lethal weapon 4 (richard donner, usa 1998)

Veröffentlicht: November 14, 2013 in Film
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Basic CMYKZugegeben, LETHAL WEAPON 4 ist nicht so öde und lahmarschig wie der direkte Vorgänger, aber dafür so dermaßen übersteuert, dass er kaum weniger nervtötend wirkt. Seinerzeit fand ich ihn wohl ziemlich spektakulär und aufregend, die Melange aus Action und gefühlsduseliger Familienkomödie aber schon damals streitbar, weder wirklich zufriedenstellend noch gar überzeugend. Heute, knapp 15 Jahre später stehe ich dem Film gegenüber wie ein Höhlenmensch, der plötzlich mit Lady Gaga konfrontiert wird: Ich verstehe ihn nicht. Der Film suggeriert mir, dass mir das, was ich da sehe, ein Riesenvergnügen bereiten sollte, aber je überzeugter der Film von seinem Gelingen ist, umso mehr hat er mich befremdet und abgestoßen. Da ist diese wirklich grau-en-haf-te Szene, in der Riggs (Mel Gibson), Murtaugh (Danny Glover) und ihr neuer Partner Butters (Chris Rock – weil dieser Film nichts so sehr braucht wie noch einen Spaßvogel) sich in das Behandlungszimmer einer Zahnarztpraxis schleichen, um einen dort wartenden  Verdächtigen mithilfe von Lachgas zu verhören. Natürlich bekommen auch Riggs und Co. mehr als eine Brise des Betäubungsmittels ab, und die ganze Szene endet in unbändigem Gelächter und Lachkrämpfen, die an die Darbietungen einer mittelmäßigen Impro-Theatergruppe erinnern. Die Differenz zwischen meinem Gemütszustand und dem der Protagonisten hätte während dieser Szene kaum größer sein können. Nicht nur ist das ganze Lachgas-Szenario grauenhaft altbacken ist (es hilft nichts, dass Donner seit LETHAL WEAPON immer und immer wieder die Three Stooges referenziert, um sich abzusichern): Es ist einfach erschreckend unwitzig.

Der sich in dieser Szene niederschlagende Mangel an Selbstreflexion – Richard Donner scheint mir wirklich ein bemerkenswert dummer Mensch zu sein – zeichnet den ganzen Film aus. Hat denn wirklich keiner gemerkt, dass dieser Riggs ein grotesk unsympathisches Arschloch ist, mit seiner Herablassung gegenüber Schwächeren, seinem unverhohlenen Hass auf die Chinesen, die hier das Schurkenpersonal stellen, seiner Bully-Mentalität und seinem Sexismus? Besonders ätzend gerät der unvermeidliche Auftritt der Polizei-Psychologin: Nachdem sie ihm erneut eine Therapie angeraten hat (gähn!), stellt Riggs sie vor versammeltem Polizeirevier bloß, indem er ihr sexuelles Interesse an ihm unterstellt. Klar, dass ein selbstverliebter Geck wie er sich nicht vorstellen kann, dass eine Frau aus einem anderen Grund mit ihm spricht. Und wie idiotisch sich alle verhalten! Riggs erfährt in der Eröffnungsszene von Murtaugh, dass Lorna (Rene Russo) von ihm schwanger ist, weil sie sich nicht getraut hat, es ihm selbst zu sagen. In den folgenden 120 endlosen Minuten vollführen die beiden Endvierziger einen Eiertanz um die Frage, ob sie heiraten sollen: Man fühlt sich wie im Kindergarten. Murtaughs Tochter Rianne hat ihrerseits nicht nur ihre Schwangerschaft vor ihrem Daddy geheim gehalten, sondern gleich auch noch ihre Heirat einschließlich Ehemann. Die Versuche des Inkognito-Schwiegersohns Butters, sich bei Murtaugh beliebt zu machen, missversteht dieser „natürlich“ als die Avancen eines Schwulen. Es ist wirklich beeindruckend, wie würdelos sich Erwachsene verhalten können. Oder vielmehr: Was Donner so alles für lustig hält. Alles aus ist dann am Schluss, wenn es eine rührselige Ansprache von Leo Getz (Joe Pesci) gibt, der nunmehr seit drei Filmen übelste Demütigungen und Beschimpfungen über sich ergehen lassen musste und trotzdem vor lauter Dankbarkeit fast vergeht. Die zwei, drei netten, wirklich witzigen Momente – etwa das Mantra-artig wiederholte „I’m not too old for this shit!“, eine auf-den-Kopf-Stellung von Murtaughs Lieblingsspruch, mit der die beiden ihre unleugbaren Alterserscheinungen wegbeten wollen – fallen bei der Anzahl schmerzhaft-idiotischer Einfälle kaum ins Gewicht.

Von der Actionfront gibt es leider kaum Positiveres zu vermelden. Es kracht, wie erwähnt, etwas mehr als im dritten Teil, aber wirklich mitreißend ist das alles nicht. Der Erfolg einer spektakulären Verfolgungsjagd wird massiv dadurch geschmälert, dass man Gibsons Stunt-Double allzu oft allzu gut erkennen kann, Jet Lis Martial-Arts-Künste sind weitestgehend verschenkt, zumal seine Rolle mit „eindimensional“ noch reichlich wohlwollend beschrieben ist. Nee, nee, das ist alles nichts. Vielleicht ist LETHAL WEAPON 4 einfach schlecht gealtert, vielleicht ist man bei der gerechten Einschätzung des Films auch durch Gibsons Eskapaden in den  letzten Jahren beeinträchtigt. Aus heutiger Warte kann ich mir jedenfalls kaum erklären, warum ich diesen Film nicht damals schon gehasst habe. Ein eindrucksvolles Beispiel, dass Älterwerden mitnichten bloß körperlichen und geistigen Verfall bedeutet, sondern manchmal auch mit einer begrüßenswerten Weiterentwicklung einhergeht.

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Kommentare
  1. Thies sagt:

    Bei diesem Teil geh ich hundertrprozentig mit Dir d’accord, wobei ich schon damals den Kinosaal ziemlich unzufrieden verliess. Die verschiedenen Elemente des Films – die Action, die Soapstränge und die Comedy – scheinen aus verschiedenen Universen zu stammen und wurden ohne bindenden Kitt aneinander getackert. Chris Rock soll auf der Bühne ein die Grenzen des Genres einreissender Standup-Komiker sein, aber in diesem Film wirkt er wie ein aus x-ter Generation stammender Klon von Eddie Murphy. Und das selbstgefällige Spiel von Mel Gibson wird nicht mal ansatzweise aufgebrochen. Dass Jet Li als Bösewicht keinerlei Profil bekommt mag am Drehbuch liegen, aber es passt zum mehr als mäßigen Gesamteindruck.

  2. Marcos sagt:

    Selten eine Kritik gelesen, die mir so aus der Seele spricht. Ein Alptraum war das!

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