lass‘ knacken, schätzchen (jürgen enz, deutschland 1980)

Veröffentlicht: März 23, 2014 in Film
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Kaum ist der Hochstapler namens „Masken-Ronny“ (Herbert Warnke) aus dem Knast entlassen, zockt er einem armen Homosexuellen vor dem Zeitungskiosk den Koffer. Auf einer öffentlichen Toilette schlüpft er dann in seine Verkleidung als Baron Stetten: graues Toupet auf den Kopf, Schnurrbart im Gesicht, Monokel auf dem Auge, schwarzer Anzug und ein simulierter Altherrenhusten („Öff-öff!“), schon ist er für niemanden mehr zu erkennen. Als nächstes verschlägt es ihn in ein kleines Hotel: Dessen Portier träumt von einer Kneipp-Kur in Bad Steden, hat aber kein Geld, weshalb er hinter seiner Rezeption in einer Wasserschüssel steht. Die Finanzspritze erhofft er sich von seiner Tochter Sonja (Margit Rauthe): Die ist wie Ronny Trickbetrügerin und gibt sich in der Hoffnung, einen reichen Mann an Land zu ziehen, als Mrs. High aus, Gattin eines texanischen Ölmultis. Sie weckt sogleich das Interesse des vermeintlichen Barons, von dem sie sich natürlich wiederum ebenfalls etwas erhofft. Es kommt zu einer erneuten Begegnung der beiden, bei der die nun unverkleidete Sonja vom Baron aber nicht erkannt wird: Das hält ihn nicht davon ab, sie sogleich zu besteigen: „Dann wollen wir mal ran an die Bulette, äh, ich meine den BH.“ Am nächsten Morgen treffen sich beide wieder, Sonja ist nun wieder in Gestalt der Texanerin unterwegs, und die beiden verabreden sich für den Abend zum Dinner in des Barons Luxus-Appartement.

Als nächstes sucht Ronny seinen alten Kumpel Freddy (Peter Thom) auf. Der hat eine Pinte, in deren Hinterzimmer eine Angestellte bedürftige Kunden versorgt. Auch sonst kann Freddy, der eine ausgeprägte Liebe für Knackwürste pflegt, alles besorgen. Ronny bittet ihn, ihm mit einer Wohnung und einem Auto auszuhelfen, dann widmen sich beide dem Würfelspiel mit den Stammgästen, von denen einer „Kupferplatten-Otto“ heißt. Beim Würfeln hagelt es Sprüche wie Bomben auf Dresden: „Und wenn du denkst, du hast das Glück, dann zieht die Sau den Arsch zurück!“, werden gute Ratschläge erteilt und abgewiesen: „Sauf nicht so viel, denk an deine Leber!“ „Was heißt hier Leber, ich sauf schon längst auf der Milz!“, und störende Kundenanfragen beantwortet: „Habt ihr heute Karpfen?“ „Ist gestrichen!“ „In welcher Farbe?“. Man merkt spätestens hier, dass Enz bei diesem Film der Schalk im Nacken saß. Schließlich verschwindet Ronny mit Freddys „Angestellter“ im Hinterzimmer und während die sich eine ganze Pulle Schampus über den Leib gießt, dass es nur so zischt („Komm mein kleiner Ronny, mach Slappi-slappi!“) bringen die Würfler den Tisch mit ihrer Kollektiv-Erektion zum Wackeln wie bei einer Geisterbeschwörung.

Die Gefahr der Dehydratation wird beim LIebesspiel oft unterschätzt.

Die Gefahr der Dehydratation wird beim Liebesspiel oft unterschätzt.

Sonja vergnügt sich in der Zwischenzeit mit einem Scheich, der sie mit seiner Großzügigkeit ködert und mit ihr im Bett landet, denn wie der Volksmund sagt: „Ein guter Rumms zur rechten Zeit schafft Ruhe und Behaglichkeit!“ Der Scheich indes hat gar nicht vor, seine vollmundigen Versprechen zu halten. Zwar gesteht er freimütig: „der Druck ist so stark auf meiner Ölpipeline“, aber eigentlich lautet seine Philosophie eher: „Salem Aleikum, zahlen tue ich, wenn ich wieder mal vorbeikomm.“ Und so ist er dann am nächsten Morgen auch schon wieder verschwunden und Sonja guckt dumm aus der Wäsche. Bleibt nur der Baron, mit dem sie ja noch ein Date hat. Mit dessen Reichtum scheint es zunächst jedoch nicht so weit her, denn statt mit dem Rolls Royce holt er sie mit dem Tandem ab. Nach anfänglicher Enttäuschung taut sie aber auf, befummelt ihn noch während der Fahrt und geht ihm damit gehörig auf den Geist. Merke: „Das Schönste ist es auf der Welt, wenn ein Mädchen stillehält.“

Zu diesem Bild ist mir partout nichts eingefallen.

Zu diesem Bild ist mir partout nichts eingefallen.

Das Luxus-Appartement, das Freddy besorgt hat, entpuppt sich als reichlich karg eingerichtete Wohnung, das Nobel-Dinner als dampfender Topf voll Knackwürste. „Ich glaube, mein Mofa humpelt!“, entfährt es Ronny, aber er macht das Beste aus der schwierigen Situation und preist die Knacker als „Würstchen nach Gutsherrenart“ an. Das Bonmot „It’s nice to be a Preiss, but it’s higher to be a Bayer.“ leitet den erotischen Teil des Abends ein:  „Mrs. High“ saugt die Würstchen geradezu begierig ein, macht dem Baron dabei schöne Augen und lässt sich schließlich von ihm auf dem Esstisch durchbimsen. Die Ernüchterung kommt für Ronny, als Mrs. High unter der Dusche steht. Der abblätternde Putz an der Wand neben ihr lässt sie noch keinen Zweifel an der Identität des Barons hegen. Anders er: Beim Durchsuchen ihrer Handtasche fördert er einen Zettel zutage, der sie als Betrügerin ausweist. Wütend bricht er die Mission ab und verschwindet, ohne Verabschiedung.

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Doch die Welt ist klein und mann trifft sich immer zweimal. So begegnen sich beide in einem Striplokal auf der Reeperbahn erneut: er diesmal in seiner Verkleidung als Alfredo die Monteforte, sie als kühle Blonde. Wie ein Mann von Welt bestellt er sogleich ein Getränk („Asti Spermante!“), und erweist sich danach als Gentleman alter Schule, als er ihr einen besoffenen Bewunderer („Na Süße, wie wär’s mit einem Tänzchen und nachher zeige ich dir mein Schw…, äh mein Kläuschen, mein Mäuschen.“) vom Leib hält, indem er ihm einen Teller Spaghetti ins Gesicht klatscht. Das Eis ist gebrochen. Wieder einmal macht Freddy ihm Auto, Wohnung und drei Töchter klar, die als erstes selbst über Ronny herfallen, nachdem er es endlich geschafft hat, die Haustür zu öffnen: „Verdammt, ich krieg doch sonst jede Öffnung auf? Na klar, Ronny, du Blödmann, da sind ja keine Haare drum!“ Auch die Töchter können mit erstaunlichen Erkenntnissen aufwarten, zum Beispiel, wie sich das Sexualleben sich auf die Intimbehaarung auswirkt: „Wieso hast du eigentlich so wenig Haare da unten?“ „Hast du je auf einem Truppenübungsplatz Gras wachsen sehen?“ Der Zuschauer liegt mit pulverisiertem Zwerchfell zu Boden, also muss schnell das Happy-End her: Die Blondine trifft ein, beide verschwinden unter der Dusche, bei der sie ihre Verkleidungen verlieren und sich nun wiedererkennen. Nach anfänglicher Empörung über den Betrug stellen die beiden fest, dass sie sich lieben. Ende.

Die zahlreichen Lokalitäten, die die Reperbahn säumen, sind für ihr exzellentes Entertainment- und Showprogramm weltberühmt.

Die zahlreichen Lokalitäten, die die Reperbahn säumen, sind für ihr exzellentes Entertainment- und Showprogramm weltberühmt.

Aus der Vorlage von Jürgen Enz‘ bis dahin lustigstem Film hätte Howard Hawks in den Dreißigerjahren vielleicht eine Screwball-Komödie mit Cary Grant udn Katherine Hepburn gemacht. Sein Film wäre wahrscheinlich „wertvoller“ gewesen, aber dafür hätte der Zuschauer auf manchen exzentrischen Einfall verzichten müssen. LASS‘ KNACKEN, SCHÄTZCHEN hätte bei richtiger Vermarktung das Zeug dazu gehabt, die deutsche Wurstindustrie zum Global Player zu machen, der dann im Gegenzug auch die Welt der Erotik erobert hätte. Wer weiß, was uns da erspart blieb? Mit Enz‘ bisherigem Werk Vertraute vermissen an LASS‘ KNACKEN, SCHÄTZCHEN vielleicht die melancholisch-depressiven Untertöne, doch dafür ist dem Humanisten des deutschen Sex-Schwanks ein zauberhafter Film über die Verwirrung verliebter Herzen gelungen. Erst nach mehrere Inkarnationen erkennen Ronny und Sonja endlich, dass sie keine Masken zu tragen brauchen, um zum Glück zu gelangen. Schön.

Bildnis eines Eis.

Bildnis eines Eis.

Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.

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Die Gescichte der Wurstzubereitung ist eine Geschichte voller Missverständnisse.

Die Geschichte der Wurstzubereitung ist eine Geschichte voller Missverständnisse.

Kleine Bissen, gut kauen.

Kleine Bissen, gut kauen.

Diese Dame demonstriert die Technik namens "Zuzzeln".

Diese Dame demonstriert die Technik namens „Zuzzeln“.

Fortgeschrittene zuzzeln Würstchen von beiden Seiten.

Fortgeschrittene zuzzeln Würstchen von beiden Seiten.

Das Essen von Spaghetti erfordert einige Übung.

Das Essen von Spaghetti erfordert einige Übung.

Das wärmste Jäckchen ist das Cognäcchen.

Das wärmste Jäckchen ist das Cognäcchen.

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