zimmer 13 (harald reinl, deutschland/frankreich 1964)

Veröffentlicht: Dezember 28, 2013 in Film
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Der Politiker Sir Marney (Walter Rilla) erhält Besuch von dem Zugräuber Joe Legge (Richard Häussler): Den Mann, der ihm vor 20 Jahren bereits einmal geholfen hatte, erpresst er, ihn bei seinem neuesten Coup erneut zu unterstützen. Sollte er sich weigern, drohe seine Tochter Denise (Karin Dor) Böses. Marney schaltet den Detektiv Johnny Gray (Joachim Fuchsberger) ein, um die Tochter zu beschützen und herauszufinden, was Legge plant. Die Spuren führen zur Highlow-Bar von Igle (Hans Clarin), wo nicht nur Legge mit seinen Männern ein und aus geht, sondern auch ein unbekannter Rasiermessermörder plötzlich zuschlägt …

Reinls vierter (und vorletzter) Beitrag zur Wallace-Reihe mutet wie eine nostalgische Rückbesinnung auf die Anfänge der Erfolgsserie an: ZIMMER 13 erzählt eine sehr weltliche Gangstergeschichte, die weitestgehend ohne schaurige Beigaben auskommt. Die Geschichte um den Rasiermessermörder hat mit dem restlichen Fall eigentlich nur am Rande zu tun, drängt sich aber bald ins Zentrum des Films. Reinl bricht die betuliche Krimiatmosphäre durch einige erstaunlich heftige Gewaltszenen auf, die in der Reihe bislang beispiellos sind: einmal spritzt eine Prä-Splatter-Blutfontäne durch den Raum, ein armer Tropf wird von den Ganoven brutal zusammengeschlagen, seine Schreie dringen dabei sekundenlang aus dem Off. Im Finale leisten sich die Polizei und Legges Bande ein Feuergefecht mit hohem Aderlass, und einen – trotz Vorankündigung – erstaunlich effektiven Schockeffekt beschert Reinl dem Zuschauer zum Schluss, wenn das Serienmaskottchen Eddi Arent mit einer Maschinenpistole erschossen wird. Natürlich hatte dieser sich mit einer kugelsicheren Weste geschützt, dennoch sitzt der Schock, fühlt man sich für Sekundebruchteile aus seiner gemütlich-bequemen Rezeptionshaltung aufgeschreckt. Man merkt schon: ZIMMER 13 ist einer der bleihaltigeren Filme der Reihe, wirkt neben den gimmicklastigen Wallace-Filmen stärker aufs Wesentliche reduziert, aber auch ein bisschen altmodisch mit seinem Duell der beiden Gentleman-Veteranen Rilla und Häussler und dem Zugraub. Eine Ausnahme bilden die ersten leichten Anleihen bei der ungefähr zur gleichen Zeit Furore machenden Bond-Reihe: Schon die erste Szene mit Fuchsberger zeigt den Leading Man mit einer schönen Blonden im Bett, auch im Folgenden wird er immer mehr als weltmännischer Charmeur präsentiert. Was hier noch zaghaft ist, schlägt schon im folgenden Film, Vohrers DER HEXER, voll durch: Dann wird Scotland-Yard-Chef Sir John (Siegfried Schürenberg) eine an Miss Monepenny erinnernde Sekretärin erhalten, Fuchsberger noch mehr als Playboy inszeniert werden und Eddi Arent den Westentaschen-Q geben. In ZIMMER 13 ist es, wie gesagt, noch nicht so weit. Selbstreflexive Späße sind hier nahezu undenkbar. Der nominell nicht so bekannte Beitrag Reinls gehört zu einem im öffentlichen Bewusstsein eher unterrepräsentierten Nebenstrang der Wallace-Filme: geradlinige Krimis ohne Schnickschnack, mit Gangstern, Hinterzimmern und Maschinenpistolen statt Gespenstern, Giftschlangen und Spukschlössern. Keine Granate, aber eine schöne Abwechslung vor dem nächsten Vohrer.

Personal: Eddie Arent (14. Wallace-Film), Joachim Fuchsberger (8.), Siegfried Schürenberg (5.), Karin Dor (4.), Richard Häussler (3.), Walter Rilla, Hans Clarin, Eberhard Junkersdorf, Kurd Pieritz (2.), Bruno W. Pantel, Erik Radolf, Arthur Binder (1.). Regie: Harald Reinl (4.), Drehbuch: Will Tremper (1.), Musik: Peter Thomas (7.), Kamera: Ernst W. Kalinke (2.), Schnitt: Jutta Hering (1.), Produktion: Horst Wendlandt (12.), Erwin Gitt (2.).
Schauplatz: Gedreht wurde in Dänemark und im Studio in Berlin-Spandau.
Titel: Bezieht sich auf ein Hotelzimmer in der Highlow-Bar, wo Joe Legge und seine Kumpane in einer Geheimkammer ihren Raub planen.
Protagonisten: Der Privatdetektiv Johnny Gray.
Schurke: Die Bande um den Zugräuber Joe Legge sowie der mysteriöse Rasiermessermörder.
Gewalt: Drei Rasiermessermorde, diverse Erschießungen.
Selbstreflexion: Die bekannte Begrüßung durch Edgar Wallace zu Beginn erfolgt über die Lautsprecher der Paddington Station.
Kommentare
  1. Sebastian sagt:

    Kleine Korrektur: Das Drehbuch zu »Zimmer 13« stammt nicht von Petersson/Hurdalek sondern von Will Tremper, der unter dem Pseudonym Quentin Philips gearbeitet hat.

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