der mönch mit der peitsche (alfred vohrer, deutschland 1967)

Veröffentlicht: Januar 9, 2014 in Film
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Zwei Schülerinnen eines Mädcheninternats werden mit einem neuartigen Giftgas ermordet, außerdem fallen weitere Menschen einem rot gewandeten Mönch und seiner Peitsche zu Opfer, mit denen er ihnen das Genick bricht. Inspektor Higgins (Joachim Fuchsberger) nimmt die Ermittlungen auf. Er findet heraus, dass Ann Portland (Uschi Glas), eine der Schülerinnen des Internats, über ein großes Vermögen verfügt, das im Falle ihres Ablebens einem noch unbekannten Erben zufällt. Plötzlich verschwindet sie …
Alfred Vohrers zehnter Wallace-Film ist ein farbenfroh realisiertes Remake des zum Zeitpunkt des Entstehens gerade einmal zwei Jahre alten Reinl-Films DER UNHEIMLICHE MÖNCH. Warum man sich für eine Neuauflage ausgrechnet dieses Werks entschied, anstatt sich eines älteren anzunehmen, kann ich an dieser Stelle nicht beantworten. Auf der Handlungsebene unterscheiden sich beide Filme nur marginal. Vohrer inszeniert DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE aber deutlich stärker auf den Knalleffekt hin, während Reinl einen deutlich gemäßigteren Stil pflegte. Diese Differenz wird vor allem durch den Wechsel von Schwarzweiß zu Farbe bedingt und zeigt sich schon in der Gestalt des Mönchs: Der im Vorgänger noch mit einer schlichten schwarzen Kutte versehene Mörder weicht in Vohrers Adaption einer imposanten Gestalt mit grellroten Gewand und spitzer Kapuze. Zur Tarnung taugt das neue Kostüm zwar nicht, bringt seinen Träger auch in der tiefsten Nacht noch eindrucksvoll zum Leuchten, macht aber in der saftig-übersteuerten Farbdramaturgie mächtig was her. DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE suhlt sich geradezu in Bildern, die wie die filmische Umsetzung grellbunter Groschenheft-Titelseiten aussehen.
So startet der Film in einem Mad-Scientist-Labor voller blubbernder und dampfender Flüssigkeiten in allerlei Tiegeln, Gläsern und Schläuchen, das in einem düsteren Kellergewölbe untergebracht ist. Der zauselig aussehende Wissenschaftler hat soeben seine Erfindung fertiggestellt, ein duft- und geschmackloses Giftgas, das binnen Sekunden tötet, wie der finale Test an einigen Laborratten gezeigt hat. „Dieser Tod hat Zukunft!“, verkündet er im Stile eines Unmenschen und bringt dann sofort seinen Assistenten um, den späte Gewissenbisse packen. Man fragt sich, wie diese Wissenschaftler eigentlich arbeiten, dass sie am Ende vor einem Ergebnis stehen, das sie nicht einmal annähernd abgesehen haben. Ein weiteres hübsches Setting wurde im Berliner Aquarium für einen Blofeld-artigen Oberschurken eingerichtet. Er sitzt stets mit dem Rücken zum Zuschauer an seinem Schreibtisch, betrachtet die ihn umgebenden Wasserbecken und spricht mit durch ein Mikrofon verfremdeter Stimme. Wann immer Not am Mann ist, löscht er das Licht und verschwindet somit ganz unverhofft aus dem Sichtfeld seines überraschten Gastes. Hartnäckige Gegner landen bei Bedarf im Krokodilgehege. Eine weitere Kuriosität ist das Internatsschwimmbad, das über ein Unterwasserfenster verfügt, das zur Wohnung eines Lehrers gehört. Andächtig beobachtet er die jungen Schülerinnen in ihren engene Badeanzügen, damit verdeutlichend, dass die Wallace-Filme längst nicht mehr ohne Sex auskamen. Subplots wie jener, der sich um die Liebschaft eines Lehrers zu einer Schülerin dreht, wären noch wenige Filme zuvor undenkbar gewesen. Die italienischen Gialli, die der Wallace-Reihe einige Stichworte zu verdanken hatten, sollten den Bogen dann nur wenig später konsequent weiterspannen.
Aufmerksamen Lesern mag auffallen, dass es zu DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE nicht übermäßig viel zu sagen gibt: Es handelt sich um einen durchweg unterhaltsamen, prächtig anzusehenden Film, der mir aber vielleicht eine Spur zu routiniert ausgefallen ist (ein Problem, das die Wallace-Filme von Beginn an mit sich schleppen). Echte Überraschungen oder Aha-Effekte stellen sich leider nicht ein. So ist der wirkliche einzige Irritationsmoment die Figur des Inspektor Higgins: Der kaut während des gesamten Films auf irgendetwas herum, ohne dass diese Marotte auch nur einmal thematisiert würde. Wahrscheinlich einfach ein Ergebnis von Improvisation, macht es die Auftritte Fuchsbergers merkwürdig enervierend und „edgy“.
Die Edgar-Wallace-Checkliste:
Personal: Siegfried Schürenberg (13.), Joachim Fuchsberger (10.), Kurt Waitzmann (6.), Wilhelm Vorwerg (5.), Heinz Spitzner, Jan Hendriks (4.), Ilse Pagé, Tilo von Berlepsch, Susanne Hsiao (3.), Uschi Glas, Grit Boettcher, Harry Riebauer, Hans Epskamp, Rudolf Schündler, Suzanne Roquette, Bruno W. Pantel (2.), Siegfried Rauch, Claus Holm, Narziss Sokatscheff, Ewa Strömberg, Herbert Kerz (1.). Regie: Alfred Vohrer (10.), Drehbuch: Herbert Reinecker (5.), Musik: Martin Böttcher (6.), Kamera: Karl Löb (10.), Schnitt: Jutta Hering (7.), Produktion: Horst Wendlandt (21.).
Schauplatz: Ein britisches Internat im Grünen, eine Haftanstalt. Gedreht wurde in Berlin und zwar auf der Pfaueninsel, dem Teufelsberg und im Berliner Aquarium.
Titel: Bezieht sich auf den umgehenden Mörder. Zum vierten Mal enthält der Titel einen klerikalen Begriff.
Protagonisten: Inspektor Higgins und Damsel in Distress Uschi Glas.
Schurke: Der titelgebende Mönch und ein Drahtzieher im Hintergrund.
Gewalt: Diverse Giftgas- und Peitschenmorde, Erschießungen.
Selbstreflexion: Begrüßung zu Beginn, Erwähnung von DER UNHEIMLICH MÖNCH („So einen Fall hatten wir doch schon einmal.“), am Ende sinkt ein Schild mit der Aufschrift „Ende“ ins Bild.

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