otto ist auf frauen scharf (franz antel, deutschland/österreich 1968)

Veröffentlicht: März 17, 2014 in Film
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Franz Antel, der Humorzerstörer, der Humorimpotente, der Mann, der keinen Witz zum erfolgreichen Höhepunkt bringt, auch wenn die Pointe nackt und mit gespreizten Beinen vor ihm liegt, schlägt mit OTTO IST AUF FRAUEN SCHARF wieder einmal erbarmungslos zu. Schon der Titel spricht Bände vom diesem Epos zugrunde liegenden Humorverständnis. Man fühlt sich unweigerlich auf den Grundschulhof zurückversetzt, als das Wort „Pimmel“ das Tor zu ewiger Glücksseligkeit sperrangelweit aufstieß und demzufolge im Zentrum ganzer Witzsalven stand. Pimmel, Pimmel, Pimmel. Vamos a la playa, ich hau dir in die Eier. Was haben wir gelacht. OTTO IST AUF FRAUEN SCHARF teilt diese kindliche, präpubertäre Begeisterung fürs Schlüpfrige, die zu einem Großteil auf Unwissenheit und der Sicherheit beruht, die aus dem Wissen resultiert, bis zum Vollzug noch einige Jahre Zeit zu haben. Irgendwie hat das was mit Sex zu tun, aber eigentlich überhaupt nicht. Antels Verhältnis zur Sexualität erinnert mich an ein Ereignis aus meiner Kindheit: Ich war wahrscheinlich 8, 9, 10 Jahre alt und stromerte an einem Sommertag durch meine Siedlung, als ich an zwei Mädels vorbeikam, die auf einem Stromkasten saßen und sich unterhielten. Sie waren ein bisschen älter als ich, 12, 13, 14, vielleicht 15, fingen an zu kichern und fragten mich von ihrer erhöhten Position herab, ob ich ihre Brüste sehen wolle. Ich war nicht wirklich interessiert, aber da ich gerade auch nichts Besseres zu tun hatte, sagte ich ja. Es war natürlich ein abgekartetes Spiel der beiden kessen Mädels: Sie hatten gar nicht vorgehabt, mir ihre Brüste zu zeigen und lachten mich lediglich ein bisschen aus. Ich ging weiter, war zwar etwas enttäuscht, aber auch irgendwie ganz froh, dass der Kelch an mir vorbeigegangen war. Mit Brüsten hätte ich noch nichts anzufangen gewusst, Masters-of-the-Universe-Figuren bedeuteten mir einfach mehr.

Genauso ist Antels Film: Schlüpfrig ist gut und witzig, irgendwas mit Sex zieht immer, aber wenn es dann drauf ankommt, kommt doch was anderes dazwischen, mit dem sich der Regisseur sichtlich wohler fühlt. Da macht er sich mit seinem Protagonisten durchaus gemein. Otto Zander (Gunther Philipp) ist Prokurist bei Bongert, ein verlässlicher, seriöser, aber durch und durch langweiliger Mann. Jeden Morgen überreicht er dem Liftboy Schirm und Koffer und marschiert dann frohen Mutes zu Fuß in den neunten Stock, wo er seine Sachen von ihm wieder entgegennimmt. Dass seine jahrelange Sekretärin gegen eine neue, jüngere ausgetauscht wurde, bemerkt er erst gar nicht, wohl aber, dass die seine Garderobe umarrangiert, den Schreibtisch aufgeräumt und den Teppich neu verlegt hat. In das Spießerdasein kommt bald Schwung, denn Zanders Chef, der Playboy Christian Bongert (Dietmar Schönherr), hat Probleme: Die Konzernmutter aus Amerika kündigt aufgrund finanzieller Unregelmäßigkeiten den Besuch eines Wirtschaftsprüfers an. Die unausgeglichenen Finanzen gehen auf das Konto Bongerts, der sich auf Firmenkosten ein luxuriös ausgestattetes Liebesnest eingerichtet hat, in dem er seinem Hobby nachgeht. Er bittet nun den komplett asexuellen Zander, sich als Sexprotz auszugeben, um die Schuld von ihm selbst abzulenken. Womit Bongert nicht gerechnet hat, ist dass der Wirtschaftsprüfer selbst eine überaus attraktive Frau ist (Teri Tordai), die ebenso Interesse an Bongert entwickelt, wie er an ihr.

Die Geschichte schreibt sich eigentlich von allein. Umso erstaunlicher, dass es schon nach kurzer Zeit nicht mehr um Zander, den asexuellen Spießer geht, der eine neue Erfüllung als Playboy findet, sondern stattdessen um alles andere. Etwa darum, dass Zander von der Polizei für 25 Jahre unfallfreies Fahren ausgezeichnet werden soll, durch einen Fehler der inkompetenten Beamtenaber plötzlich aber als  Millionenbetrüger bundesweit gesucht wird. Oder um Zanders alten Schulfreund Wackernagel (Willy Millowitsch), der Zander für den Liebhaber seiner Tochter hält und schließlich als Schizophrener eine Elektroschocktherapie des wirren Dr. Kobalt (Ralf Wolter) verabreicht bekommt. Nebenbei bändelt Christian mit der schönen Wirtschaftsprüferin an, die sich nach wie vor dumm stellt. Das Verwechslungshickhack kulminiert in einem unfreiwilligen Auftritt Zanders in der Fernsehsendung „Was bin ich“, die von Heinz Erhardt moderiert wird, und einer von Zander initiierten Cross-Dressing-Orgie im „Hippi-Keller“, die die anwesenden Blumenkinder als „Happening“ bezeichnen, obwohl Rex Gildo für die Musikuntermalung verantwortlich ist. Echten Sex gibt es kein einziges Mal (der Titelsong fordert sehr vielsagend: „Seid lieb zu einander!“) und die verzweifelte Gespielin Bongerts, die gleich zweimal unverrichterter Dinge wieder abziehen muss, kann einem fast Leid tun. So geht es auch dem Zuschauer: Das Zwerchfell schmerzt nicht vor Lachen, sondern vor lauter unerfülltem Tease. Und die zwei, drei Male, in denen sich die Mundwinkel leicht nach oben bewegen, fühlt man sich fast vergewaltigt vom bayrischen Nazi-Sympathisanten Beppo Brem und der rheinischen Frohnatur Millowitsch. Ganz hartes Brot, was man nicht zuletzt an der ungesunden Gesichtsfarbe Schönherrs erkennt. Der hätte wahrscheinlich nur allzu gern mal den Pinsel geschwungen, aber er durfte halt nicht.

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