the conjuring (james wan, usa 2013)

Veröffentlicht: April 13, 2014 in Film
Schlagwörter:, , , , , ,

Wenn man den englischen Wikipedia-Eintrag zu THE CONJURING und vor allem den Absatz zu seiner Produktionsgeschichte durchliest, könnte man meinen,  es mit einem Film nationaler Bedeutung zu tun zu haben. Er basiert auf Aufzeichnungen des Ehepaars Warren, die als „Paranormal Investigators“ mehrere Fällen von häuslichem Geisterbefall bearbeitet hatten. Die Hauptdarsteller Vera Farmiga und Patrick Wilson besuchten zur Recherche das Geisterjägerehepaar, und ich wette, dass sich im Bonusmaterial der unverzichtbare Hinweis findet, dass auch die Dreharbeiten immer wieder von seltsamen Vorkommnissen gestört wurden. Die Bemühungen, den besonders schweren Fall der Familie Perron in einen Film umzuwandeln, begannen angeblich bereits in den Neunzigerjahren, bevor sie 20 Jahre später endlich Früchte trugen. Der sensationelle Erfolg von THE CONJURING, der bei einem Budget von knapp 20 Millionen Dollar über 300 Millionen Gewinn einspielte (und bekanntlich bereits ein Sequel nach sich zog), gibt dem Produzententeam Recht und lässt erahnen, welcher Reiz vom alten Spukhausmotiv für das Publikum immer noch ausgeht, wie viele Menschen an die Existenz von Geistern und Dämonen zu glauben scheinen. Für mich ist gerade die Ernsthaftigkeit, mit der James Wan seine  Geschichte inszeniert, einer seiner Schwachpunkte: THE CONJURING ist zwar sauber gemachtes, dann und wann effektives Achterbahnkino, gerät aufgrund jeglichen Mangels an Distanz zu seinem Thema und Reflexion darüber aber teilweise entweder unfreiwillig komisch oder ärgerlich katholisch.

Vor ein paar Wochen gab es auf Facebook eine kleine Diskussion über POLTERGEIST und die Frage, ob dieser „gut gealtert“ sei. Rajko Burchardt, seines Zeichens großer Spielberg-Verehrer, sagte in dieser Diskussion etwas, woran ich bei THE CONJURING zwangsläufig denken musste: Er behauptete, die kiffende Familie aus POLTERGEIST sei in den heutigen Haunted-House-Filmen und dem „James-Wan-Schmarrn“ undenkbar. Nun ist es sicherlich nicht die Abwesenheit von Rauschmitteln, die THE CONJURING zu einem durch und durch konservativen Film macht, aber in diesem kleinen Detail zeigt sich eben der Unterschied zwischen einem intelligenten Film wie POLTERGEIST und einem Wegwerfprodukt wie THE CONJURING: Während sich Spielbergs bzw. Hoopers Film mit weißer Mittelklassenschuld auseinandersetzt, der Spuk das Resultat von Profitstreben und Respektlosigkeit ist, der seinen Weg über das Fernsehen und damit genau den Weg nimmt, auf dem sich White Suburbia am besten einnehmen lässt, ist es in THE CONJURING eine lediglich singuläre in der Vergangenheit angehäufte Schuld, die das brave Familienidyll ganz wilkürlich zu zerstören droht und am Ende durch die Opferleistung der messianisch-puritanistisch gezeichneten Warrens gebannt wird. Man sehe sich nur mal die Entsprechung der Warrens in POLTERGEIST an: ein zwergenhaftes, schrulliges Medium und ein paar Studentennerds, die das befallene Haus in erster Linie dazu beziehen, um die Befürchtungen der Protagonisten zu zerschlagen. THE CONJURING gönnt sich hingegen eine für die zentrale Geschichte völlig unbedeutende Umleitung, bloß um zu zeigen, welches Opfer die Warrens auf sich nehmen, um die Erde als Filialleiter Gottes von bösem Treiben zu befreien. Da werden erst einmal Kreuze verteilt, die Tatsache, dass die Kinder der Perrons nicht getauft sind, mit besorgtem Strinrunzeln quittiert, Hilfegesuche an den Vatikan geschickt und der Spuk am Ende durch die endlose Liebe der Mama zerschlagen. Man muss James Wans Film deswegen nicht schlecht finden, denn in der Kreation unheimlicher Momente beweist er einiges Geschick, verzichtet weitestgehend auf nervige, glattgebügelte CGI und kann vor allem auf ein enorm effektives Sounddesign zurückgreifen. Geistergläubige nehmen aus dem Film immerhin noch die wichtige Erkenntnis mit, dass man sich vor spottbillig rausgehauenen Immobilien hüten sollte. Aber wenn man, wie ich, nicht an Gespenster glaubt, verpufft ein Großteil der aufgebrachten Energie relativ folgenlos und es gibt nur wenig, was einen über das Finale hinaus noch bewegen würde. Mein Fazit lautet damnach: Nett, aber ebenso spießig wie seine Figuren.

 

Kommentare
  1. […] dem reichlich aufgeblasenen, aber megaerfolgreichen THE CONJURING inszenierte James Wan diesen Mystery-Grusler mit den Produzenten der PARANORMAL ACTIVITY-Reihe. […]

  2. […] Nun steht James Wan, Regisseur von u. a. SAW, DEAD SILENCE, DEATH SENTENCE, INSIDIOUS und THE CONJURING ganz gewiss nicht im Verdacht, ein großer Meister zu sein. Stattdessen hat er bislang relativ […]

  3. Faniel Dranz sagt:

    In den Kommentaren weiter oben scheint es augenscheinlich selbst zu spuken. Zumindest wurde ich bisher noch nie Zeuge eines derartigen Phänomens:
    Die beiden von dir verfassten Insidious-Postings geben sich selbst als menschliche Hüllen aus, welche deine Conjuring-Kritik, mit aus sich selbst heraus-zitierten Satzfragmenten, deiner eigenen Worte zu kommentieren versuchen. Total gruselig. Genauso wie der Satzbau gerade eben.
    Seltsam aber so hab ich´s geschrieben…

    • Oliver sagt:

      Das „Phänomen“ lässt sich ganz einfach erklären: Jedesmal, wenn ein Text von mir verlinkt wird (auch in meinem eigenen Blog), erscheint ein Hinweis darauf mit Textauszug unter dem verlinkten Text.

  4. Faniel Dranz sagt:

    Das von dir erwähnte Sequel soll nun aber doch zum Prequel werden.
    Das creepy Püppchen aus dem Prolog von Conjuring bekommt sein eigenes Filmchen.
    Slay that cash cow, slay it! Ich persönlich fand den Anfang ja doch ein klein wenig komisch.
    Gibt es wirklich Menschen, die sich auf einem Trödelmarkt eine derartig grässliche, geradezu nach schlaflosen Nächten kreischende, Puppe kaufen würden um damit allen Ernstes das Interieur ihrer Schlafgemächer aufzuwerten? Das kleine Kuriositäten-Kabinett des Ehepaar Warren war dann auch wirklich das einzig Interessante Element des Films.
    Hier wäre vielleicht ein Anthologie-Spin-Off angebracht gewesen – eine kurze Schauermär pro Vitrine….aber doch bitte kein abendfüllendes „Chucky in Raggedy Ann Doll Drag“ Feature.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.