der würger von schloss blackmoor (harald reinl, deutschland 1963)

Veröffentlicht: Januar 27, 2014 in Film
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wuerger_von_schloss_blackmoor_derIn und um Schloss Blackmoor geht ein Mörder um: Seine strangulierten Opfer ziert ein „M“ auf der Stirn. Haben die Morde etwas mit dem illegalen Treiben des Schlossmieters, dem in Kürze den Ritterschlag erwartenden Lucius Clark (Rudolf Fernau), zu tun? Er war einst in einen Juwelenraub verstrickt und arbeitet mit Unterstützung seines Butlers Anthony (Dieter Eppler), eines reichlich irren Juwelenschleifers, nun daran, die Beute in bares Geld umzuwandeln, bevor man ihm auf die Schliche kommt. Dazu ist er auch deshalb gezwungen, weil er einen Teil des für seine Nichte Claridge (Karin Dor) zurückgelegten Vermögens verzockt hat und der Verwalter desselben, der strenge Dr. Tromby (Richard Häussler), auf Rückzahlung pocht. Doch alle Juwelensendungen an den Hehler Tavish (Hans Nielsen) werden vom Würger abgefangen. Nun ist es an Inspektor Jeff Mitchell (Harry Riebauer), die Morde aufzuklären …

Mit der Verpflichtung von Harald Reinl, Urheber des ersten Eintrags der von der Rialto initiierten Edgar-Wallace-Reihe, gelang Artur Brauner im Rahmen seiner in Konkurrenz gestarteten Bryan-Edgar-Wallace-Serie ein großer Coup. Dem durchschnittlichen Kinogänger dürfte kein wesentlicher qualitativer Unterschied zwischen DER WÜRGER VOM SCHLOSS BLACKMOOR und den ungefähr zur gleichen Zeit – jeweils kurz zuvor oder kurz danach – gestarteteten Titeln DER ZINKER oder DER SCHWARZE ABT aufgefallen sein, im Gegenteil: Gerade im Vergleich zum dem von Franz Josef Gottlieb inszenierten letztgenannten Titel, der große motivische und inahltliche Parallelen zum WÜRGER aufweist, schneidet Reinls Film außerordentlich gut ab. Zwar fällt bei Brauner alles eine Nummer kleiner und konzentrierter aus als in den sich manchmal sehr in die Breite ausdehnenden Produktionen von Wnedlandt, aber das erweist sich hier eindeutig als Vorteil. Die Rachegeschichte bleibt schön kompakt und trotz der vielen Verdächtigen immer übersichtlich, die finale Demaskierung des Würgers entfaltet so einen ungleich größeren Effekt als in den Konkurrenzfilmen, bei denen zumindest ich irgendwann stets hoffnungslos den Anschluss verlor, und die einzelnen Akteure bekommen mehr Zeit, ihre Rollen mit Leben zu erfüllen. Walter Giller gibt als verarmter Schlossbesitzer (mit Schottenrock und irrwitzigem Zwirbelbart) so eine Art Comic Relief, ohne dabei jedoch komplett zur Clownsfigur zu verkommen, Richard Häussler und Hans Nielsen (ohne Schnauzbart und mit dunkel gefärbten Haaren auf den ersten Blick kaum wiederzuerkennen) sind im Schurkenmodus angemessen verschlagen und hassenswert, Harry Riebauer lenkt als Ermittler nicht allzu stark von den vielen zweilichtigen Gestalten ab und Dieter Eppler, in den Rialto-Filmen selten wirklich nachhaltig wirksam, darf sich als besessener Juwelenschleifer richtig austoben, Augenrollen inklusive: Er hat die beste Szene, wenn er die schöne Karin Dor überwältigt, sie auf seinen Arbeitstisch drückt, das Schleifgerät an ihr Gesicht führt und ihr droht, nun ihre hübschen Äuglein zu schleifen – da erreicht der Film fast transgressive, in jedem Fall verstörende Qualität. Auch die Enthauptung eines Motorradfahrers via über die Straße gespanntem Seil gerät deutlich happiger als die entweder ganz im Off stattfindenden oder wenigstens allzu grafische Details meidenden Morde bei der Konkurrenz. Das Finale im Moor bietet dann die von vielen an den Wallace-Filmen so verehrte Gruselatmopshäre, komplett mit im dunkeln Tann versteckter Nebelmaschine und Gegenlicht-Scheinwerfer sowie als letzter Gruß aus dem Morast ragender Mörderhand. Gewöhnungsbedürftig ist einzig die Musik von Oskar Sala, der keine lasterhaft schwofenden Beatstücken komponiert hat, sondern enervierende Stücke aus dissonanten Elektrofiepsern. Das lässt sich aber durchaus verschmerzen. 

Guter Film, viel mehr Worte sind nicht vonnöten.

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