il mulino delle donna di pietra (giorgio ferroni, italien/frankreich 1960)

Veröffentlicht: Februar 15, 2014 in Film
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Der junge Wissenschaftsautor Hans von Arnim (Pierre Brice) kommt in ein kleines Örtchen in Flandern, um dort einen Aufsatz über eine lokale Attraktion zu schreiben, das hundert Jahre alte „Karussell“ (eher ein bewegtes Gruselkabinett),  welches der Bildhauer Prof. Gregorius Wahl (Herbert A. E. Böhme) einst von seinem Vater übernahm und seitdem mit eigenen Kreationen am Leben hält. Doch in dessen Behausung angelangt, der „Mühle der versteinerten Frauen“, wie sie von der Bevölkerung genannt wird, stellt Hans bald fest, dass irgendetwas nicht stimmt: Wahl hat eine wunderschöne Tochter namens Elfie (Scilla Gabel), die er vor der Außenwelt versteckt hält. Sie leidet angeblich unter einer schweren, unheilbaren Krankheit, und um sie zu versorgen, hat er den dubiosen Dr. Bohlem (Wolfgang Preiss) eingestellt, der mit ihnen in derMühle wohnt. Die Situation eskaliert, als Elfie, die ein eindeutiges amouröses Interesse an Hans zeigt, von dessen bevorstehender Hochzeit mit Liselotte (Dany Carrel) erfährt. Nach einem Streit mit Hans bricht sie tot zusammen …

Giorgio Ferronis Gothic-Horrorfilm ist ein kleiner Klassiker des europäischen Genrekinos und steht ästhetisch genau an der Schwelle zwischen dem alten, schwelgerisch-schwärmerisch-melodramatischen Gruselfilm der Fünfzigerjahre und dem modernen Horrorkino, das sich nicht zuletzt durch eine größere Zeigefreudigkeit auszeichnet. Ganz ruhig und langsam baut Ferroni die Spannung auf, zeichnet erfolgreich eine ominöse Atmosphäre, statt auf vordergündige Effekte zu setzen, und erweckt im Zuschauer allmählich die Ahnung einer großen Tragödie. Herausragend ist die visuelle Gestaltung: Der Film profitiert erheblich von seinem ungewöhnlichen Setting. Das urige Mühleninterieur begeistert genauso wie das herbstliche Flandern mit seinem endlos scheinenden Flachland und den dieses durchziehenden Kanälen. Der oft ins Barocke, Kitschige umkippende Gothic Horror wird so in einer deprimierenden Tristesse geerdet, die Ferroni als Alleinstellungsmerkmal für seinen Film verbuchen darf und die einen interessanten Kontrast zu dem Familiendrama darstellt, das den Kern der Geschichte bildet.

Auch wenn IL MULINO DELLE DONNA DI PIETRA recht zahm in seinen Darstellungen ist, so knackt und kracht es doch ganz gewaltig im Gebälk. Die Beziehung zwischen dem Vater und der schwerkranken Tochter ist mit „problematisch“ noch sehr defensiv beschrieben und riecht förmlich nach Inzest, aber auch der brave Held Hans hat es faustdick hinter den Ohren. Obwohl er mit Liselotte verlobt ist, steigt er Elfie hinterer, kaum dass er sie einmal erblickt hat, lässt sich von ihr bereitwillig ins Bett zerren, nur um sich dann wieder an seine Verpflichtung Liselotte gegenüber zu erinnern und die zuvor so Begehrte fallenzulassen wie eine heiße Kartoffel. Natürlich geht es in IL MULINO DELLE DONNA DI PIETRA auch darum: Wie Männer über Frauen verfügen, sie zu Objekten ihrer Pläne machen, sie dazu benutzen, sich selbst zu erhöhen. Welche Dimensionen der Wahnsinn längst angenommen hat, offenbart sich im eruptiven Finale, bei dem das furchtbare Geheimnis von Wahls Karussell gelüftet wird und das ganze Ausmaß seiner fehlgeleiteten Tochterliebe zu Tage tritt.

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