt eine dramaturgische Funktion, sondern steht ganz allein für sich und endet entweder in einem Witz, der Entblößung von Brüsten oder beidem. Kein Klischee ist dabei zu platt. Mich als ehemaligen Wahl-Düsseldorfer hat besonders gefreut, dass die etwas arrogante Schickimicki-Tante Marie Luise (Renate Langer) sich als Düsseldorferin entpuppt. Aber nirgends kommt die Entertainment-um-jeden-Preis-Strategie so gut zum Vorschein wie in der Discoszene, in der die „Speedys“ ihren Hit der Einfachheit halber gleich zweimal hintereinander spielen. Lieb mich, oder ich schlag dich! Wer kann da schon Nein sagen?

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