die hard 2 (renny harlin, usa 1990)

Veröffentlicht: Mai 13, 2014 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

DIE HARD 2 ist für mich mit süßen Erinnerungen verbunden. Irgendwann 1990 hatte ich mir ein Kinomagazin gekauft, in dem die großen Blockbuster des Jahres vorangekündigt wurden: Martin Scorseses soon-to-be-classic GOODFELLAS war darunter, aber auch großartige Genreware wie PREDATOR 2, Sam Raimis DARKMAN oder eben das Sequel zum 88er-Überraschungssmasher DIE HARD. Ein gutes Jahr, mit Filmen, die mir besonders ans Herz gewachsen sind, die untrennbar mit meiner eigenen Filmliebhaber-Biografie verschmolzen sind und die ich deshalb kaum sachlich-distanziert betrachten kann, vor allem natürlich die drei letztgenannten. Vor kurzem habe ich schon PREDATOR 2 mit einem Liebesbrief bedacht, nun also DIE HARD 2, der mit Renny Harlin von einem meiner Lieblings-Mainstream-Actionregisseure auf der Höhe seines Schaffens inszeniert wurde. Ich mag den Film tatsächlich noch lieber als seinen meisterlichen Vorgänger, der das Genre nachhaltig veränderte, aus Gründen, die streng subjektiv sind, die ich hier aber trotzdem einigermaßen nachvollziehbar zu verargumentieren versuche, auch wenn das angesichts meiner Liebe kaum machbar scheint.

Zuerst mal: DIE HARD 2 ist in Dramaturgie und Handungskonstruktion ungleich einfacher und geradliniger als McTiernans erster Teil. Der hatte sich durch die Schachtelung eines emotional unmittelbar nachvollziehbaren inneren und eines explosiven, spannungsgeladenen äußeren Konflikts hervorgetan und so gezeigt, das Actionfilme sich durchaus durch Vielschichtigkeit, Subtilität und erzählerische Raffinesse auszeichnen können. Dann natürlich die Erkundung eines abgeschlossenen Raums, die Erschließung klaustrophobischer Settings für ein Genre, das seinem Wesen nach in die Breite drängt. Und zu guter Letzt die Zeichnung eines Charakters, der mit seiner Durchschnittlichkeit unmittelbares Identifikationspotenzial bot, sich weniger durch übermenschliche Fähigkeiten, als vielmehr einen unbeugsamen Kampfeswillen und enorme Nehmerqualitäten als Held qualifizierte. Man könnte Renny Harlins Film vorwerfen, dass er erstere Qualität gänzlich außer Acht lässt, zweiterer nichts hinzuzufügen weiß und letztere auf die Tagline „John McClane is back in the wrong place at the wrong time!“ reduziert, die Leidensfähigkeit des armen Cops lediglich noch etwas mehr auf die Probe stellt, also vor allem quantitativ zulegt und nicht qualitativ. Und keiner dieser Vorwürfe wäre unberechtigt.

Aber meine Fresse, tritt DIE HARD 2 Arsch. Und er macht meiner Meinung nach genau alles richtig, was ein der Überbietungslogik folgender zweiter Teil eines Actionfilms leisten sollte: nämlich alles noch eine Nummer größer und fetter hinzubiegen als im Vorgänger. Krachende Shootouts, blutige Keilereien und Einschüsse, Explosionen, eine Verfolgungsjagd auf Schneemobilen, dazu ein ganzes Arsenal gemeiner Schurken und das alles immer vor dem Hintergrund einer drohenden Totalkatastrophe. Letzteres ist entscheidend: Auch wenn Harlin – und Steven E. DeSouza in seinem Drehbuch – keine Zeit verliert, eigentlich schon nach einer fünfminütigen Exposition in die Vollen geht, nimmt er sich doch die Zeit dafür, zwischenmenschliche Konflikte zu etablieren, ohne die jeder Actionfilm nur müde Materialschlacht ist. Er kann dafür auf eine der vielleicht besten Besetzungen zurückgreifen, die überhaupt jemals für einen Actionfilm versammelt worden sind: Als Hauptschurken agieren William Sadler, in dessen von selbstquälerischer Askese gezeichnetem Gesicht zwei zu allem entschlossene Augen brennen, Franco Nero als mittelamerikanischer General und John Amos als verräterischer Anführer einer Spezialeinheit. Unter ihren Gehilfen befinden sich Nebendarsteller wie Robert Patrick, Vondie Curtis-Hall, John Leguizamo und Don Harvey, die kurz davor waren, sich selbst einen Namen zu machen. In seinem Kampf gegen diese geballte Front steht John McClane das Flughafenpersonal zur Seite: Dennis Franz ist göttlich als Leiter der Flughafenpolizei, der sich mit dem Kollegen aus Los Angeles ein erbittertes Kompetenzgerangel liefert, Fred Dalton Thompson macht als Chef im Tower die Schwere der nötigen Entscheidungen spürbar, Art Evans gibt den Technikexperten Barnes und Tom Bower spielt den in den Eingeweiden des Flughafens wie ein Eremit hausenden Hausmeister. Um diesen erlesenen Reigen zu komplettieren gibt es ein Wiedersehen mit Bonnie Bedelia als McClanes Gattin Holly, dem karrieregeilen Journalisten Thornburg (William Atherton) und Al Powell (Reginal Veljohnson). Nahezu jede Szene bietet eine Zuspitzung der eh schon aussichtlosen Situation und läuft auf ein ausgefeiltes Action-Set-Piece hinaus. Den halsbrecherischen Sprung in die Tiefe, nur an einem Feuerwehrschlauch festgebunden, das piece de resistance des ersten Teils ersetzt hier der Schleudersitz-Flug aus einem explodierenden Flugzeug, der hinsichtlich McClane’scher Lebensmüdigkeit einen wichtigen Maßstab für die kommenden Filme setzte.

Bruce Willis schließlich, der im ersten Teil noch langsam in seine Rolle als Superstar hineinwachsen musste, ist hier nun vollends angekommen. Die Filmpersona, die ihn im folgenden Jahrzehnt zu einer der männlichen Spitzenkräfte in Hollywood machen sollte, hat er hier bereits zur äußersten Perfektion gebracht, versieht seinen McClane mit jener unverwechselbaren Lakonie, Spitzbübischkeit und ehrlichen, unprätentiösen Regular-Joe-Mentalität, die den Charakter zu einem der beliebtesten Actionhelden und seinen Darsteller zur Marke machen sollten. Was den Sprung Willis‘ zum Superstar angeht, war DIE HARD sicherlich die Initialzündung, der Grundstein für alles Weitere, doch ich wage zu behaupten, dass es DIE HARD 2 war, der das Versprechen einlöste und der Willis jene unverwechselbare Idenität verlieh, für die die Menschen fortan Geld an den Kinokassen bezahlten (der darauffolgende HUDSON HAWK war dann auf andere Art und Weise wichtig). Dummerweise lief die Zeit für jene Art des Actionfilms, die McClane den idealen Nährboden bot, aber bereits ab. Ein Jahr später leitete Camerons T2: JUDGMENT DAY einen radikalen Wandel des Kinos ein. „Handgemachte“ Effekte wurden danach mehr und mehr von CGI ersetzt und die in den flummiartigen Eskapaden McClanes angelegte Slapstick- und Cartoonhaftigkeit immer weiter auf die Spitze getrieben. Bereits der dritte Teil bedeutete eine Öffnung des Fokus (bedingt durch den Erfolg von Seagals UNDER SIEGE, der den logisch erscheinenden Plan, McClane nach Hochhaus und Flughafen nun auf einem Schif antreten zu lassen, durchkreuzte) und eine Erweiterung des Spektrums. Und wenn McClane im 17 Jahre nach diesem zweiten entstandenen vierten Teil auf einem entfesselten Düsenjet reitet, ist das zwar eine über diesen langen Zeitraum nur konsequente Fortentwicklung seines Schleuderseitzfluges, doch lässt sie eben auch etwas Entscheidendes vermissen: Was uns diesen McClane ans Herz schweißte, war eben seine Verwundbarkeit, die Tatsache, dass er blutete, schrie, Schmerzen erlitt und im Verlauf eines Filmes deutliche Anzeichen des Verschleißes offenbarte. Kurz: Dass er einen sterblichen Körper besaß, der durch den Einsatz von CGI nunmehr durch einen unverwundbaren virtuellen ersetzt wurde. Das soll an dieser Stelle aber nicht weiter interessieren: Denn hier geht es um DIE HARD 2, einen der letzten „echten“ Actionfilme, einen annähernd perfekten noch dazu. Für mich ist Harlin mit diesem, seinem vielleicht tollsten Film zudem einer der besten zweiten Teile überhaupt gelungen. Nur Liebe dafür von mir.

 

Advertisements
Kommentare
  1. reda sagt:

    und noch mehr liebe von mir. der pop-olymp ist diesem meilenstein gewiss.

  2. Chrisch sagt:

    Der Kritik zum Erstling stimme ich vollends zu. Ein Meisterwerk.

    Den zweiten Teil fand ich hingegen schon viel schwächer. Die Dialoge wirken manchmal plump und aufgesetzt und auch der Spannungsbogen erreicht zu keiner Zeit den schieren Sog des Vorgängers. Ja, es gibt sogar in der Mitte des zweiten Teils etwas Leerlauf. Dazu dann solch unnötig abgedrehte Szenen wie der bereits genannte „Schleudersitz“ und Stück für Stück verliere ich meinen Symphatien für das Werk.

    Ist ein okayer Actionfilm. Nicht mehr. Für mich ist „Olympus Has Fallen“ der inoffizielle offizielle Nachfolger von Stirb Langsam.

    • Oliver sagt:

      Ja, nun, was sage ich dazu. Kann man ganz sicher so sehen, ist für mich aber trotzdem völlig unnachvollziehbar, wie man dem „Leerlauf“ unterstellen kann. Aber das habe ich ja schon geschrieben. 🙂

  3. Chrisch sagt:

    Und Harlins Meisterstück ist für mich „Tödliche Weihnachten“. Einer der wohl besten Actionfilme überhaupt. Gleichzeitig aber auch einer der unbekanntesten.

    Dank Shane Black mit unglaublichem Wortwitz garniert und von Harlin mit fabelhaft inszenierten Actionsequenzen bestückt. Der Soundtrack ist ebenfalls eine Wucht und – was schon etwas rares im Actionbereich ist – die Story ist wirklich spannend und bietet ein wenig mehr als die übliche Klischeekiste, die eigentlich nur dazu dient die Actionszenen einigermaßen aneinander zu kitten.

    • Oliver sagt:

      Unter Action-Connaisseurs genießt THE LONG KISS GOODNIGHT schon einen guten Ruf, zumindest ist er da nicht „unbekannt“. Sicherlich einer der besten Actionfilme seines Jahrzehnts, da würde ich mitgehen. Ich liebe auch Harlins CLIFFHANGER sehr. Überaupt ein m. E. total unterschätzter Regisseur.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.