curse of chucky (don mancini, usa 2013)

Veröffentlicht: November 10, 2013 in Film
Schlagwörter:, , , ,

curse-of-chucky-poster-01_articleDie querschnittsgelähmte Nica (Fiona Dourif) lebt mit ihrer Mutter (Chantal Quesnelle) zusammen in einem alten Haus. Eines Tages erhalten beide ein Paket von einem unbekannten Absender: Darin enthalten ist eine Good-Guy-Puppe, ein Spielzeug-Relikt aus den Achtigerjahren. Am nächsten Morgen ist die Mutter Tod – offensichtlich Selbstmord, wurde sie seit dem Tod ihres Ehemannes noch vor Nicas Geburt doch immer wieder von schweren Depressionen geplagt. Nicas Schwester Barb (Danielle Bisutti), die sich mitsamt Ehemann, Tochter, Nanny und Priester (A Martinez), im alten Familienwohnsitz einfindet, beginnt sofort ihr hintersinniges Spiel: Sie wil Nica zum Umzug in ein Pflegeheim überzeugen, um das alte Haus in bares Geld verwandeln zu können. Unterdessen freundet sich ihre kleine Tochter mit der Puppe an. Doch die scheint ein merkwürdiges Eigenleben zu führen …

Die bislang fünfteilige CHUCKY-Reihe stand immer etwas zu Unrecht im Schatten größerer Horror-Serien. Der erste Teil ist ein gern unterschätzter kleiner Klassiker des kommerziellen Spät-Achtziger-Horrors und die beiden Sequels waren zwar weniger überzeugend, aber ebenfalls von akzeptablem Niveau. Ronny Yus BRIDE OF CHUCKY bedeutete 1997 eine überraschende Rückkehr der Mörderpuppe (die einige Jahre zuvor in Negativ-Schlagzeilen geraten war, als zwei jugendliche Kindermörder gestanden, den ersten CHUCKY-Film gesehen zu haben) und eine clevere Neuorientierung hin zu einem etwas moderneren, selbstreflexiven Stil. Chucky wurde zum Protagonisten gemacht und bekam in einer Anlehnung an BRIDE OF FRANKENSTEIN eine Puppenfrau zur Seite gestellt, der Film avancierte zum absurden Puppenfilm für Erwachsene inklusive schlüpfriger Sexszenen. Diesen Ansatz bemühte auch SEED OF CHUCKY, der den Erfolg des Vorgängers jedoch nicht wiederholen konnte. Ich mochte den Film damals, kann mich aber an keine einzige Szene mehr erinnern, was ein eher schlechtes Zeichen ist. Die Serie war nach der sowieso unerwarteten Reanimation am Ende. Fast zehn Jahre später kommt nun also CURSE OF CHUCKY, direkt für den Videomarkt produziert und inszeniert von Don Mancini, dem die Mörderpuppe eine Herzensangelegenheit ist. Er hatte schon für den ersten Teil das Drehbuch verfasst und war seitdem an jedem weiteren Beitrag beteiligt.

Im mittlerweile sechsten Teil besinnt er sich auf die Anfänge seiner Schöpfung, verzichtet – bis zum Schluss, dazu später mehr – auf das selbstreflexive Spiel mit den Metaebenen und macht die Puppe wieder zum stummen Monster mit Unschuldsmiene. Und das durchaus erfolgreich. Ihm gelingen gleich mehrere effektive Szenen, die Beschränkung auf einen atmosphärischen Schauplatz und das Handicap der Protagonistin trägt ebenfalls Früchte. CURSE OF CHUCKY ist im besten Sinne „retro“: Nicht, weil er mit irgendwelchen hippen Anspielungen oder einem anachronistischen Soundtrack an die Achtzigernostalgie appelliert, sondern weil er sich an das erinnert, was den ersten Teil 1988 zu einem kleinen Hit machte. Der Kontrast zwischen dem unbelebten Bübchengesicht der Puppe und ihren Taten und der Wissensvorsprung des Zuschauer gegenüber den Opfern sorgen für Spannung und milde Gänsehaut. Die Splatterszenen sind heftig, ohne zu effekthascherisch in die Breite gewalzt zu werden, die Probleme der Protagonisten sind nachvollziehbar, ohne dass der CURSE OF CHUCKY zum Drama mit Authentizitätsanspruch avancierte. It’s good friendly violent fun, wie man ihn in dieser Form heute nur noch selten serviert bekommt.

Leider traut sich Mancini nicht, das bis zum Ende durchzuziehen. So läuft der Film, nachdem die eigentliche Story zufriedenstellend abgeschlossen wurde, in einer reichlich gezwungen Reihe von Epilogen aus, die keine andere Funktion haben, als CURSE in den Korpus der Serie einzugliedern. Sowohl Jennifer Tilly als auch Alex Vincent als Andy Barclay, Chuckys Gegner aus den ersten drei Teilen, dürfen noch ihren Auftritt absolvieren. Das mag als Geste nett sein, unterwandert aber den Erfolg der vorangegangenen 90 Minuten, der doch gerade ihrem Reduktionismus zu verdanken war. Daran, dass CURSE OF CHUCKY ein erstaunlich schöner Beitrag zur Reihe geworden ist, ändert das aber auch nichts.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.