et mourir de plaisir (roger vadim, frankreich/italien 1960)

Veröffentlicht: März 3, 2014 in Film
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Zur anstehenden Hochzeit von Leopoldo von Karnstein (Mel Ferrer) und Georgia Monteverdi (Elsa Martinelli) reist auch Leopoldos Cousine Carmilla (Annette Stroyberg) in das herrschaftliche Anwesen nach Rom. Ihrer Vorfahrin Mircalla sieht sie zum Verwechseln ähnlich: Man erzählt sich unter den angeblich von einer Vampirsippe abstammenden Karnsteins noch heute die Legende, Mircalla habe vor Jahrhunderten aus Eifersucht die Ehefrauen ihres Geliebten mit einem Fluch belegt und umgebracht. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen, als die in Leopoldo verliebte Carmilla bei einem im Vorfeld der Feierlichkeiten stattfindenden Feuerwerk die Grabkammer der Vampirin entdeckt und deren Geist offensichtlich Besitz von ihr ergreift …

Nach Sheridan Le Fanus Novelle „Carmilla“ inszenierte Roger Vadim ET MOURIR DE PLAISIR mit seiner damaligen Ehefrau Annette Stroyberg (als Annette Vadim) in der Rolle der eifersüchtigen Geliebten/Vampirin und in zauberhaften, von kraftvollen Farben bestimmten Bildern wild-düsterer Romantik. Es handelt sich nicht um eine werkgetreue Umsetzung, vielmehr wurden Motive und Handlungselemente aus der Vorlage in einen zeitgenössischen Rahmen verlegt. So spielt die Geschichte in Vadims Film in der Gegenwart und der Vampirfluch, der die Karnsteins einst beutelte, liegt weit in der Vergangenheit, erfährt aber eine ungeahnte Fortsetzung oder Wiederholung. Anders als die Adaptionen, die die Hammer Studios in den frühen Siebzigerjahren als „Karnstein-Trilogie“ produzierten (THE VAMPIRE LOVERS, LUST FOR A VAMPIRE und TWINS OF EVIL), verzichtet Vadim auf eine allzu grafische Darstellung von Gewalt und Sex, siedelt seinen Film stattdessen im sinnlichen Zwielicht zwischen Sehnsucht, Traum, Fantasie und Wahrheit an und wirft am Ende die Frage auf, ob Carmillas „Vampirismus“ nicht doch nur das Ergebnis einer überproduktiven Fantasie war.  Sie wirkt ein bisschen unreif in ihrer Liebe für den Kindheitsschwarm, ist extrem empfänglich für die Suggestionen der Karnstein-Legende, gefällt sich zudem in der Rolle des eifersüchtigen Vamps (no pun intended), der die schönen Frauen aus dem Weg räumt, die es auf ihren Leopoldo abgesehen haben. Vadim erzählt die Geschichte als Rückblende, es handelt sich um den bebilderten Bericht eines Arztes, den dieser im Flugzeug sitzend seinem Nachbarn gibt, und diese Strategie verstärkt noch ihren traumgleichen Charakter, den sie durch die opulente Bebilderung und den fragilen Score von Jean Prodromidés eh schon gewinnt. Man könnte fast sagen, Vadim mache sich zum Komplizen Carmillas, bilde nicht die Welt des Faktischen ab, sondern nehme ihre Perspektive ein, in der die Welt märchenhaft verzerrt ist. Fast zwangsläufig kommt es zu ihrer „Verwandlung“ während eines Kostümballs und Feuerwerks, also zu einem Zeitpunkt, in dem die Realität mit spielerischen Mitteln außer Kraft gesetzt wird. Und seinen visuellen Höhepunkt findet ET MOURIR DE PLAISIR konsequenterweise auch in einer Traumsequenz, die das damalige Publikum mit ihren auch heute noch gelungenen visuellen Effekten sicherlich beeindruckt haben dürfte.

Wer Vadim für einen nur mittelmäßig begabten Selbstdarsteller und Frauenheld hält, der wird sich aber auch von ET MOURIR DE PLAISIR kaum umstimmen lassen. Seine blonde Gattin passt optisch perfekt in die prominente Reihe seiner Ehefrauen und Geliebten (Brigitte Bardot, Catherine Deneuve, Jane Fonda), wird von ihm fetischistisch umgarnt und immer wieder ins rechte Licht gerückt. Man weiß nicht, ob ihn tatsächlich Sheridan Le Fanus Geschichte selbst reizte oder ob sie für ihn lediglich geeignete Bühne zur Darstellung seiner Gattin und Projektionsfläche seiner Begierden war. Mir ist das letztlich egal. Es mag lediglich seiner Entstehungszeit und den damals noch bestehenden Tabus in der filmischen Darstellung von Sex und Nacktheit geschuldet sein, dass ET MOURIR DE PLAISIR eher subtil erotisch statt schmierig und vordergründig wirkt, aber ich neige doch dazu, Vadim die für diesen Stoff nötige Sensibilität zuzugestehen. ET MOURIR DE PLAISIR zeichnet sich durch eine nur schwierig in Worte zu fassende, ätherische Qualität aus, die genau richtig ist und bei der Betrachtung fesselt, auch wenn gar nicht so furchtbar viel passiert. Und genau darum geht es im Film ja auch: Um das, was sich im Kopf abspielt, in den niemand hineinschauen kann. Auf der soeben erschienenen deutschen DVD dieses selten gesehenen und bislang nicht digital verfügbaren Filmes, lassen sich seine Schönheit und sein Mysterium dank prächtig leuchtender Farben auch im heimischen Wohnzimmer erleben.

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