12. hofbauer-kongress: american angels: baptism of blood (beverly & ferd sebastian, usa 1989)

Veröffentlicht: Januar 5, 2014 in Film

american-angels-baptism-of-blood-movie-poster-1989-1010210656Nachdem ich während des wunderbaren ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN sanft entschlummerte – wissend, dass mir nichts Entscheidendes entgehen würde, da der Film bereits vom verdienstvollen Label Pidax auf DVD veröffentlicht wurde (Kauft diesen Film und zeigt, dass es eine Kundschaft für solche immer noch stiefmütterlich behandelten Filme gibt! ) – stellte der obligatorische „Videoknüppel“ in den frühen Morgenstunden einen angemessenen Abschluss des ersten Kongresstages dar. Filme aus den USA sind auf den eher eurozentrierten Kongressen rares Gut, Beiträge meines Leib- und Magengenres „Action“ noch viel mehr, umso größer war die Freude, mit diesem Schätzchen aus seligen VHS-Tagen in den Schlaf entlassen zu werden.

AMERICAN ANGELS: BAPTISM OF BLOOD erzählt die Geschichte von Lisa (Jan Sebastian), einer Amateur-Ringerin, die sich ihr Geld mit Schaukämpfen in einem schäbigen Striplokal verdient und von Dazzling Dave, dem Chef der Profi-Frauenringertruppe „American Angels“, entdeckt wird. Unter seinen Fittichen durchläuft sie eine harte Schule und wird gemeinsam mit zwei anderen Neuen immer wieder vom Zugpferd des Stalles, der amtierenden Weltmeisterin Magnificent Mimi (Mimi Lesseos), angefeindet. Als die Einschaltquoten der American-Angels-Shows jedoch unerwartet in den Keller sinken, kommt Dave auf eine Idee: Entgegen seiner Philosophie gibt er Lisa vor Beendigung ihrer Ausbildung die Chance, im Kampf gegen Mimi den Titel zu erringen. Das Duell entwickelt sich zu einem erbitterten Fight, in dem keiner zurückstecken will.

AMERICAN ANGELS: BAPTISM OF BLOOD ist ein recht typisches Produkt seiner Zeit: Als USP fungieren die beiden Hauptdarstellerinnen, ihres Zeichens nicht nur gut gebaut, sondern auch Profiwrestlerinnen, die den breiten Raum einnehmenden Kämpfen die nötige Authentizität verleihen. Die Dramaturgie ist zahlreicheren größeren und erfolgreicheren Produktionen entlehnt – man denke etwa an die ROCKY-Reihe oder Kickbox-Filme wie BLOODSPORT –, bindet von der kriminellen Vergangenheit einer der neuen Wrestlerinnen über die Rivalität mit dem Champion und dem dunklen Punkt in der Vergangenheit der Hauptfigur, der im Schlussfight schließlich endgültig überwunden wird, bis hin zum spektakulären Finishing Move, mit dem sie triumphiert, und einer „Training Montage“ alle etablierten Klischees und Versatzstücke ein. Einen Lilliputaner gibt es noch obendrauf. „Abgerundet“ wird das nicht zuletzt durch die spezielle Mode der Zeit: Die Frauen tragen beeindruckende architektonische Haargebilde auf dem Kopf und hüllen sich in neonfarbene Stretchkleidung, die Körperrundungen wie -ritzen ansehnlich betont, und auf dem Soundtrack läuft der Supermarkt-Synthesizer mit seinen Plastikfanfaren heiß. Der Film ist sichtbar preiswert, die Settings von spartanischer Sachlichkeit, die deutsche Synchro, deren Sprecher offensichtlich pro Lautäußerung bezahlt wurden und deshalb jede Bewegung mit einem hörbaren Ächzen, Stöhnen, Seufzen und Glucksen quittieren, unterstreicht den milde pornösen Aspekt, der diese Filme ja auch immer auszeichnet.

Doch diese Billigkeit kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier, in kleinem Rahmen zwar, aber dennoch durchaus mit einigem Geschick gearbeitet wurde: Die Fights sind – wenn auch manchmal zu lang – so doch durchweg kompetent choreografiert, umgesetzt und inszeniert, die Geschichte mag etwas rammdösig sein, funktioniert aber in ihrer ikonischen Einfachheit, und die Figur des Dazzling Dave, eine Karikatur auf Boxpromoter wie Don King mit ihrem selbstverliebten PR-Geschwätz und Omnipotenzwahn, ist nichts anderes als pitch-perfect. Als er mit der Harley in sein in einer Garage untergebrachtes Büro einrollte, gab es im Kongress-Auditorium – wie auch an manch anderer Stelle des Films – kein Halten mehr. Mit anderen Worten: Dieser zum Ausklang eines schönen, aber auch immer etwas anstrengenden Kongresstages eingeworfene Rausschmeißer entpuppte sich als genau jenes euphorisierende Gemeinschaftserlebnis, für den die Besucher den Hofbauer-Kongress so lieben.

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