ricco (tulio demicheli, spanien/italien 1973)

Veröffentlicht: November 3, 2013 in Film
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Während Ricco (Christopher Mitchum) im Knast saß, wurde sein Vater, der lokale Mafiaboss, umgebracht. Obwohl Ricco ein schweres Verhältnis zum Papa hatte, schwört er Rache – zumal der Auftraggeber hinter dem Mord, Don Vito (Arthur Kennedy), auch noch Riccos Geliebte Rosa (Malisa Longo) abgegriffen hat. Gemeinsam mit der schönen Scilla (Barbara Bouchet) plant Ricco seine Rache. Doch mit seinen Attacken beschwört er den Zorn Don Vitos herauf, der bald eine Idee hat, wer ihm da an den Kragen will …

RICCO ist ein Italo-Crime-Reißer aus der zweiten Reihe: Gut besetzt zwar und durchaus unterhaltsam, hat er die Zeit wohl vor allem deshalb überdauert, weil er mit einigen ruppigen Härten aufwartet, die dann auch das hübsche Posterartwork inspirierten. Don Vito hat in seinem Keller einen praktischen Säurekessel – er ist Seifenfabrikant –, in dem er unliebsame Gestalten und Versager aus den eigenen Reihen verschwinden lässt. In der heftigsten Szene des Films wird ein besonders armer Kerl von Vitos Schergen kastriert und bekommt dann das abgetrennte Glied in den Mund gestopft. Ja, hier geht es alles andere als zimperlich zu. Diese Härte erstaunt umso mehr, als Demicheli keinen durchweg brutalen Film gedreht hat. Christopher Mitchum, mäßig talentierter Sohn der Hollywood-Ikone, sieht mit seinem Bübchengesicht und den langen blonden Haaren aus wie ein Schlagersänger und kommt in den Actionszenen nicht allzu überzeugend rüber. Die Szene, in der die hübsche Scilla zwei ahnungslose Schurken mit einer Stripnummer auf der Motorhaube ihres Autos ablenkt, gerät auch dank der deutschen Synchro („Entweder die hat ’nen Hammer oder sie ist voll mit Hasch wie ein türkischer Reisebus!“) zum humorigen Höhepunkt des insgesamt seltsam beschwingten Films. So bedrückend wie das vergleichbare Rachefilme sind – man denke etwa an Mike Hodges‘ GET CARTER –, wird RICCO nie, auch wenn der Titelheld im Leichenhaus seine ganze Famile identifizieren muss. Der Film bleibt immer in seinem Pulp-Universum verhaftet, ohne jemals die Leinwand zu durchbrechen. Wirklich nachhaltig ist er also zu keiner Sekunde, aber das ist zu verkraften, weil er einfach eine ordentliche Packung darstellt. Hin und wieder durchbricht ein schönber Einfall die Routine, etwa wenn sich Don Vito vor einem Stück Seife ekelt, weil er weiß, dass Fett und Knochenmehl wichtige Zutaten darstellen. Arthur Kennedy trägt überhaupt viel dazu bei, dass RICCO eine Ecke besser aussieht, als er tatsächlich ist. Currywurst mit Pommes unterstellen ja manche Leute, ein „ehrliches Essen“ zu sein. Ich kann zwar nicht genau erklären, was das bedeutet, aber die Behauptung passt auch hier: RICCO ist eine Currywurst mit Pommes. Manchmal gibt es nix Besseres. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.

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