man of steel (zack snyder, großbritannien/kanada/usa 2013)

Veröffentlicht: November 10, 2013 in Film
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Man-of-steel-Kann sich noch irgendjemand wirklich an SUPERMAN RETURNS erinnern, Bryan Singers Versuch, dem wohl berühmtesten Comic-Superhelden der Welt nach fast 20 Jahren Leinwand-Abstinenz zu einem Comeback zu verhelfen? Und zwar „Erinnern“ nicht bloß im einfachsten Sinne als Wissen um seine Existenz verstanden, sondern als zurückbehaltener, halbwegs lebendiger Eindruck von Bildern und Handlung, seinem „Wesen“? Ich auch nicht.

Ich prognostiziere, dass das mit Zack Snyders Film anders sein wird. Wahrscheinlich wird auch er nichts daran ändern, dass man Superman auf ewig mit Christopher Reeve verbindet – das hat etwas mit der Zeit zu tun, in der Donners und Snyders Filme jeweils entstanden; aber doch hat Snyder es geschafft, der von vielen als überkommen empfundenen Figur neue Facetten abzugewinnen und einen sehr eigenständigen Superheldenfilm vorzulegen, etwas, das Singer eben nicht gelang. Dennoch ist MAN OF STEEL nicht rundum beglückend. Es ist wie so oft, wenn Snyder einen neuen Film vorlegt: Meist eilen ihm seine Ambitionen hoffnungslos davon, kann er mit dem Tempo, das er selbst vorgegeben hat, nicht mithalten. So verkommt auch MAN OF STEEL im letzten Drittel zur zwar durchweg beeindruckend anzusehenden, aber auch ungemein ermüdenden Materialschlacht und Dauerbalgerei. Man verzeiht ihm das, weil die erste Stunde wahrhaft zum Niederknien schön ist.

Snyders MAN OF STEEL ist ein unglaublich trauriger Film. Die Fähigkeiten des Außerirdischen Kal-El (Henry Cavill), der zunächst als einziger Überlebender seines Heimatplaneten von seinen Eltern auf die Erde geschickt wurde, machen ihn nicht zum strahlenden Helden, sondern vor allem eins: einsam. Was seine Aufgabe sein soll, warum er auf der Erde landete, das gilt es erst herausfinden. Bis dahin muss ihm klar sein, dass er von den Menschen vor allem als Gefahr empfunden werden wird. Wie ein Flüchtling zieht er durch Amerika, dazu befähigt, Großes zu tun, aber eben angeraten, es zu unterlassen. Den Tod seines Vaters (Kevin Costner) sieht er hilflos mit an: Ihn zu retten bedeutete, sein Geheimnis zu offenbaren. Snyder lädt nicht mehr nur dazu ein, die Geschichte von Superman – dieser Name wird keine einziges Mal verwendet – als Jesus-Allegorie zu lesen, er inszeniert sie ganz offensiv als solche. Als den Menschen große Gefahr durch General Zod (Michael Shannon) droht, einen Verbrecher aus Clarks Heimat, der die Erde mit seiner Hilfe in einen neuen Planeten Krypton verwandeln will, sucht Superman einen Priester auf. Er kann Zod nicht trauen, aber den Menschen bislang genauso wenig. „Sometimes you have to take a leap of faith first. The trust part comes later.“, sagt der Priester. Die mit dieser Anlage einhergehende Mythologisierung verleiht dem Film eine Epik, die im Superheldenfilm bislang ihresgleichen sucht. Seine Bilder wirken wie Heiligenbilder, wie direkt aus dem kollektiven Bewusstsein der Menschheit telegrafiert. Snyders Erzählung, die sich in der ersten Hälfte des Films als Collage aus Szenen ohne echtes Zentrum darstellt, unterstreicht diesen Charakter: Die Geschichte von Superman ist schon tausendmal erzählt worden und diese Version ist nur eine von vielen möglichen. Aber es ist die Version, die alle anderen um sich vereint. Clarks Ziehvater sagt einmal, dass die Existenz seines außerirdischen Adoptivsohns alles verändere: wie die Menschen über sich selbst und ihre Rolle im Universum nachdenken. Snyders Film ist auch deshalb so schwer und massiv, weil er sich diese Fragen selbst stellt. Seine heiße Kälte rührt von der Ungewissheit, ob wir diesen Messias wirklich verdienen.

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