pacific rim (guillermo del toro, usa 2013)

Veröffentlicht: November 24, 2013 in Film
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PACIFIC RIM ist eine Übung in awesomeness: Seine Story lässt sich auf die visuelle Idee „Riesenroboter kämpfen gegen Riesenmonster“ runterbrechen; ein markiges Versprechen, das der Weltbevölkerung der Nerds wahrscheinlich kollektive Hirnorgasmen verschaffte. Der ganze Film lässt sich als Versuch verstehen, der ultimativen Nerdfantasie bildlich so nah wie möglich zu kommen, zwei der coolsten Dinge auf dem Planeten – Kampfroboter! Monster!! – auf kürzestem Wege zusammenzubringen und in unvergesslichen geilen Bildern abzulichten. Ich würde behaupten, der Versuch war ausgesprochen erfolgreich, aber ein Bisschen was fehlt dennoch. Del Toro gehört mit Leuten wie Quentin Tarantino, Robert Rodriguez, Alex de la Iglesia, Eli Roth oder auch Rob Zombie zu einer „neuen“ Generation von movie brats, Videonerds mit Vorliebe für Genrekino, Comics, Computerspiele und andere Aspekte der Trivialkultur. In seinem Werk pendelte der Mesikaner bislang zwischen künstlerisch anspruchsvolleren Genrefilmen wie CRONOS, EL ESPINAZO DEL DIABLO oder PAN’S LABYRINTH und kommerziellem Geek-Kult wie BLADE 2, HELLBOY oder HELLBOY II: THE GOLDEN ARMY und letzteres offenbarte in seinen besten Momenten immer Elemente des ersteren: HELLBOY war nicht nur eine verdammt spaßige und liebevolle Umsetzung der gleichnamigen Comics, er offenbarte Herz und eine für solche Stoffe sonst ungeahnte Tiefe. Letzteres vermisst man bei PACIFIC RIM, zumal man in jeder Sekunde das Riesenpotenzial der Geschichte für echte Epik erkennt. Während seiner rund 130-minütigen Spielzeit fällt dieser Mangel nicht ins Gewicht, zu sehr ist man damit beschäftigt, jedes einzelne Detail der überwältigenden Bilder aufzunehmen und das wie wild in der Brust hüpfende Jungenherz zu beruhigen. Doch wenn der Film zu Ende ist, dann ist da plötzlich auch das Gefühl einer gewissen Leere, die Del Toro nicht auszufüllen vermochte. Gerade dass er so an diesem einen Bild klebt, dem sprichwörtlichen Duell der Giganten, beraubt ihn einiger Möglichkeiten.

Die Geschichte von PACIFIC RIM ist eigentlich ein auf Spielfilmlänge ausgedehnter dritter Akt: In einer Art Prolog erzählt er von der ersten Attacke der „Kaiju“, von der Konstruktion der „Jaeger“, den ersten menschlichen Triumphen, dem scheinbaren Rückgewinn der Kontrolle und der überraschenden Verschärfung der Situation. Die folgenden zwei Stunden befassen sich mit der letzten Schlacht, die die Menschen zu schlagen haben, um die Kaiju engültig zurückzutreiben oder zu kapitulieren, und damit mit dem, was andere Filme sich für den Showdown aufbewahren. Das ist durchgehend unterhaltsam und so spektakulär bebildert, wie man es anhand der Prämisse erwarte durfte. Die Idee, des „drifts“, der neurologischen Kopplung der Jaeger-Piloten, sorgt für den nötigen human factor, und die ausufernden Fights stellen ein gelungenes technisches Update der Gummimonster-Balgereien aus den japanischen Kaiju Eiga dar, das wenig Wünsche offen lässt. Ja, ein paar Verbesserungsvorschläge hätte ich auch hier noch vorzubringen: Ich vermisste einen Kampf bei Tageslicht und ein etwas abwechslungsreicheres Monsterdesign, aber letztlich sind das Kleinigkeiten, Geschmäcklereien. Schwerer ins Gewicht fällt, dass PACIFIC RIM nur einen sehr kleinen Ausschnitt aus einer ungemein großen Geschichte erzählt – und noch nicht einmal den interessantesten. Der angesprochene Prolog deutet in wenigen Bildern das riesige Potenzial an, dass ein mit dieser Technik ausgestatteter Monster-Invasionsfilm aus der Hand Del Toros hätte, evoziert eine ganze Palette an Emotionen, während der Film selbst vergleichsweise eindimensional bleibt. Diese ständig in Angst vor unvorhersehbaren Monsterattacken lebende Welt bleibt eine Chiffre in Del Toros Film, der, seinen gigantischen Protagonisten zum Trotz, einen enorm engen Fokus hat.

Wenn man das verschmerzen kann, wenn man den Zusammenprall von Riesen-Kampfrobotern und Monstern ebenfalls einfach nur awesome findet, Spaß an State-of-the-art-Effektkunst hat (allein wie das Regenwasser von diesen Giganten abperlt ist eine Augenweide) und sich daran erfreuen kann, dass eine solche nerdige Idee von jemandem umgesetzt wurde, der weiß, worauf es ankommt, der ist mit PACIFIC RIM gut bedient. Gewaltiger und beeindruckender wird dieses Jahr kein Science-Fiction-Film mehr werden (ich schätze, Cuarons GRAVITY spielt in einer ganz anderen Liga) und bei allem nitpicking sollte man für diesen Film wahrscheinlich einfach dankbar sein. Del Toro ist nicht angetreten, das Erzählkino zu revolutionieren, sondern unsere Augen übergehen zu lassen, uns zu überwältigen und uns zwei Stunden lang reuelosen Spaß zu bereiten. Das ist ihm meines Erachtens ausgezeichnet gelungen. Sein nächster Film wird dann auch wieder unsere grauen Zellen beschäftigen, da bin ich mir sicher.

 

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