der unheimliche mönch (harald reinl, deutschland 1965)

Veröffentlicht: Januar 1, 2014 in Film
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Als Lord Darkwood stirbt, gibt es Gemurmel unter den Hinterbliebenen: Während das Anwesen inklusive des Mädchenpensionats im Besitz von Lady Patricia (Ilse Steppat) bleiben soll, sieht das Testament vor, dass das gesamte Vermögen an Gwendoline (Karin Dor) geht, die Tochter des wegen Mordes lebenslänglich inhaftierten Reginald, eines Sohns von Lord Darkwood. Das weckt Begehrlichkeiten: Der betrügerische zweite Sohn des Lords, Sir William (Dieter Eppler), sowie sein Enkel Ronny (Hartmut Reck), planen sofort, die Verwandte aus dem Weg zu räumen – oder sie zu ehelichen –, um in den Genuss des Geldes zu kommen. Der dritte Sohn, Richard (Siegfried Lowitz), ein Anwalt und im Besitz der einzigen verbliebenen Kopie des Testaments, bietet wiederum an, diese zu verbrennen und damit jeden Anspruch Gwendolines auszulöschen, wenn ihm seine Verwandten den Löwenanteil ihres Erbteils überschreiben. Der Streit wird verkompliziert, als die Mädchen des Pensionats (darunter Dunja Rajter und Uschi Glas) dem unheimlichen, schwarz gewandeten Mönch zum Opfer fallen, der durch den Schlosspark streift. Inspektor Bratt (Harald Leipnitz) hat alle Hände voll zu tun, dem Täter auf die Schliche zu kommen …

DER UNHEIMLICHE MÖNCH ist ein Übergangsfilm, das zeigt sich schon an dem Farb-Testballon, den Reinl während der Title-Sequenz auf den Weg schickt, um das Publikum auf den bevorstehenden Wechsel von Schwarzweiß zu Farbe vorzubereiten. Mit diesem sollte Reinl, Regisseur des ersten Wallace-Films der Rialto und eine der prägendsten Kräfte der Reihe, dann aber nichts mehr zu tun haben: DER UNHEIMLICHE MÖNCH markiert seinen letzten Wallace-Film und bedeutete auch den Abschied seiner Gattin Karin Dor, die insgesamt fünfmal mitwirkte. Obwohl DER UNHEIMLICHE MÖNCH erneut ein gelungener Film geworden ist, merkt man ihm dennoch überdeutlich an, dass es dringend an der Zeit war, das bis hierhin nahezu unverändert durchgezogene Konzept einer Frischzellenkur zu unterziehen: Gab es zwischen den Edgar-Wallace-Filmen auf der Handlungsebene immer schon Parallelen, so ist Reinls fünfter Beitrag ganz deutlich ein Crossover bereits erprobter Zutaten: Die Titelfigur erinnert schon namentlich an den schwarzen Abt aus Gottliebs gleichnamigem Film, Frauenhandel wurde schon in DER HEXER thematisiert und die Streiterei zänkischer Verwandter kennt man sowohl aus DAS INDISCHE TUCH wie auch aus NEUES VOM HEXER. So kommt DER UNHEIMLICHE MÖNCH zwar als kompetent gemachter kleiner Thriller daher, der wieder etwas stärkere Betonung auf ein unheimliches Element legt, aber jede höhere Ambition oder auch nur einen gewissen inszenatorischen Witz oder Esprit weitestgehend vermissen lässt. Das Gefühl, das sich beim Sehen einstellt, ist das eines „Been there, done that“: Reinl hat einen prototypischen Wallace-Film vorgelegt, der gute Unterhaltung bietet, aber dem gewohnten Schema nicht den Hauch einer eigenen, neuen Idee hinzufügt. Auch die Enthüllung des Täters, die der eine große Aha-Moment des Films sein soll, hinterlässt nicht die erhoffte Wirkung. Es war einfach klar, dass diese eine, bislang noch nicht erprobte Variation irgendwann fällig werden würde.

Fazit: Nachdem die Jahrgänge 1963 und 1964 der Wallace-Reihe als eher durchwachsen bezeichnet werden müssen, konsolidiert Reinl sie mit einem leicht überdurchschnittlichen Film, der aber zeigt, dass sie eine Frischzellenkur dringend nötig hatte. Ob die Zuschauer das aber genauso sahen, bleibt fraglich: DER UNHEIMLICHE MÖNCH schnitt mit 2,6 Millionen Besuchern an der Kinokasse sehr ordentlich ab. Keiner der nachfolgenden Filme konnte ihn übertreffen. Und das obwohl mit DER BUCKLIGE VON SOHO eine echtes Meisterwerk deutscher Exploitation bevorstand.

Die Edgar-Wallace-Checkliste:

Personal: Eddie Arent (19. Wallace-Film), Siegfried Schürenberg (9.), Karin Dor, Wilhelm Vorwerg (5.), Siegfried Lowitz, Kurt Waitzmann, Kurd Pieritz (4.), Dieter Eppler (3.), Harald Leipnitz, Ilse Steppat, Erik Radolf (2.), Rudolf Schündler, Uta Levka, Susanne Hsiao, Uschi Glas (1.). Regie: Harald Reinl (5.), Drehbuch: J. Joachim Bartsch (1.), Fred Denger (1.), Musik: Peter Thomas (12.), Kamera: Ernst W. Kalinke (3.), Schnitt: Jutta Hering (5.), Produktion: Horst Wendlandt (17.), Preben Philipsen (9.).
Schauplatz: London, das Schloss Darkwood, eine alte Mühle. Gedreht wurde in Hamburg, Berlin und London, im Schloss Hastenbeck und der Mühle Hittfeld.
Titel: Bezieht sich auf das „Gespenst“ das durch den Park des Schlosses läuft und Menschen mit seiner Peitsche ermordet.
Protagonisten: Inspektor Bratt und die Damsel in Distress Gwendoline.
Schurke: Der Film bietet gleich mehrere Schurken auf, neben dem Mönch, der einen Mädchenhändlerring betreibt, gibt es auch noch einige mörderische Erbschleicher.
Gewalt: Diverse Genickbrüche durch Peitschenhiebe, Erschießungen.
Selbstreflexion: Die bekannte Begrüßung zu Beginn, dann wird während der Titlesequenz von Schwarzweiß zu Farbe gewechselt, wahrscheinlich, um das Publikum auf die Änderung mit dem nächsten Film vorzubereiten. Danach geht es dann noch einmal wie gewohnt in Schwarzweiß weiter.

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