la casa nel tempo (lucio fulci, italien 1989)

Veröffentlicht: Februar 15, 2014 in Film
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Drei jugendliche Taugenichtse, Tony, seine Freundin Sandra und Paul – letzterer, ein Psychopath wie er im Buche steht, steckt zum Spaß eine Katze in eine Plastiktüte – verschaffen sich Zugang zu dem Haus des alten Ehepaars Corsini (Paolo Paoloni & Bettine Milne), um es auszurauben. Doch als unerwartet der Gärtner Peter (Al Cliver) dazustößt, gerät die Situation außer Kontrolle und es kommt zum Blutbad, das nur die Eindringlinge überleben. Aber damit beginnen die Probleme für sie erst: Die Wachhunde machen eine Flucht unmöglich und so sind die Drei den merkwürdigen Geschehnissen im Haus hilflos ausgeliefert. Nicht nur, dass die zahlreichen Uhren plötzlich allesamt rückwärts laufen, mit der zurückgedrehten Zeit werden auch die Toten wieder lebendig …

Lucio Fulci inszenierte LA CASA NEL TEMPO fürs italienische Fernsehen, ohne jedoch dabei auf diverse happige Effekte zu verzichten. Seine Geschichte erinnert gleichermaßen an Poes Kurzgeschichten „The Tell-Tale Heart“ oder auch „The Black Cat“ wie an die moralisierenden EC Horrorcomics bzw. deren Adaption in Filmen wie TALES FROM THE CRYPT, CREEPSHOW oder diversen Fernsehformaten: Einem rücksichtslosen Verbrechen folgt die makabre Bestrafung der Täter. In LA CASA NEL TEMPO wird dieses einfache Konzept dadurch erweitert, dass auch die Opfer keine Kinder von Traurigkeit sind, vielmehr selbst mit dem Teufel im Bunde zu stehen scheinen. In einem Raum haben sie den verstorbenen Neffen samt Ehefrau aufgebahrt, weil diese sie verlassen wollten, die etwas zu neugierige Haushälterin wird von der wackeren Sara Corsini mittels Holzpflock in den Unterleib kurzerhand ermordet. Den rabiaten Jungspunden können die beiden rüstigen Rentner jedoch nichts entgegensetzen – vielleicht unterlassen sie es aber auch nur, weil sie ja wissen, dass der Tod kein Hindernis für sie darstellt. LA CASA NEL TEMPO weiß mit seiner rätselhaften Geschichte und der stimmungsvollen Fotografie zu gefallen, doch geht ihm im letzten Drittel etwas die Puste aus. Man merkt, dass der Kurzfilmstoff auf Spielfilmlänge aufgeblasen werden musste: Die finale Wendung erinnert zunächst etwas an den denkfaulen Schlussgag von Lenzis LA LE PORTE DELL’INFERNO bzw. Matteis RATS – NOTTI DI TERRORE, bevor Fulci dann noch einen draufsetzt, und weiß dem vorangegangenen Geschehen nichts wirklich Sinnvolles mehr hinzuzufügen. Dennoch gilt hier in etwas das, was ich auch zu DEMONIA schrieb: Die vielen formalen wie inhaltlichen Idiosynkrasien des Films, die nur zum Teil budgetbedingt sind, gereichen dem Film zum Vorteil, verstärken seine seltsame Atmosphäre und heben ihn vom US-Horroreinheitsbrei jener Tage wohltuend ab. Wer also immer noch der Meinung ist, Fulci habe später nur noch Mist gemacht, und sich ein open mind bewahrt hat, darf LA CASA NEL TEMPO ruhig mal eine Chance geben.

Interessant ist der Film nicht zuletzt deshalb, weil es vielleicht der erste Film des Italieners ist, den ich kenne, dem ich zubilligen würde, witzig zu sein. Humor ist in Fulcis Horrorfilmen sonst ja auffällig abwesend. Selbst wenn die Effekte noch so fadenscheinig waren, seine Ideen noch so absurd, Fulci inszenierte sie immer völlig straight, so als sie ihm das Konzept von Humor gänzlich fremd. Es ist auch dieser nicht unbedingt grimmige, aber doch irgendwie autistische, humorunbegabte Blick auf die Dinge, der die rätselhafte, beispiellose Stimmung seiner Filme ausmacht. In LA CASA NEL TEMPO nun integriert er recht erstaunlich und erfolgreich Elemente der schwarzen Komödie, bezieht seinen Witz dabei vor allem aus dem Kontrast der freundlichen Fassade des Ehepaars und ihren gräuslichen Taten und fügt dem Film etwas hinzu, das ihn noch bizarrer macht. Je mehr ich von ihm sehe, umso mer komme ich zu dem Schluss, dass er ein krass eigenständiges Kino verantwortete und immer noch nicht ganz die Wertschätzung dafür erfährt, die ihm eigentlich zukommt.

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