la liceale nella classe dei ripetenti (mariano laurenti, italien/frankreich 1978)

Veröffentlicht: November 27, 2013 in Film
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Beim zweiten Anlauf, das Abitur zu machen, kommen Loredana (Gloria Guida) erneut romantische Irrungen in den Weg. Zwar ist sie immer noch irgendwie mit dem ekligen Billy (Rodolfo Bigotti) liiert, doch arbeitet der geckenhafte Professor Pinzarrone (Gianfranco D’Angelo) fieberhaft daran, sie mit seinem Sohn  Tonino (Sylvain Chamarande) zu verkuppeln – als verspätete Rache dafür, dass er selbst vor Jahrzehnten bei Loredanas Mutter abgeblitzt war. Nach einem Autounfall wird Tonino gezwungen, den sterbenden Schwan zu mimen, um so erst Schuldgefühle und Mitleid, dann schließlich wärmere Gefühle bei Loredana zu wecken. Billy ist natürlich gar nicht begeistert und sucht nach der richtigen Konterstrategie. Unterdessen wird die hoffnungslos überforderte Lehrerschar von den Schülern mit fiesen Streichen getriezt …

Die Fortsetzung – auf Deutsch FLOTTE TEENS – JETZT OHNE JEANS betitelt (und damit Erwartungen schürend, die nicht wirklich erfüllt werden) – teilt mit dem Vorgänger LA LICEALE nur noch oberflächliche Gemeinsamkeiten. Gloria Guidas Loredana ist hier vergleichsweise brav, nachdem sie zuvor noch als durchtriebene Lolita erwachsenen und heranwachsenden Männern gleich reihenweise den Kopf verdrehte. Sie behält dann auch bis kurz vor Schluss alle Klamotten an und bleibt – wohl auch, weil der Film offenkundig im Herbst gedreht wurde – meist überaus züchtig verhüllt. Überhaupt wird sie von der Handlung des Films über weite Strecken in die Passivität und somit an den Rand des Geschehens gedrängt. Gianfranco D’Angelo stiehlt ihr eindeutig die Schau als intriganter Popanz, der ständig mit Stiefeln und Reiterhose herumläuft und die Reitgerte schwingt. (In der deutschen Fassung wird erst sehr spät klar, was es mit seinem Outfit auf sich hat, als man nämlich einen Blick auf das Hitlerbild an seiner Wohnzimmerwand erhascht. Jeder Hinweis auf seine politische Ausrichtung wurde von der deutschen Synchronisation natürlich vorsorglich getilgt.) Mit dieser Akzentverlagerung verändert sich der ganze Film: Weg von der pubertierenden Softsexkomödie hin zur episodischen Comedia all’italiana mit ihren karikaturesk überzeichneten Spießerfiguren, zotigen Slapstickszenen und zielgenau auf die Region um die Gürtellinie gerichteten Witzen. Die deutsche Synchro steht der hemmungslosen Alberei in nichts nach und so hat mir LA LICEALE NELLA CLASSE DEI RIPETENTI deutlich mehr Spaß bereitet als der Vorgänger, der zwar mehr nackte Haut vorzuweisen hatte, aber sich zu sehr auf seine nur wenig aufregende Story konzentrierte.

Um einen Eindruck zu vermitteln, welche bizarren Kausalketten hier aufgespannt werden, nur um jemanden mit dem Kopf vor einen Schrank knallen oder nasse Füße bekommen zu lassen, ein besonders markantes Beispiel: Professor Pinzarrone besucht eines Abends seine Geliebte. Die ist gelangweilt von seinen Liebeskünsten und zwingt ihn dazu, mit einem Strumpf über dem Kopf in ihre Wohnung im ersten Stock einzusteigen, um sie dann als Dieb zu „vergewaltigen“. Bei seiner Fassadenkletterei beobachten ihn Billy und zwei Schulkameraden aus einer gegenüberliegenden Wohnung und zwar durch das Zielfernrohr eines Gewehrs (erstaunlicherweise wird im Folgenden niemandem in den Hintern geschossen, womit ich fest gerechnet hatte). Weil Pinzarrone sich beim ersten Anlauf blöd anstellt, schickt seine Geliebte ihn erneut auf die Straße. Dort wird er nun von den drei Schülern abgefangen, die ihren Lehrer sogleich in ein Gespräch über sein Idol Napoleon verwickeln und ihn von seinem eigentlichen Plan abhalten. Während er enthusiastisch referiert, klettert einer der Schüler nach dem anderen, ebenfalls mit Strumpfmaske verkleidet, in die Wohnung der wartenden Frau, um sie dort zu beschlafen. Die Gute ahnt nichts und ist nach der dritten „Vergewaltigung“ völlig k.o. Sehr zum Leidwesen von Pinzarrone, der nicht nur leer ausgeht, als er endlich wieder bei ihr ankommt, sondern auch noch als Einbrecher von der Polizei gestellt und in den Knast verfrachtet wird. Todmüde und übernächtigt – seine Zelle hatte kein Bett – tritt er am nächsten Morgen die Arbeit in der Schule an, wo er am Pult einschläft und sogleich zur Zielscheibe gemeiner Streiche wird. Die Situation kulminiert, als er sich auf die Toilette schleppt, die die Schüler zuvor vorsorglich verstopft haben, und am Urinal erneut einpennt, während das Wasser der Spülung läuft und läuft und läuft …

Aber es gibt noch weitaus mehr solch „elaborierter“ Späße: Eine schreckhafte Lehrerin fällt bei jedem lauten Geräusch vor Schreck aufs Kreuz und erzielt so schließlich den Hochsprung-Rekord beim Sportfest am Ende des Films. Der Direktor des Films ist schwerhörig und versteht daher alles falsch, was ihm gesagt wird. Immer wieder bekommen Leute die Reitgerte Pinzarrones ab. Das Auto des Musiklehrers Modesti (Alvaro Vitali) wird von den Schülern immer wieder auseinandergenommen und fällt am Ende – als es ausnahmsweise mal völlig intakt scheint – in seine Bestandteile zusammen, als er den Motor anlässt. Beim Sportfest tritt er darüber hinaus mit Perücke verkleidet in der Damen-Staffel an, weil Loredana überraschend ausfällt: Billy hat sich Toninos Strategie zu eigen gemacht und eine Verletzung beim Weitsprung vorgetäuscht. Nachdem er also rücklings in den Sand gefallen ist, markiert er den sterbenden Schwan, der schon fast das Licht am Ende des Tunnels sieht, ohne dass sich einer der Anwesenden darüber wundert. Unbedingt erwähnenswert ist auch Loredanas männlicher Vormund, Onkel Zenobio (Lino Banfi), der seine Glatze unter einem Toupet versteckt, um eine Frau aufzureißen. Sein amouröses Tête-à-Tête wird von Loredanas Freunden unterbunden, die eben noch eine Party gefeiert haben und sich nun hinter der Couch verstecken. In einem bemerkenswerten Tennismatch treten die beiden Turteltäubchen auch noch gegen den tauben Direktor und die schreckhafte Lehrerin an: Hilarity ensues so sicher wie das Amen in der Kirche.

Immer wenn man glaubt, das Niveau könne unmöglich unterboten werden, oder meint, wenigstens ein Standard des tumben Humors würde ausgelassen, wird man vom Gegenteil überzeugt und es kommt noch schlimmer. Aber ehrlich: Gerade das ist ja das Tolle an diesem Film, der heute wahlweise anmutet wie von einem anderen Planeten zu uns heruntergebeamt oder aber wie von einer Horde überdrehter Achtjähriger ohne jedes Talent zur Selbstbeschränkung erdacht. Die Albernheit des Films ist hochgradig ansteckend und mein Vergnügen verhielt sich direkt proportional zur Blödheit der Pointen. Es wird wirklich alles geboten, was man vor 25 bis 30 Jahren mit noch nicht voll entwickeltem Hirn für komisch hielt, und von den Darstellern in jener unnachahmlichen italienischen Art präsentiert. LA LICEALE NELLA CLASSE DEI RIPETENTI ist gewiss nicht für jedermann, aber mich hat die Sucht jetzt schon gepackt. Ich will mehr davon.

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