der mörderclub von brooklyn (werner jacobs, deutschland 1967)

Veröffentlicht: März 21, 2014 in Film
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moederclub_von_brooklynDrei Millionäre werden von einem Unbekannten zur Zahlung von einer Million Dollar aufgefordert, Zuwiderhandlung soll drakonisch bestraft werden. Natürlich kommen die Geschäftsmänner dem Wunsch des Erpressers nicht nach und müssen wenig später die Entführung ihrer Töchter und deren anschließende Ermordung betrauern. Jerry Cotton (George Nader) und sein Partner Phil Decker (Heinz Weiss) nehmen die Ermittlungen auf und finden erstaunliche Verbindungen zwischen den drei Erpressungsopfern …

Die Farbe, die den potenziellen Besuchern schon auf dem Poster versprochen wurde, lässt erst einmal auf sich warten. Die Pre-Title-Sequenz ist in gewohntem Schwarzweiß gehalten, bevor mit Beginn des Vorspanns „umgeschaltet“ wird. Von nun an glänzt Cottons Frisur noch pomadiger, leuchtet Manhattan in strahlenden Sechzigerjahre-Farben, gerät DER MÖRDERCLUB VON BROOKLYN deutlich poppiger als die vorangegangenen Filme, büßt dabei aber eben auch diesen rohen, ungebügelten Stil ein, der sich doch als solch ideale visuelle Umsetzung der rumpeligen Groschenheft-Prosa erwiesen hatte. Und die Rückprojektionstechnik, die die Reihe in den bisherigen Einträgen zu ihrem wesentlichen Stilmittel erhoben hatte, sieht durch die Umstellung nun sogar noch deutlich künstlicher aus als zuvor: Alle im Vordergrund platzierten Personen und Gegenstände weisen plötzlich eine sich vor dem Hintergrund deutlich abzeichnende „Aura“ auf, wie es meine wunderbare Gattin gestern so treffend bezeichnete.

Das lässt sich ganz gut als gleichnishaftes Bild für den ganzen Film verwenden: Denn der neue Anstrich lässt die Defizite, die DER MÖRDERCLUB VON BROOKLYN andernorts aufweist, deutlich zu Tage treten. Die Geschichte ist einfach nicht so richtig zwingend, schon gar nicht, wenn man den herrlich reißerischen Titel als Maß anlegt, wirkt nach den beiden Vorgängern, die entweder ganz New York in Atem hielten oder aber mit dem größten Raubüberfall der USA aufwarteten, wieder herzlich bescheiden. Ein paar Entführungen, bei denen das FBI (in Dialogen gern auch ohne Artikel verwendet), ganz schön alt aussieht – in einer herrlich absurden Szene harkt eine ganze Armee total unauffällig als Gärtner verkleideter Agenten das Laub im Garten eines der Millionäre, während der Voice-over etwas von top-ausgebildeten Spezialisten schwadroniert –, ein paar skrupellose Morde, die niemanden der Beteiligten wirklich tangieren, sowie die üblichen Plotverwirrungen und spektakulären Enthüllungen im finalen Akt können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Produzenten einen eher mittelspannenden Fall aus dem umfangreichen Heftfundus ausgesucht haben. Dabei beginnt das Abenteuer mit dem bewaffneten Einbruch der maskierten Gangster während eines Empfangs durchaus aufregend und vielversprechend. Ich habe den Film gestern Abend gesehen und kann mich heute, nur wenige Stunden später, schon kaum noch an Details erinnern. Zum Glück erwähnt einer der IMDb-Kommentatoren den tödlichen Sturz eines Schurken in einen schmalen Schacht, der trotz Verwendung einer Puppe reichlich schmerzhaft anzusehen ist und mich gestern kurz das Gesicht verziehen ließ. Jerry-Cotton-Filmkenner freuen sich zudem über die Ausflüge in das verdächtig nach dem Weserbergland oder dem Taunus aussehende Umland von New York, das man von Manhattan aus in einer knapp fünfminütigen Autofahrt zu erreichen scheint, und natürlich gibt es auch wieder eine Ohne-Whiskey-geht-es-nicht-Szene, diesmal mit Heinz Reincke als kleinem, aber durstigem Informanten. Insgesamt schon OK, aber eben auch etwas underwhelming.

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