la poliziotta fa carriera (michele massimo tarantini, italien 1976)

Veröffentlicht: Dezember 4, 2013 in Film
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Gianna Amicucci (Edwige Fenech) liebt die gialli aus dem Mondadori-Verlag, öffnet heimlich die Benachrichtigungen der Polizei, die ihre Nachbarn im Briefkasten haben, und hat im Kino keine Lust, mit ihrem Verlobten Cecé (Michele Gammino) zu fummeln, weil sie ganz vertieft in den Krimi auf der Leinwand ist. Ihr größter Wunsch ist es, selbst Polizistin zu werden, sehr zum Unverständnis ihres Vaters. Dank des schon damals unverzichtbaren Vitamin Bs – der Polizeichef Moretti (Gigi Ballista) wohnt bei ihr im Haus und sein Sohn, der Arzt Alberto Moretti (Giuseppe Pambieri), macht sich Hoffnungen, bei der Schönen landen zu können – ergattert Gianna erst einen Platz auf der Polizeiakademie und wird trotz eigentlich mangelhafter Leistungen schließlich sogar übernommen. Kommissar Antinori (Mario Carotenuto) gibt ihr einfachste Aufgaben, bei deren Erfüllung die junge Frau aufgrund ihres Übereifers stets größtes Chaos verursacht. Doch dann kommt sie durch Zufall dem Kopf eines Drogenrings auf die Spur …

Nach dem ermüdend ziellosen Unsinn von L’INSEGNANTE BALLA … CON TUTTA LA CLASSE ist LA POLIZOTTA FA CARRIERA wie Balsam für meinen geschundenen Leib. Zwar zeigt auch dieser Film die Episodenhaftigkeit, die nahezu alle Beiträge der Comedia sexy all’italiana auszeichnet, doch wird er durch die Figur der Gianna Amicucchi zusammengehalten. Edwige Fenech, die ich vor allem aus Giallos kenne, wo sie meist das verängstigte Opfer gibt, bezaubert hier als freche, engagierte und charmante Möchtegern-Polizistin, die ihre mangelnde Qualifikation durch erhöhte Einsatzbereitschaft wettmacht. Der Humor des Films geht dann auch weniger auf ihre Kappe und die Tatsache, dass Frauen zu dumm für Männerberufe wären, sondern zulasten ihrer chauvinistischen Vorgesetzten, die sich alle für überlegen halten, aber sich gerade dadurch und ihre eigene Schwanzgesteuertheit als die eigentlichen Dummköpfe erweisen. Sehr lustig ist wieder einmal Mario Carotenuto mit seiner zentimeterdicken Brille: Ein Running Gag des Films lässt ihn an der Bedienung einfachster technischer Geräte scheitern, die wie durch Geisterhand ihren Dienst verweigern, wenn er sie betätigt, und die sofort wieder reibungslos funktionieren, sobald sein Faktotum Tarallo (Alvaro Vitali) von ihm zur Hilfe gerufen wird. So fügt sich der Film nahtlos in die italienische Komödientradition, die so gern die verkrusteten bürokratischen Institutionen von Staat und Kirche aufs Korn nimmt und Autoritätsfiguren als Deppen zeichnet, die von den einfachen Bürgern gnadenlos bloßgestellt werden. Man sollte ganz gewiss kein Meisterwerk erwarten, aber LA POLIZOTTA FA CARRIERA ist noch nicht ganz so stark von den Anzeichne des drohenden Niedergangs gezeichnet wie das bei späteren Vertretern der Comedia sexy all’italiana der Fall ist. Wer das italienische Trivialkino der Siebzigerjahre zu schätzen weiß und mit dem typischen Humor zurechtkommt, der sollte auch an diesem Film seinen Gefallen finden können. Auch handwerklich ist er ein ganze Ecke ansprechender als das, was einem Tarantinis Kollege Laurenti zuweilen bescherte, weiß mit den Bildern römischen Verfalls zu punkten, an denen ich mich einfach nicht sattsehen kann.

Das sah wohl auch das zeitgenössische Publikum so: LA POLIZIOTTA FA CARRIERA, der in Deutschland unter dem grandiosen Titel POLITESS IM SITTENSTRESS erschien und auf DVD als Teil der FLOTTE TEENS-Reihe vermarktet wird, ist der zweite Teil einer vierteiligen Serie. Nachdem im 1974 von Steno inszenierten Vorgänger LA POLIZIOTTA noch Mariangela Melato ins Polizeikostümchen geschlüpft war, trat die Fenech 1976 in ihre Fußstapfen und blieb der Rolle auch in den Fortsetzungen LA POLIZIOTTA DELLA SQUADRA DEL BUON COSTUME von 1979 (zu Deutsch: DAS SCHLITZOHR VON DER SITTE) und LA POLIZOTTA A NEW YORK (EINE SUPERPOLIZISTIN in NEW YORK) v0n 1981 – beide unter der Regie von Tarantini entstanden – treu. Beim Blick auf ihre Filmografie sieht man bereits, dass das italienische Kino zum Zeitpunkt jenes dritten Sequels schon nicht mehr dasselbe war: Fenechs Kinokarriere lief in den frühen bis mittleren Achtzigerjahren langsam aus, mit Ausnahmen wie Deodatos UN DELITTO POCO COMMUNE (1988) beschränkten sich ihre seltener werdenden Auftritte auf Fernsehproduktionen. Ich habe das wahrscheinlich schon oft geschrieben, aber Filme wie LA POLIZIOTTA FA CARRIERA sind für mich aus diesem Grund immer auch mit einer gewissen Wehmut verbunden. Mitte der Siebzigerjahre gab es noch eine florierende italienische Filmlandschaft, die aber nicht mehr allzu lang Bestand haben sollte. Das Schielen nach dem schnellen Erfolg, das sich in solchen populären, aber eben auch anspruchslosen Stoffen widerspiegelte, war sicherlich ein Grund dafür, dass das Publikum plötzlich wegbrach.

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