ondata di piacere (ruggero deodato, italien 1975)

Veröffentlicht: Februar 16, 2014 in Film
Schlagwörter:, , , , , ,

Auf Sizilien treffen Irem (Al Cliver) und Barbara (Silvia Dionisio), ein libertinäres Liebespaar, auf den reichen, zynischen und misanthropischen Unternehmer George (John Steiner), der seine Frau Silvia (Elizabeth Turner) offen demütigt, misshandelt und betrügt. Weil George ein Interesse an Barbara entwickelt, lädt er das Paar auf seine Luxusyacht ein. Während der gemeinsamen Zeit an Bord wird ein fröhliches Bäumchen-wechsel-dich-Spiel durchexerziert, bei dem der sadistische George immer mehr isoliert wird. Irgendwann ist er davon überzeugt, dass seine Frau sich mit den Gästen gegen ihn verbündet hat und seine Ermordung plant …

Deodato wieder mal – man denke an LA CASA SPERDUTA NEL PARCO – im Klassenkämpfermodus. Was sich da als aufgeheizte erotische Vierecksbeziehung präsentiert, hat natrlich eine für jeden durchschaubare gesellschaftspolitische Dimension: George ist der skrupellose Kapitalist, der andere Menschen nach seinem Gutdünken ausbeutet, benutzt und wegwirft, wenn er keine Verwendung mehr für sie hat, Irem und Barbara sind die Unterprivilegierten, die den Aufstand proben. Das ist – wie fast immer im populären italienischen Kino jener Zeit – etwas undifferenziert und überdeutlich auf den Zweck der linken Agitation hin konstruiert. George verfügt über keinerlei sympathische Züge, ist moralisch durch und durch verrottet und ein sehr dankbarer Anlass für eine polemische Kapitalismuskritik. Es ist nicht schwer, ein System zu kritisieren, das durch solche Figuren repräsentiert wird.

Trotzdem ist ONDATA DI PIACERE (zu Deutsch etwa: „Wellen der Lust“) sehr sehenswert. Neben offenkundigen Reizen wie der schönen Fotografie in traumhafter Urlaubskulisse, dem tollen Darstellerensemble und der überaus ansehnlichen Silvia Dioniso (die damals mit Deodato verheiratet war), ist es die berüchtigte Verschlagenheit und Doppelzüngigkeit Deodatos, die für den Film einnimmt. Es bleibt nämlich bis zum Ende unklar, ob Irem und Barbara nicht von Anfang an ein doppeltes Spiel gespielt haben. Gleich zu Beginn beobachten sie George und Silvia, wissen, um wen es sich bei den beiden handelt und dass er ein mieses Schwein ist, das seine Gattin wie Dreck behandelt. Auch dass George auf Barbara aufmerksam wird, ist keinesfalls ein Zufall, vielmehr sucht sie seine Nähe, legt es darauf an, von ihm „entdeckt“ und angesprochen zu werden. Beide scheinen es von Anfang an darauf anzulegen, mit George und Silvia in Kontakt zu kommen, von ihnen auf die Yacht eingeladen zu werden – aber auch, ihn zu töten?

Man muss eigentlich davon ausgehen, aber die Art, wie sie diesem „Plan“ nachgehen, lässt dann doch einige Zweifel entstehen. Sie lassen sich viel, viel Zeit und es ist nicht wirklich klar, worauf sie eigentlich warten. Um den kritischen Impetus des Films zu retten, könnte man ihr Zögern vielleicht so interpretieren, dass auch Barbara und Irem den Verlockungen des Reichtums nicht ganz gleichgültig gegenüberstehen. Sie genießen das Leben im Überfluss sichtlich und vielleicht versuchen sie insgeheim doch, sich mit dem Feind zu arrangieren. Das Problem ist nicht, dass die Macht in den falschen Händen liegt, sondern das Sein von Macht generell. Wenn die beiden George dann schließlich doch umbringen, indem sie ihn mit Alkohol betäuben und mit einer defekten Sauerstoffflasche ins Meer werfen, dann sind sie eigenlich nicht mehr viel besser als der zynische Lump, den sie so sehr verachten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.