die nylonschlinge (rudolf zehetgruber, deutschland 1963)

Veröffentlicht: Februar 7, 2014 in Film
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Im Nachtklub „Esquire“ wird ein Polizist mit einer Nylonschlinge anstelle von Mr. Wilkins erdrosselt, der zuvor ein Erpresserschreiben erhalten hatte. Inspector Harvey (Dietmar Schönherr) nimmt die Ermittlungen auf. Sie führen ihn zum Schloss Elford Manor, wo sich gerade diverse Unternehmer versammeln, um eine gemeinsame Ölgesellschaft zu gründen. Mehrere der Anwesenden haben den gleichen Brief wie Wilkins bekommen und einige weitere fallen im Folgenden dem unbekannten Mörder zum Opfer. Auch auf Harvey wird ein Mordanschlag verübt …

Rudolf Zehetgruber ist Menschen meines Alters wahrscheinlich vor allem wegen der Filmreihe um das Wunderauto „Dudu“ ein Begriff, die der gebürtige Österreicher auch mit seiner Tätigkeit als Hauptdarsteller adelte. Dass DIE NYLONSCHLINGE auf dem Cover der Pidax-DVD als Zehetgrubers „Meisterwerk“ tituliert wird, klingt vor diesem Hintergrund sowieso sowieso schon nicht übermäßig verheißungsvoll, aber geradezu deprimierend, wenn man dieses „Meisterwerks“ dann auch noch ansichtig geworden ist. Doch der Reihe nach: DIE NYLONSCHLINGE ist Erwin C. Dietrichs erster Versuch, mit einem nebeldurchwaberten Gruselkrimi am Erfolg der Edgar-Wallace-Filme zu partizipieren (der zweite und letzte ist der ungleich spaßigere DER WÜRGER VOM TOWER). Zehetgruber hatte zuvor mit DIE SCHWARZE KOBRA seine Eignung für dieses Genre unter Beweis gestellt (hat er?) und blieb ihm mit Titeln wie PICCADILLY NULL UHR ZWÖLF, DAS WIRTSHAUS VON DARTMOOR und DAS GEHEIMNIS DER CHINESISCHEN NELKE auch noch einige weitere Jahre treu, bevor er zwei Titel zur KOMMISSAR X-Serie beisteuerte und dann eben zum passionierten Käferfahrer avancierte. Er stattet DIE NYLONSCHLINGE mit den typischen Ingredienzen aus: Es gibt den tough-charmanten Ermittler mitsamt trotteligem Sidekick (Denis Seiler), ein altehrwürdiges Herrschaftshaus, einen sündigen Nachtklub, die illustre Gesellschaft britischer Gentlemen und Ladys, hübsche, verführerische Damen (Helga Sommerfeld & Laya Raki), ein vernarbtes, hünenhaftes Faktotum (Ady Berber), einen Mad Scientist (Gustav Kloster), ein unterirdisches Gewölbe samt Spinnenweben und Mumien sowie Nebel, Nebel, Nebel. Woraus Alfred Vohrer oder Harald Reinl jedoch ein veritables Geisterbahnvergnügen gezaubert hätten, damit produziert Zehetgruber nur gepflegte Langeweile. Es will ihm einfach nicht gelingen, der nackten Form Leben einzuhauchen, alles wirkt wie hingestellt und nicht abgeholt, nie hat man den Eindruck, eine Welt zu betreten, immer vermutet man hinter der nächsten Ecke den Kulissenschieber. Das Drehbuch hakt die einzelnen Plotpoints pflichtschuldigst und im Eiltempo ab (DIE NYLONSCHLINGE dauert gerade einmal 75 Minuten), ohne dabei auch nur die geringste Spannung zu erzeugen. Das ist nicht so katastrophal ermüdend wie im zuletzt durchlittenen HOTEL DER TOTEN GÄSTE, weil Zehetgrubers Film wenigstens einige Schauwerte aufbietet  und  auch visuell durchaus zu gefallen weiß, aber eben doch eher ernüchternd. Eigentlich ein bisschen schade um das durchaus vorhandene Potenzial: Schönherr gibt einen recht brauchbaren Held ab, Helga Sommerfeld ein entzückendes Zuckerschneckchen, Adi Berber ist immer eine Schau, besonders wenn er hier wie weiland King Kong an Häuserwänden emporkraxelt, und Gustav Knuth ist als Bösewicht auch eine gute Wahl. Die Settings sind hübsch, wenn auch – wie im Falle der Gruft – leichtfertig verschenkt, die Nachtklub-Szenen sorgen für schön verruchte Stimmung. Vieles stimmt, aber am Ende ist doch alles falsch. DIE NYLONSCHLINGE mutet eben nicht wie ein sorgfältig komponiertes Gericht an, sondern wie ein kaltes Büffet, auf dem das Sushi gleich neben dem Mettigel steht.

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