ninja 2: shadow of a tear (isaac florentine, thailand/usa 2013)

Veröffentlicht: März 13, 2014 in Film
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MV5BMTA5MjI3NTE5NzleQTJeQWpwZ15BbWU4MDc2Mjg5ODAx._V1_SX640_SY720_Es ist noch gar nicht lang her, da habe ich hier regelmäßig von einer neuen Welle aufregender Actionfilme geschrieben, die aus dem DTV-Bereich auf die heimischen Bildschirme schwappten und den geneigten Betrachter mit sich fortrissen in eine Zeit, als das Actionkino noch Körperkino war, reine Kinetik, und kein mit allen zur Verfügung stehenden technischen Mitteln aufgeblasener Eventkinoquark. Doch wie das mit Wellen so ist: Irgendwann brechen sie, branden an der Küste und was nicht im Sand versickert, das rollt zurück ins Meer. In den letzten beiden Jahren ist nicht viel aufregendes passiert im Actionfilm. Vielleicht war UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING tatsächlich der von mir beschworene Endpunkt, wenn auch auf ganz andere Art und Weise als gedacht. Der Erfolg der EXPENDABLESFilme dürfte bei dieser Entwicklung ein nicht zu unterschätzender Faktor gewesen sein: Für viele seiner Stars brachte er eine neue, ungeahnte, breite Form der Aufmerksamkeit, die Chance, vor der Rente noch einmal Kasse zu machen, die sie nicht mehr für künstlerisch anspruchsvolle Actionfilme „vergeuden“ wollten. Dolph Lundgren hat sich nach drei herausragenden Filmen (THE MECHANIK, MISSIONARY MAN, ICARUS) bedauerlicherweise aus dem Regiegeschäft zurückgezogen und fällt mit mäßiger Quality Control bei der Projektwahl in alte Muster zurück. Jean Claude Van Damme scheint noch nicht so recht zu wissen, wo er hin will, was er mit dem zurückerlangten Ruhm anfangen will, Steven Seagal ließ auf das späte Karrierehoch (URBAN JUSTICE, PISTOL WHIPPED, DRIVEN TO KILL, THE KEEPER) mit MAXIMUM CONVICTION prompt den Rückschlag folgen, und auf den Befreiungsschlag von Steve Austin wartet man auch noch, nachdem er mit DAMAGE großes Potenzial offenbarte. Die Actionhelden von einst werden nicht jünger, die Erben stehen nicht gerade Schlange und den Actionregisseuren gehen die geeigneten Darsteller aus. Scott Adkins, vielleicht noch am ehesten so etwas wie ein Nachfolger, fehlt das darstellerische Profil und die Persönlichkeit, um es mit den Stars von einst aufnehmen zu können. Auf John Hyams neuesten Film warten wir seit zwei Jahren, potenziell interessante Leute wie Roel Reiné oder William Kaufman sind abhängig von dem, was sich ihnen anbietet, und Isaac Florentine, einer der wichtigsten Auteurs des neuen Actionfilms, erlaubte sich mit ASSASSIN’S KISS eine kleine Pause von der superreduzierten Retro-Action (zumindest nach dem, was ich gelesen habe, denn gesehen habe ich ihn noch nicht). Das alles ließ den Eindruck entstehen, der Actionfilme befände sich in einer unerwarteten Krise. Kann der mit Spannung erwartete NINJA 2: SHADOW OF A TEAR daran etwas ändern?

Die vorweggenommene Antwort lautet: Ja und nein. Inszenatorisch bedeutet er für Isaac Florentine eine Rückkehr zur alten, gewohnten Stärke. Die Kampfszenen, von denen es etliche gibt, sind selten übermäßig spektakulär, dafür aber wunderbar choreografiert, mit großem Gespür für Bewegung und Geschwindigkeit in Szene gesetzt, traumhafte Körperstudien, in denen dem Zuschauer nichts verborgen bleibt, die aber trotzdem ihr Mysterium bewahren. Die Sachlichkeit und Dynamik, die in diesen Fights zum Ausdruck kommt, zeichnet den ganzen Film aus. Ohne ein Gramm Fett, perfekt austrainiert, jeder Muskelstrang scharf definiert, schreitet er unaufhaltsam voran, ohne Pausen, ohne Umwege, ohne selbstverliebte Schlenker, und kommt so zu großer Klarheit. Aber ein bisschen ist das auch sein Problem: Es bleibt nicht irrsinning viel hängen von NINJA 2: SHADOW OF A TEAR, es fehlt ihm sowohl der Sinn für das wenn auch nicht ornamentale, so aber doch authentifizierende Detail, als auch eine das ganze überragende Vision. Florentines Reduktionismus stand in Filmen wie THE SHEPHERD, UNDISPUTED 2 oder UNDISPUTED 3: REDEMPTION stets auch im Dienste einer Freilegung von verschütteter Bedeutung. Das zentrale Drama trat durch seine Behandlung glasklar hervor und konnte wieder seine ganze Wirkung entfalten. Vielleicht versucht er das auch hier: Seine Geschichte – ein aufs nackte Gerüst reduzierter Racheplot – erlaubt sich genau einen Twist zum Finale, aber genau das wirkt hier inkonsequent. Nicht nur, weil man diesen Twist von Anfang an kommen sieht, sondern weil er etwas liefern soll, was vorher versäumt wurde. Der Schmerz seines Protagonisten wird durch Florentines Entblätterung eben nicht fühlbar, er gerinnt zum reinen Plotvehikel. Was ich ebenfalls, vielleicht noch mehr, vermisst habe, sind die kleinen poetischen, cartoonesken Einfälle. Das Comichafte, was noch NINJA auszeichnete ist hier zugunsten grimmiger Ernsthaftigkeit gewichen. Und beglückende, beinahe rührende Szenen wie jene aus UNDISPUTED 3: REDEMPTION, in der der Freund dem Helden ein Blümchen aus dem Dreck pflückte, um damit seine Verletzung zu heilen, gibt es hier auch nicht zu entdecken. Die Idee der superökonomischen Thrillmaschine stößt hier an ihre Grenzen.

Letzten Endes ist das Jammern auf hohem Niveau: NINJA 2: SHADOW OF A TEAR ist rein von seiner Dynamik her betrachtet, wahrscheinlich der beste reine Actionfilm seit Hyams Überfilm UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING (der seinerseits natürlich sehr viel mehr war als ein reiner Actionfilm), und handwerklich reicht Florentine in den USA derzeit keiner das Wasser, wenn es um die Inszenierung von Martial-Arts-Fights geht. Aber man ist von dem Mann bislang nun einmal sehr verwöhnt worden und deshalb vermisse ich hier einfach den letzten Kick, das Neue, das, was über sein bisheriges Schaffen hinausragt. Sein neuester Film ist ein wunderbarer Arschtritt, rasant, temporeich, schön anzusehen. Aber emotional hat er bei mir fast gar nichts ausgelöst. Die leise Enttäuschung kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht verhehlen.

Kommentare
  1. Ghijath Naddaf sagt:

    Du hast Recht. Man kann dem Film keinen Vorwurf machen, denn er liefert wie erwartet ab.
    Trotzdem hat man das Gefühl das irgendwas fehlt.
    Aber mit Undisputed 3 hat Florentine die Latte auch ziemlich hoch gelegt.
    Aber wer weiss, vielleicht gewinnt er ja bei zukünftigen Sichtungen.

  2. Chrisch sagt:

    Zustimmung!

    Die Kampfchoreographien sind wie immer absolut souverän von Florentine ins Licht gesetzt worden. Wobei…
    Gerade diese Souveränität stieß mir nachträglich arg negativ auf, da alles „nur“ solide wirkte. Man hatte beim Zuschauen der Action nie wirklich etwas zu meckern, aber – und das ist der Punkt – es wurde einem auch nichts serviert, was man besonders loben konnte. Alles war zu routiniert und damit im Endeffekt auch zu belanglos.

    Ich schätze Florentine sehr. Allmählich bin ich aber der Meinung, dass er am besten ist, wenn er Filme inszeniert, die auf kleinem, abgesteckten Terrain spielen. Stichwort Gefängnis mit Hinblick auf die vorzüglichen Undisputed Fortsetzungen Florentines.

    Schon der erste Ninja war stellenweise quälend lahm und von Leerlauf kontaminiert. Ein Schicksal welches die Fortsetzung mit dem Vorgänger teilt. Sobald sich Florentine auf weiter Flur – also einem größeren Territorium – austoben kann verliert er sein Gespür für Tempo und lässt störenden Leerlauf zu. Auf abgestecktem, eingegrenztem Terrain scheint er sich wohler zu fühlen. Er sollte zukünftig wieder vermehrt auf Turnierfilme oder ähnliches schielen.

    Auch Adkins ist – wie schon im ersten Ninja – darstellerisch schwach, da mit zuwenig Charisma und Persönlichkeit gesegnet. Er wirkt immer wie ein kampferprobter Ben Affleck auf mich.

    Am besten war er bis jetzt als Boyka und in seiner kleinen Rolle in „The Tournament“. Er scheint erst zu Hochform auflaufen zu können, wenn er seine reales Ich soweit wie möglich hinter sich lässt und optisch gänzlich hinter seinem Charakter verschwindet. Der tätowierte Boyka mit aggressiver Frisur und markantem Bart oder der vollbärtige Russe in „The Tournament“. Man muss schon genau hinschauen um Adkins hinter der Fassade jener Burschen zu erkennen.

    Das einzige Mal, dass Adkins mich in der Gestalt des Adkins einigermaßen überzeugen konnte war in dem von dir zurecht so gelobtem Universal Soldier.

    Mal sehen was die Zukunft bringt, aber wenn ich mir das filmische Schaffen von Florentine und Adkins anschaue, so wäre es angebracht sich hinzusetzen und Unidsputed 4 anzuplanen.

    Ausblick:
    Interessant in Sachen Actionfilm könnte zukünftig eventuell Michael Jai Whites „Favela“ werden. Auch der mit Peter Weller, Tony Yaa, Lundgren, Tagawa, Ron Perlma und Jai White starbesetze „Skin Trade“ ist ein Hoffnungsträger.

    Mal schauen…

    Greetz

    • Oliver sagt:

      Ich weiß nicht, ob es am „offenen Terrain“ liegt, dass NINJA 2 bei mir nicht richtig gezündet hat und Florentine sich nicht zu voller Stärke entfalten konnte. NINJA 2 hat zwar kein eng abgezirkeltes Setting, ist aber nun auch nicht gerade episch in seinem Scope. Und SPECIAL FORCES, der ähnlich weitläufig ist, hat mir auch gut gefallen. Mir schien das eher so, als wollte Florentine nach seinem etwas aus der Art geschlagenen ASSASSIN’S KISS etwas besonders straightes und geradliniges machen, quasi als „Geschenk an die Fans“ und hat dabei jegliche Finessen über Bord geworfen. (Ich weiß, man darf da nichts drauf geben und es ist auch noch nicht besonders aussagekräftig, aber die vier, fünf Bewertungen auf der OFDb pendeln zwischen 8 und 10, vielleicht war Florentine also sogar erfolgreich in seinem Vorhaben und nur wir pseudointellektuellen Actionfans haben was zu meckern.)

      Eher kommt dem Film das von dir geschilderte Adkins-Problem in die Quere: Der ganze Racheplot zieht nicht, weil die Trauer aufgesetzt ist. Weder kann er sie spielen noch wird sie vom Drehbuch richtig aufgebaut. Das ist alles nur dazu da, um den Plot loszutreten. Das unterscheidet ihn m . E vom ersten Teil, dessen Story zwar auch ein Standard war, aber trotzdem glaubwürdig umgesetzt wurde, mit nachvollziehbaren Motivationen. Im Sequel fehlt auch ein echter Schurke, der dem Helden entgegentritt. Goro ist lediglich Chiffre, und der Gegner, der am Schluss aus dem Hut gezaubert wird, bekommt gar keine Gelegenheit, einem unsympathisch zu werden.

      Übrigens lustig, dass du Ben Affleck als Vergleich heranziehst. An genau den muss ich bei Adkins nämlich auch immer denken. 🙂

      Die von dir genannten Titel und Namen behalte ich mal im Auge. Ich fand auch Ernie Barbarashs SIX BULLETS zuletzt sehr toll.

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