blutgletscher (marvin kren, österreich 2013)

Veröffentlicht: März 30, 2014 in Film
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Ein vierköpfiges Forscherteam wartet auf seiner Wettertstation in den Alpen auf den Besuch der Umweltministerin Bodicek (Brigitte Kren). Kurz bevor sie eintrifft, entdecken der Ingenieur Janek (Gerhard Liebmann) und sein Kollege Falk (Peter Knaack) einen blutrot gefärbten Gletscher. In einer darunter liegenden Höhle wird Janeks Hund von einem Tier attackiert, das man für einen tollwütigen Fuchs hält. Als Janek jedoch wenig später Bekanntschaft mit einer riesenhaft angewachsenen Kellerassel macht, ist klar, dass etwas nicht stimmt. Im Gletscher scheint ein fremder Organismus zu wohnen, der zu grotesken Mutationen führt …

Ein schöner, wenn auch nicht sensationeller Genrebeitrag aus Österreich von dem Regisseur, der zuvor mit dem (von mir noch nicht gesehenen) Zombiefilm RAMMBOCK positiv in Erscheinung getreten war. Marvin Kren orientiert sich deutlich an John Carpenters Klassiker THE THING – nicht die schlechteste Entscheidung. Das imposante Alpensetting liefert die passende Kulisse für den Stoff um die bevorstehende Invasion der Erde durch gefährliche Mikroorganismen und den Kampf einer Gruppe isolierter Forscher als Vorhut der Menschheit. Erwartungsgemäß kann BLUTGLETSCHER mit der auch nach über 30 Jahren noch beeindruckenden Effektkunst von Rob Bottin nicht mithalten, aber man muss honorieren, dass man hier mit „handgemachten“ Monstern aufwartete und nicht mit CGI-Schöpfungen. Krens Film verdankt ihnen zum einen einen gewissen kruden Charme, der den glattgebügelten, sterilen Monstern aus dem Computer meist abgeht, und jene Materialität und Körperlichkeit, die man bei heutigen Horrorfilmen oft vermisst. Ganz ähnlich verhält es sich mit den Charakteren: Hier gibt es keine schönen Teenies, die sich mit popkulturellen Referenzen beim Publikum anbiedern, sondern erwachsene Menschen mit Bart, Falten und Glatze. Auch schön, dass der Realitätsbezug nicht überstrapaziert wird: Eine kurze Schrifteinblendung zu Beginn, die die Verbindung zu Erderwärmung und Gletscherschmelze herstellt, reicht aus. Wichtigtuerei ist Kren fremd, das ist erfrischend.

Dass BLUTGLETSCHER überwiegend positive Reaktionen hervorgerufen hat, erklärt sich durchaus auch aus dem filmischen Umfeld, in dem er erscheint. Es handelt sich dabei keineswegs um einen bahnbrechenden oder gar revolutionären Film, sondern streng genommen um lediglich gute Genreware. Die ist aber so durchweg sympathisch, mit rar gewordenem Ernst, Sachverstand und Ehrlichkeit gefertigt, ohne Brimborium und marktschreierisches Getöse, dass BLUTGLETSCHER nicht nur aufgrund seiner Herkunft – deutschsprachiger Horror ist immer noch eine Ausnahmeerscheinung – eine kleine Ausnahmestellung zukommt. Hier und da habe ich venommen, dass sein „Schlussgag“ vielleicht etwas zu viel des Guten ist, aber mir hat er mit seiner Gänsehaut erzeugenden Geschmacklosigkeit ausgesprochen gut gefallen. Einfach ein schöner, im besten Sinne des Wortes altmodischer Film.

Kommentare
  1. […] Auch Oliver Nöding hat „Blutgletscher“ gesehen und für gut befunden. Ferner begibt er für Remember It For Later nach St. Pauli, wo er nicht nur auf José Bénazéraf, […]

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