demonia (lucio fulci, italien 1990)

Veröffentlicht: Februar 15, 2014 in Film
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Die Archäologiestudentin Liza Harris (Meg Register) reist mit dem Forschungsteam von Professor Paul Evans (Brett Halsey) nach Sizilien, um dort Überreste der griechischen Antike zu finden. Was sie nicht wissen: Im nahe gelegenen Kloster wurden vor Jahrhunderten fünf Nonnen hingerichtet, weil sie sich dem Teufel verschrieben hatten. Nachdem Liza – offensichtlich einer inneren Stimme folgend – das Kloster betritt, geschehen einige ebenso rätselhafte wie grausame Morde …

Das weit verbreitete Narrativ zum Schaffen von Lucio Fulci sieht ungefähr so aus: Vom Beginn seiner Karriere bis zu den Siebzigerjahren hat er irgendwelche Filme gedreht, die keiner kennt, in den Siebzigern dann einige herausragende, aber unterschätzte Giallos, Italowestern etc., bevor er dann an der Schwelle der Achtzigerjahre mit seinen Zombie- und Splatterfilmen zum Schutzpatron der Gorenerds avancierte. Irgendwann war es mit der Herrlichkeit vorbei und ungefähr zu jenem Zeitpunkt Mitte der Achtzigerjahre, als das italienische Kino einbrach, der Konkurrenz aus Hollywood begünstigt durch die sich radikal verändernde Kinolandschaft nicht mehr länger etwas entgegenzusetzen hatte, drehte er nur noch „Schrott“. Man lese nur einmal, was ein selbsternannter „Fulci-Fan“ wie der amerikanische Splatter-Enzyklopäde Chas. Balun in seinem in seinem kurz nach Fulcis Tod veröffentlichten Buch „Lucio Fulci: Beyond the Gates“ über dessen Spätwerk, also alles nach ca. LO SQUARTATORE DI NEW YORK, zu sagen hat: Mehr als ein mildes komplettistisches, historisches Interesse kann er für keinen der Titel aufbringen. Nach der ersten Sichtung von DEMONIA nach vielen, vielen Jahre – damals, Mitte der Neunziger erstand ich den Film als italienisches VHS-Tape via Mailorder völlig überteuert und natürlich auf Italienisch ohne Untertitel, weil man ihm in diversen Horrorlexika einen äußerst hohen Blutgehalt andichtete – verstehe ich zwar, warum sich viele mit ihm (und anderen italienischen Filmen aus jener Zeit) schwertun, aber nicht, warum es einem „Fulci-Fan“ nicht gelingen mag, auch diesen in sein Herz zu schließen. Er verfügt nämlich über alle Qualitäten, die man auch an L’ALDILA und PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTE VIVENTI zu schätzen gelernt hatte. Und dass Fulci wahrscheinlich deutlich weniger Geld zur Verfügung stand als zehn Jahre zuvor, weiß er durchaus zu seinem Vorteil zu nutzen.

Wie schon der vor kurzem gesehene CONQUEST, gibt es auch bei DEMONIA eine Tendenz, das Bild zu verwischen. Fulci arbeitet mt Weichzeichnern und Gegenlicht, die pastellige Mode der späten Achtziger/frühen Neunziger trägt erheblich dazu bei, dass DEMONIA eine sehr fragile Visualität erhält. Jedes Bild scheint im Moment seiner Wahrnehmung schon wieder in der Auflösung begriffen. Wie die Protagonistin, heimgesucht von Visionen, die ihren Ursprung möglicherweise in einem früheren Leben haben, nicht mehr weiß, was wahr und was Traum ist, entgleitet das Geschehen auch dem Zugriff des Zuschauers. Es ist, als läge eine Nebelwand zwischen ihm und dem Film. Das passt zu einer Geschichte, die letzten Endes von der Gleichzeitigkeit von Gegenwart und Vergangenheit erzählt, vom Eindringen des Unerklärlichen und vom Verschwinden des Rationalen. (Zeit spielt ja in zahlreichen Werken Fulcis eine wichtige Rolle: Kurz zuvor hatte er ihr mit LA CASA NEL TEMPO erst einen ganzen Film gewidmet.) Diese ganzen Soap-Opera-Hackfressen mit ihren schlecht ausgedachten Ami-Namen, die das italienische Genrekino ab Mitte der Achtziger bevölkern, passen hier wie die Faust aufs Auge, wirken gänzlich identitätslos und leer, schweben so ahnungslos durch DEMONIA wie Bruce Willis durch THE SIXTH SENSE. Schon in den beiden oben genannten Zombieklassikern Fulcis waren die Protagonisten der Illusion erlegen, die Handlungsgewalt zu besitzen, obwohl sie doch allenfalls passive Betrachter waren, ihr Schicksal von Anfang an vorgezeichnet (siehe auch BEATRICE CENCI), und die Anwesenheit von charismatischen Schauspielern gaukelte auch dem Zuschauer vor, es könne ein Happy End für sie geben. In DEMONIA weiß man eigentlich von Beginn an, dass es für keinen der Anwesenheit ein Leben nach dem Film geben wird. Mehr noch: Sie sind schon während des Films tot. Das raubt DEMONIA zwar die Spannung, aber verstärkt dafür seine außerweltliche, fatalistische Stimmung, außer der es hier gar nichts mehr gibt.

Kommentare
  1. Welche DVD empfiehlt sich denn hier?

    • Oliver sagt:

      Ich vermute, dass die DVD von Raro Video die Go-to-Disc ist. Sie ist ungeschnitten, enthält den O-Ton, eine englische Synchro und einen Audiokommentar von Tentori.

  2. Oliver sagt:

    Sorry, ich sehe gerade, dass ich den Titel verwechselt habe – dachte, es ginge um AENIGMA, der ja auf deutsch DEMONIA heißt (oder DAEMONIA? Egal.). Von diesem hier besitze ich die US-DVD von Shriek Show. Hat zwar nur die englische Synchro, aber ein sehr brauchbares Bild. Es gibt auch eine deutsche ungekürzte Version, bei der ich aber aufgrund des Labels skeptisch wäre. Außerdem ist DEMONIA ja damals gar nicht herausgekommen. Das lässt für die deutsche Synchro Schlimmes befürchten.

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