das geheimnis der schwarzen koffer (werner klingler, deutschland 1962)

Veröffentlicht: Januar 25, 2014 in Film
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geheimnis_des_schwarzen_koffer_dasWer ob des Abschlusses meiner Edgar-Wallace-Reihe vielleicht das ein oder andere Tränchen verdrückt hat, darf sich nun freuen, denn als nächstes nehme ich mir die Verfilmungen vor, die auf dem Werk des Sohnemanns des berühmten Krimiautoren basieren. Für die Produktion dieser Filme verantwortlich zeichnete Artur Brauner mit seiner CCC-Filmproduktion: Nie um eine geschäftstüchtige Idee verlegen, riss der sich ob des großen Erfolgs der Wallace-Filme die Filmrechte an den Romanen und dem Namen des fast genau so wie sein berühmter Papa heißenden Sohnes unter den Nagel. So erschienen nicht nur direkte Verfilmungen von dessen Büchern, es wurden auch frei erfundene Stoffe mit dem wohlklingenden Namen versehen und in die Kinos gebracht. Zwischen 1962 und 1972 erschienen insgesamt 11 Titel, darunter sowohl die beiden Argento-Giallos DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE und DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE als auch das Dr.-Mabuse-Crossover SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE (Brauner hatte sich schon um die Mabuse-Reihe der Sechzigerjahre verdient gemacht). Den Auftakt markierte 1962 also DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER: Für die Regie gewann Brauner mit Regisseur Klingler einen seit den Dreißigerjahren in zahlreichen Genres erfahrenen Filmemacher, für das angepeilte Wallace-Feeling sorgte Kameramann Richard Angst, der für die Rialto kurz zuvor DIE SELTSAME GRÄFIN fotografiert hatte (und in den Folgejahren zwischen beiden Reihen hin und her pendeln sollte). Gert Wilden komponierte die jazzige Musik.

In London werden mehrere Männer durch gezielte Messerwürfe ermordet. Kurz vor ihrem Tod finden Sie einen mit ihren Sachen gepackten Koffer als Ankündigung ihrer bevorstehenden Ermordung vor. Scotland-Yard-Inspector Finch (Joachim Hansen) steht vor einem Rätsel: Weder finden sich Spuren auf den Täter am Tatort noch besteht eine erkennbare Verbindung zwischen den Opfern. Auch der Kriminologe Curtis Humphrey (Hans Reiser) kann nicht helfen. Eine vom Tatort verschwundene Reisetasche führt zu Dr. Bransby (Leonard Steckel), der wie durch einen Zufall stets kurz vor den oder aber direkt nach den Morden in Erscheinung tritt. Aber auch der hilft nicht weiter. Immerhin lernt Finch dort die schöne Arzthelferin Susan Brown (Senta Berger) kennen. Die ist aus Amerika nach London gekommen, weil sie hofft, in der britischen Hauptstadt eine Spur ihres verschollenen Bruders zu finden: Der war in den USA für das FBI tätig und ermittelte in einer großen Drogensache …

DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER ist routiniert gemachte, wenngleich nicht übermäßig aufregende Krimiunterhaltung, die mit Einflüssen aus dem Horrorbereich – ganz im Stile der frühen Wallace-Filme – noch sehr sparsam umgeht. Das Mysterium der gepackten Koffer tritt zudem bald in den Hintergrund und macht Platz für eine ganz weltliche Selbstjustizgeschichte: Hinter dem Ganzen steckt die Rache eines ehemaligen Opfers an einem Drogenkartell, das die Welt mit der tödlichen Droge Mescadrin in Gefahr bringt. Der Bruch, den diese Fokusverschiebung bedeutet, geht etwas unsanft vonstatten, es dauert eine Weile, bis man begreift, warum es plötzlich um Drogen geht, aber diese Irritation hält andererseits auch das Interesse wach. Zwar sind echte herausragende Momente oder gar spektakuläre Szenen eher Mangelware, dennoch entfaltet der Film einen gewissen Reiz, den ich nur schwer erklären kann. Die Irrwege des Plots sind etwas weniger selbstzweckhaft als in vielen der Wallace-Filme, die Verortung nicht in den höheren Kreisen der Gesellschaft mit ihren Schlössern und Villen, sondern in einem bondeständigeren London gibt dem Film einen moderneren Anstrich. Dass bis auf ein paar Archivmaterial-Szenen ausschließlich im Nachkriegsberlin gedreht wurde – wo Klinger und Angst besonders triste Industriebrachlandschaften und Belege urbaner Ödnis ablichteten – und die Kluft zwischen beiden Städten für den Zuschauer unüberbrückbar ist, unterstreicht diesen realistischen Einschlag noch. Finch darf einmal sogar einen Kurzabstecher in die USA machen: In den dem Commonwelath huldigenden Rialto-Wallaces undenkbar! Das einzige, womit ich dann tatsächlich nicht so recht warm wurde, ist das Comic Relief Chris Howland, der mich tatsächlich Eddi Arent herbeisehnen ließ. Insgesamt also ein nicht überwältigender, aber doch akzeptabler Einstand.

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