schwarzwaldmädel (hans deppe, deutschland 1950)

Veröffentlicht: März 23, 2014 in Film
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schwarzwaldmaedelMalwine Heinau (Gretl Schörg) ist der Star einer Eisrevue in Baden-Baden. Auf der Bühne trägt sie ein wertvolles Collier des Juweiliers Bussmann (Ernst Waldow), das ihr dessen Angestellter Theo (Hans Richter) übergeben hat. Weil ihm die attraktive, zielstrebige Frau schöne Augen macht, ringt sie ihm den Gefallen ab, ihr das Schmuckstück auch für den Bühnenball zu überlassen. Der bringt ihr, nachdem er erfahren hat, dass sie zuvor eine Kopie getragen hatte, sogar das Original mit. Als Theos Kollegin Bärbel (Sonja Ziemann) das mitbekommt, nimmt sie ihm die Kette ab, vergisst sie jedoch sofort wieder, als sie bei der abendlichen Tombola den Hauptpreis, ein Auto, gewinnt. Doch Collier und Auto sind nicht das einzige, was sie von der Feier mitnimmt: Mit ihrem freundlichen, unbekümmerten Auftreten hat sie außerdem das Herz des Malers Hans Hauser (Rudolf Prack) erobert, Malwines Liebhaber, der von dem herrischen Wesen seiner Herzdame langsam genug hat. Als er seinem Freund Richard (Walter Müller), überdies Malwines Bühnenpartner und schwer verschossen in den Star, am nächsten Tag von seiner neuen Liebe erzählt, wittert der seine Chance: Er will Hans helfen, Bärbel im Schwarzwald ausfindig zu machen und so gleichzeitig den Weg für eine Beziehung mit Malwine freiräumen. In dem kleinen Örtchen St. Christoph betätigt sich die junge Frau in ihrem Urlaub als Haushälterin im Haus des Domkapellmeisters (Paul Hörbiger). Und auch Theo begibt sich auf den Weg dorthin, um das Collier zurückzuholen. Vor Ort kommt es zu den erwartbaren Verwicklungen. Und dann tauchen auch noch Malwine und Bussmann auf …

Die schwungvoll erzählte, wendungsreiche Geschichte, die viele Gelegenheiten für amouröse Pärchenbildungen und komische Verwechslungen bietet, ist wahrscheinlich ein wesentlicher, wenn auch nicht der einzige Grund für den immensen Erfolg von SCHWARZWALDMÄDEL. Der Film war maßgeblich verantwortlich für die in den Fünfzigerjahren folgende Welle von Heimatfilmen und machte die Hauptdarsteller Rudolf Prack und Sonja Ziemann zu einem Traumpaar des deutschen Films. Die gleichnamige Operette von Leon Jessel aus dem Jahr 1917 war zuvor bereits dreimal verfilmt worden (1920, 1929 und 1933, dem Jahr, in dem die Aufführung der Operette aufgrund des jüdischen Hintergrunds Jessels von den Nazis untersagt wurde), doch erst als sich Deppe nach dem Krieg des Stoffs annahm, hinterließ er solch nachhaltigen Eindruck bem Publikum. Rund 15 Millionen Menschen strömten in die Kinos, um den ersten deutschen Farbfilm seit Veit Harlans Durchhalte-Propaganda KOLBERG aus dem Jahr 1945 zu sehen. (Wären die Zahlen gesichert, wäre SCHWARZWALDMÄDEL damit der sechsterfolgreichste deutsche Film aller Zeiten, noch weit vor DER SCHUH DES MANITU, der derzeit Platz eins einnimmt.) Dass das deutsche Phänomen des Heimatfilms etwas mit dem Bedürfnis des Publikums nach Alltags- und Sorgenflucht zu tun hatte, ist ein reichlich abgegriffenes Klischee, das jedoch mit neuer Evidenz aufgeladen wird, wenn man sich SCHWARZWALDMÄDEL anschaut. Für die Menschen, die in ihrem grauen Nachkriegsalltag in deutschen Städten immer noch mit den Spuren der Zerstörung konfrontiert waren, muss Deppes Film wie Balsam, wie ein Lichtblick im Dunkel gewirkt haben. Und diese rundum positive, beschwingte und warme Stimmung, die der Film vermittelt, hat auch bei mir durchaus Eindruck hinterlassen.

Ideologiekritisch betrachtet, betreibt Deppe in SCHWARZWALDMÄDEL so etwas wie die Rekonsolidierung des angeschlagenen deutschen Nationalbewusstseins (der ebenfalls von Deppe inszenierte Nachfolger GRÜN IST DIE HEIDE geht dabei noch einen Schritt weiter): Er führt die Naturschönheit Deutschlands vor Augen, er bietet deutsche Kultur, Traditionen und Brauchtum eine Bühne und er zeigt ein braves, liebenswertes Völkchen, das in den Dörfern auf dem Lande lebt und dort weitab jeglicher Politik sein Leben lebt. Damit hebt es sich durchaus von der Stadtbevölkerung ab: Die ersten Szenen während des Bühnenballs in Baden-Baden sind geprägt von einer gewissen Dekadenz, die von den Malwine und dem Juweilier Bussmann verkörpert wird – zwei Charakteren, die dem Konzept von Antagonismus so nah kommen, wie das in einem Film, der kein Böse kennt, möglich ist. Es wird geprahlt und geprotzt, statt Offenheit und echter Gefühle gibt es kleine Intrigen und Spielchen, die vor allem den armen Hans fürchterlich zermürben. Die Reise in den Schwarzwald wird zu einer Frischzellenkur für ihn, aber auch für seinen Freund. Ihres Motorrollers und ihrer Kleidung beraubt, ziehen Hans und Richard als Vagabunden singend und musizierend über Wälder und Wiesen, fühlen sich bei den einfachen, aber ehrlichen Leuten auf dem Land gleich pudelwohl und kommen ihrer Erfüllung ein Stück näher. Heutzutage nimmt man stattdessen ein Sabbatical.

Ich habe das oben schon angedeutet: Dass SCHWARZWALDMÄDEL ein solcher Erfolg werden konnte, liegt auch am Drehbuch von Bobby Lüthge, das einfach brillant konstruiert ist, neben vielen Plotwendungen und komischen Episoden auch viele liebenswerte Charaktere aufbietet. Die beiden Protagonisten, „das Bärbele“ und der brave Hans, sind eher langweilig, sympathische, aber auch sehr glatte Identifikationsfiguren, aber die durchtriebene Malwine (Richard besingt sie wie folgt, die sexuellen Untertöne des Film hervorkehrend: Malwine, ach Malwine/Du bist wie eine Biene/Du kehrst bei jeder Blüte ein/und stiehlst den süßen Honigseim“), der in Gegenwart von Bärbel zu neuer Jugend aufblühende Domkapellmeister und der bissige Bussmann sind einfach toll. Auch wenn hier letztlich nur Lustspielklischees aufgewärmt werden, gelingt es den Schauspielern doch, diese mit zu Leben zu füllen und zu überraschen. Es hätte Deppes Film wahrscheinlich auch nicht geschadet, wenn er zehn Minuten früher sein Ende gefunden hätte, denn im letzten Drittel geht der Schwung doch etwas verloren; dennoch darf SCHWARZWALDMÄDEL nicht nur historisch als idealer Einstieg in das Genre des deutschen Heimatfilms gelten. Sonntagmittage sind für solchen Stoff wie geschaffen. Mir hat’s gefallen, mehr wird folgen.

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