12. hofbauer-kongress: die liebesquelle (ernst hofbauer, österreich 1966)

Veröffentlicht: Januar 7, 2014 in Film
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Nach der moralischen Rosskur namens BONITINHA, MAS ORDINÁRIA war die Entscheidung, ein erquickendes österreichisches Lustspiel von Kongress-Namenspatron und -Schutzheiligem Ernst Hofbauer vorzuführen, ein überaus weiser, ja geradezu genialer Schachzug der in jeder Veranstaltungssekunde un das Seelenheil der Gäste besorgten Kuratoren. Die Mischung aus rührend unschuldiger Sexkomödie und frohsinnigem Heimatfilm namens DIE LIEBESQUELLE wusch das Gewissen der Anwesenden wieder porentief rein, ersetzte Scham, Zorn, Ekel und Unglauben mit dem Gefühl, das alles gut und schön und richtig ist. Dafür waren vonseiten Hofbauers gar keine größeren Winkelzüge vonnöten, eben nur die für solche Filme typische Sonnigkeit des Gemüts, der es gelingt jede Ahnung vom Bösen in der Welt abzublocken, zu tilgen, auszulöschen: So wird aus dem Herzen eben statt einer Mördergrube eine Liebesquelle gemacht, in der man die müden Glieder vom kühlenden Nass umspülen und auch noch den letzten Anflug dunkler Gedanken fortwaschen kann.

Das Dörfchen Jonkborn soll vom Fremdenverkehrsamt Geld für eine Imagekampagne bekommen. Der herbeigerufene Werbemann Leif (Hans-Jürgen Bäumler) stößt auf der Suche nach dem besonderen Etwas Jonkborns auf die sogenannte Liebesquelle, die laut Sage dem Mann, der von ihr trinkt, große Manneskraft, der Frau, die bei Vollmond in ihr badet, ewige Schönheit verspricht. Natürlich hält der jeder Fleischeslust und Aberglaube abholde Dorfrat, bestehend aus Apotheker (Balduin Baas), Lehrerin (Ellen Umlauf), Pfarrer (Herbert Tiede) und Wirt (Walter Buschhoff) diese Sage für ausgemachten Blödsinn, nicht ahnend, wie der kernige Bürgermeister Nils Hansen (Sieghardt Rupp) zu seiner großen Beliebtheit gerade bei der weiblichen Bevölkerung gekommen ist. Als das Amt mit Leifs freizüglichem Plakatentwurf konfrontiert wird, ist die Empörung ebenfalls groß. Der spießige Assessor Alwin Knobbe (Eddi Arent) soll die mit der Quelle verknüpften Versprechungen vor Ort auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Und in Jonkborn hat sich das Geheimnis der Quelle mittlerweile unter den noch unwissenden und angesichts ihrer lustlosen Gatten überaus liebeshungrigen Damen mittlerweile herumgesprochen …

Hofbauer erzählt seinen Schwank als Rückblende: Knobbe eröffnet den Film als Lebemann mit Designerwohnung im Sixties-Chic und einem Überangebot sich ihm darbietender Schönheiten mit direkter Zuschaueransprache. Wie aus dem kleinen Assessor Knobbe der attraktive und erfolgreiche Lebemann wurde, will er erzählen und führt den Zuschauer so in das norddeutsche Dörfchen, das sich auch durch das Gebirgspanorama im Bildhintergrund nicht im Glauben an seine geografische Lage verunsichern lässt. In seinem kreisförmigen, um einen ungepflasterten Platz gruppierten Aufbau erinnert es ein bisschen an einer Westernstadt und das Männeken Piss, das den Dorfbrunnen ziert, macht die Verwirrung endgültig perfekt. Die hat auch die Männerschar des Films befallen: Keiner begreift, warum der Apotheker das Bürgermeisteramt an Nils abtreten musste, aber damit sind sie ganz allein. Den jungen Mädchen hüpfen vor Freude und Erregung fast die wogenden Brüste aus dem Kleid, wenn der braungebrannte Sonnyboy mit dem unbeirrbaren, zahnreichen Siegerlächeln und dem weit aufgeköpften Hemd des Weges kommt. Es schließen sich die üblichen Spielchen an: Irgendwann versammeln sich die gehörnten Ehemänner auf einem Hochsitz und beobachten die anrückende Frauenschar, die sich in einer besonders sonnigen Vollmondnacht aller Kleider und Hemmungen entledigt und in die hübsch in die Landschaft drapierte Quelle hüpft. Bevor Empörung oder Lust zu groß werden können, schießt ihnen der Nils eine Ladung Schrot ins Gesäß, nur so aus Spaß und um ihnen eine kleine Lektion zu erteilen. Am Ende wird der Wille der Spießer natürlich gebrochen und auch die Staatsmacht in Vertretung von Knobbe erliegt der Fleischeslust. Da erigieren sogar die Baggerschaufeln, die die Quelle eigentlich zuschütten sollten, bekommt Jonkborn sein Plakat und kann die sexuelle Revolution in den norddeutschen Alpen endlich ihren erwarteten Anfang nehmen.

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