predator (john mctiernan, usa 1987)

Veröffentlicht: März 15, 2014 in Film
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Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Film schon gesehen habe. Die letzte Sichtung liegt wahrscheinlich gut zehn Jahre zurück (eher sogar mehr), aber das hat ihm nicht geschadet. Manche Filme, selbst Klassiker, überstehen solche langen Pausen nicht gut: entweder weil sie so extrem in einer bestimmten Zeit verhaftet sind, dass sie danach nur noch antiquiert und anachronistisch anmuten, oder aber weil man sich selbst zu stark verändert. PREDATOR ist inszenatorisch unverkennbar ein Produkt der Achtzigerjahre mit seiner „handgemachten“ Action, den feurigen Explosionen, großkalibrigen Waffen, politischen Allusionen und seinen ungebrochenen muskulösen Helden, die in druckreifen Aphorismen die Allgewalt des Faktischen beschwören, aber gleichzeitig ist er absolut zeitlos. Ihm kommt sicherlich zu Gute, dass er von McTiernan so ausgezeichnet und zupackend inszeniert wurde, dass er außerdem so ungemein pointiert ist mit etlichen Momenten, die schon zum Zeitpunkt seines Erscheinens klassisch waren, aber wichtiger scheint mir etwas anderes: Während McTiernans Mitbewerber um den Actionthron die Nähe zu politischen oder gesellschaftlichen Ereignissen der Zeit suchten, dringt er in PREDATOR zum mythischen, universellen Kern des Actionfilms vor. Er strebt Universalität an und findet sie.

Die Parallelen zum Vietnamkrieg, die manche Kritiker zogen – mit der neuesten Waffentechnik ausgerüstete, perfekt ausgebildete Soldaten sehen sich in unwegsamem Gelände einem „unsichtbaren“ Krieger gegenüber – verrät mehr darüber, wie präsent der Konflikt in den Achtzigerjahren noch war (auch dank des Actionkinos), als über PREDATOR selbst. Schon bei nur einigermaßen genauer Betrachtung hält der Vergleich nicht stand. Nicht nur, dass die Geschichte vom Sieg einer technisch hoffnungslos unterlegenen nordvietnamesischen Armee gegen die Profisoldaten aus Amerika ein Mythos ist, der nicht der Wahrheit entspricht, es ist ja auch augenfällig, dass Dutch und seine Männer der Waffentechnologie des Predators nicht gewachsen sind. Archaisch am Predator ist nur sein Motiv, nicht die Mittel, die ihm zur Verfügung stehen. Ihm geht es nicht um territorialen Gewinn, er ist schlicht und ergreifend auf Trophäenjagd: Ihm gefallen menschliche Schädel. Und um ihn zu besiegen, muss Dutch sich aller Modernität entledigen, wieder ins vorzivilisatorische Stadium zurückkehren. Das letzte Duell zwischen den beiden Rivalen spielt sich in einer unwirklichen Urzeitlandschaft ab, über die die metaphorische Nacht vor dem Heraufdämmern der Zivilisation hereingebrochen ist. Mit Fallen, Fäusten, Pfeilen und Fackeln wird diese Schlacht ausgetragen, die Kontrahenten verschmilzen mit der Welt um sie herum, und gewinnen wird der, dem die Mimikry am besten gelingt. Am Schluss schlägt mit der urknallartigen Explosion, die der Predator auslöst, die Stunde Null, aus der Dutch als das neue Alphatier hervorgeht. Wie ein Fels steht er in der von Asche bedeckten Landschaft, nur als Schemen im sich lichtenden Rauch zu erkennen. Den Aufstieg des Helden aus dem Nebel des Mythischen, seine bis in die dunkelsten Tiefen der  Menschheitsgeschichte reichenden Wurzeln, hat kein Actionfilm je so explizit thematisiert und illustriert wie PREDATOR. Rambo hat seinen Bogen und sein Messer, unzählige Martial Artists vertrauen auf eine jahrhundertealte Kampfkunst und die dazugehörige Philosophie, John McClane klettert barfuß durch die Infrastruktur eines Wolkenkratzers wie ein Urwaldkrieger, aber keiner entledigt sich der Ketten der Zivilisation so konsequent wie Dutch. Noch nicht einmal der Indianer in seiner Einheit, dessen beinahe übersinnlichen Fähigkeiten und klischierte Naturverbundenheit ihn schon früh die fremde Präsenz spüren lassen, hat dem Predator etwas entgegenzusetzen. Auch er ist von der Gegenwart schon zu korrumpiert. Kein anderer als Schwarzenegger hätte den Dutch spielen können, den Mann, der das Menschliche ablegt, zur Naturgewalt wird und die Übermacht aus dem All mit seinen bloßen Händen erlegt. Es ist eine paradigmatische Rolle für den Österreicher, eine, die auch seinen eigenen Mythos aufzubauen entscheidend mitgeholfen hat.

Aber es ist zugegebenermaßen nicht dieser motivische Unterbau, der mich auch heute noch so für PREDATOR einnimmt (auch wenn er eine Rolle spielt). McTiernans Film ist vielmehr einer jener ganz seltenen Glücksfälle, an denen einfach alles stimmt, jeder noch so kleine Moment das Potenzial hat, sich bei jeder neuen Sichtung als neuer Lieblingsmoment herauszukristallisieren. Die einzelnen Figuren, so comichaft und überzeichnet sie auch sein mögen, tragen mehr Leben in sich als mancher psychologisch voll ausgefeilte Charakter, und die ihnen in den Mund gelegten Dialogzeilen sind untrennbar mit ihnen verbunden, fungieren fast wie kleine Hooklines in einem besonders facettenreichen Popsong. Die Acionszene nach etwa einem Drittel der Laufzeit – der Überfall auf das Guerilla-Lager – dürfte eine der größten, fesselndsten Actionsequenzen eines an solchen nicht armen Jahrzehnts sein, ebenso wie das schon angesprochene Finale. Der Predator selbst ist längst Film- und Popkulturgeschichte, der auch inflationäre Spin-offs und mittelprächtig gelungene Sequels nichts anhaben können. Getragen wird PREDATOR aber von jenem körperlich spürbaren Gefühl, von etwas Fremdem beobachtet und verfolgt zu werden. Diese Spannung, die einen in die Rolle eines in die Ecke gedrängten Tieres versetzt, hat McTiernans Film bei mir auch diesmal wieder evoziert. 100 Minuten auf der Sesselkante, perfektes Kino, glücklicherweise ohne den streberhaften Ruch des Perfekten, einfach die ganze Palette aufpeitschender Emotionen. Ein Meisterwerk, ganz sicher.

Kommentare
  1. Chrisch sagt:

    Gelungene Kritik!

    Auch für mich ist Predator ein noch immer wunderbar funktionierender Film der nichts von seinem Charme verloren hat. Nicht zuletzt auch deswegen, weil er Schwarzenegger in einen waschechten Ensemble-Film verfrachtete und er dementsprechend nicht durchgehend die erste Geige spielt. Ist ja auch ein Punkt der Schwarzenegger selbst immer sehr an Predator gefiel.

    Die perfekt getakteten Actionsequenzen, die kongenialen Oneliner, das erfrischende Setting und natürlich der Predator selbst machen aus dem Film in der Tat einen Klassiker.

    Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn eines Tages bekannt gegeben würde, dass Schwarzenegger einen neuen Predator angeht. Solange er nicht in den Faustkampf mit dem außerirdischen Wesen tritt und sich auf das stellen von Fallen fokussiert kann das meines Erachtens nach noch ganz gut funktionieren. Vorausgesetzt man umgibt ihn mit einem verrückten Team aus abwechslungsreichen Charakteren a la Jai White, Adkins, Yen oder Austin. Letzteres ist wohl aber reines Wunschdenken…

    Hätte jedenfalls mehr ertrauen in einen neuen Predator als in den mehr oder weniger angekündigten neuen Conan…

    greetz

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