insidious (james wan, usa/kanada 2010)

Veröffentlicht: April 20, 2014 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

Familie Lambert – Mama Renai (Rose Byrne), Papa Josh (Patrick Wilson), die Söhne Dalton (Ty Simpkins), Foster und ein Neugeborenes – richten sich gerade in einem neuen Haus ein. Nach wenigen Tagen stürzt Dalton beim Spielen auf dem Dachboden, wacht am nächsten Morgen nicht aus dem Schlaf auf. Die Ärzte sind ratlos: Es gibt keinerlei physische Ursache für seinen Zustand. Während die Eltern darauf warten, dass ihr Sohn erwacht, geschehen seltsame Dinge. Renai spürt die Präsenz von etwas Bösem im Haus und kann Josh schließlich dazu überreden, wieder auszuziehen. Doch im neuen Haus angekommen, geht der Spuk mit unverminderter Inensität weiter. Die durch einen Kontakt von Joshs Mutter Lorraine (Barbara Hershey) hinzugezogene Parapsychologin erkennt das Problem: Es ist nicht das Haus, sondern Sohn Dalton, der „bespukt“ wird …

Vor dem reichlich aufgeblasenen, aber megaerfolgreichen THE CONJURING inszenierte James Wan diesen Mystery-Grusler mit den Produzenten der PARANORMAL ACTIVITY-Reihe. Deren Einfluss macht sich vor allem während der ersten beiden Drittel durchaus positiv bemerkbar: INSIDIOUS ist zwar kein Found-Footage-Film, etabliert formal aber jenen zurückhaltend beobachtenden, quasidokumentarischen Blick, der dieses Subgenre auszeichnet und mit sachlicher Bildsprache und unterkühlter Farbpalette einhergeht. INSIDIOUS wirkt trotz unvermeidlicher Hollywood-Klischees – die Mama, die wegen der Kinder nicht zu ihrer künstlerischen Arbeit kommt, der emotional zurückgenommene Papa, der sich in seine Arbeit stürzt, anstatt sich mit den immer größer werdenden Problemen zu Hause auseinanderzusetzen – authentisch, sodass man als Zuschauer gern dazu bereit ist, die übersinnlichen Geschehnisse für bare Münze zu nehmen. Die ersten, frühen Schocks sind immens effektiv: Wan steigert die Spannung langsam und allmählich und ohne großen Geisterbahn-Hokuspokus. Mit dem bei mir überaus beliebten Albtraum-Klassiker stumm und reglos zurückstarrender, bestenfalls diabolisch grinsender Gestalten ruft er mehrfach dieses elektrische Prickeln im Nackenbereich hervor, das als Beleg gelten für seinen Erfolg gelten darf.

Über das Prädikat „nett“ kommt INSIDIOUS letzten Endes dennoch nicht hinaus, aller guten Ansätze zum Trotz: Irgendwann muss sich das diffuse Graue  konkretisieren und Gestalt annehmen, die übliche Dramaturgie einsetzen, mit Eltern, die Hilfe bei nerdigen Parapsychologen suchen, anfängliche Zweifel überwinden und sich schließlich mit zu erwartenden Tamtam dem Spuk stellen. War INSIDIOUS bis dahin geschickt in seinen Methoden, etwa im Einsatz von Kamera und einlullenden Ruhepausen, die den Eindruck der folgenden Schocks ins Unermessliche steigerten, so gibt er sich jetzt ganz dem Kintopp hin. Da fängt der Protokollant einer Seance plötzlich an, im besessenen Tempo die Unflätigkeiten zu Papier zu bringen, die der böse Geist in seine Richtung spuckt, muss der Papa sich seinen eigenen Dämonen stellen und in die Jenseitswelt reisen, aus der sein Sohn nicht zurückkommt, entpuppt sich der böse Geist mit der feurigen Grimasse und den Klauenhänden – eine schaurig-schöne Kreation – als „Lipstick-Face Demon“, der zu alten Burlesque-Songs Frauenkleider näht. Ich möchte INSIDIOUS mit dem Vorwurf homophober Motivik nicht unbedingt wichtiger machen als er ist, aber ein Geschmäckle hat diese „Auflösung“ schon. Bleibt am Ende ein gut gemachter Grusler, der seinen Zweck erfüllt, zwar deutlich über dem traurigen Durchschnitt liegt, in ein paar Jahren aber trotzdem nur als einer von Vielen erinnert werden wird.

Kommentare
  1. ekkardbaeuerle sagt:

    Diese Kritik hat mir zu denken gegeben. Das Problem, das der aufgeklärte deutsche Konsument möglicher Weise mit dem unbeschwerten Genuss traditioneller Kost hat, ist vielleicht ein Mangel an irrationaler Spiritualität und ein Übermaß an gesellschaftlichen Korrektiven. Vielleicht bin ich aber auch nur verärgert, weil ich diesen Film so sehr liebe.

    • Oliver sagt:

      Ärgern wollte ich niemanden. Ich fand den Film schon OK, aber eben keinesfalls besonders. Deswegen wundert mich deine Diagnose etwas. Ich würde INSIDIOUS nämlich genau das auch vorwerfen: einen Mangel an Spiritualität und ein Festhängen an erprobten Mechanismen und Formen. Die Geister haben keinerlei Leben abseits ihrer Funktion als Buhmann.

      • ekkardbaeuerle sagt:

        Für einen Schnauzbartträger bist Du ganz schön wortgewandt! Na gut, dann muss ich eben selber eine Rezension schreiben. 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.