magic mike (steven soderbergh, usa 2012)

Veröffentlicht: Mai 25, 2014 in Film
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Körper, Licht, Bewegung, Verführung, Begehren. Die Essenz des Kinos. Aber auch die Essenz von Soderberghs MAGIC MIKE. Es ist eigentlich noch zu früh für mich, Aussagen darüber zu machen, was von diesem Film bleiben wird, schließlich habe ich ihn erst vor ein paar Stunden gesehen. Aber ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich vermute, dass es etwas damit zu tun hat: mit den sich lustvoll präsentierenden Körpern der Tänzer, die in jenen Minuten auf der Bühne des Stripclubs der Mittelpunkt des Seins für das enthemmt kreischende Damenpublikum sind; mit der Leichtigkeit, die das Leben in diesen Minuten für beide Seiten gewinnt, einer Leichtigkeit, die die Tänzer verzweifelt versucht sind, auf das restliche Leben auszudehnen, aber dabei immer wieder mit seinen Zwängen kollidieren; und, am wichtigsten vielleicht, mit diesem Licht. Zunächst natürlich mit dem Licht im Stripclub, das die perfekt ausdefinierten Körper stechend scharf aus dem Schwarz der Dunkelheit herausschält und sie immer wieder fetischistisch mit gleißenden Lichtpunkten umspielt. Aber mehr noch mit dem Licht der floridianischen Sonne. Soderbergh fängt nicht einfach eine Langnese-Sommerferienstimmung ein. MAGIC MIKE ist nicht, wie etwa Korines SPRING BREAKERS oder Bays PAIN & GAIN, von dieser neonfarbenen Poppigkeit. Ein immer etwas angetrübtes, goldenes Licht umfängt seine Protagonisten zwar so warm wie eine Fruchtblase, aber es lässt keinen Zweifel daran, dass diese Wärme trügerisch ist, dass ihr das harte Erwachen in Kälte und Dunkelheit folgen wird. Einmal malen die Lichtreflexe des in der müden Mittagssonne dösenden Golfs von Mexiko glitzernde Wellen auf die Körper von Mike (Channing Tatum) und Brooke (Cody Horn), der Schwester seines Protegés Adam (Alex Pettyfer): Ihre Körper werden zu Projektionsflächen, zu Trägern eines ungeborgenen Potenzials, das sie selbst noch nicht ganz erkennen können.

Die Geschichte, die Soderbergh erzählt, kann mit der Suggestionskraft seiner Bilder leider nicht ganz mithalten. Man hat das schon tausendmal gesehen: Wie der zweifelhafte Ruhm, in diesem Fall eines Strippers, seiner Reife im Weg steht. Wie das vermeintliche „Traumbusiness“, das Selbstverwirklichung und Fun, Fun, Fun verspricht, plötzlich sein hässliches Gesicht zeigt, unzertrennliche Männerfreundschaften sich bei ersten Schwierigkeiten als reine, kalte Zweckgemeinschaften entpuppen. Wie der zunächst unschuldige Neuling dem Zugriff seines Mentors immer mehr entgleitet, sich zu einem regelrechten Monstrum entwickelt. Wie erst die große Liebe dem Leben eine Richtung geben kann. MAGIC MIKE hakt die Kischees gleich reihenweise ab, betrügt seine erste Hälfte, die das Stripshow-Treiben als für beide Seiten geradezu befreiende Erfahrung zeichnet, mit seiner zweiten, in der er das alles als höchst flüchtige Tarnung eines harten Geschäfts zeichnet, dem fast jedes Mittel recht ist. Dass ich ihm diesen Umschwung gern verzeihe, mehr als anderen, vergleichbaren Filmen, liegt nicht zuletzt an den Darstellern, die auch im breitesten Klischee noch die feine Nuancierung finden, die es goutierbar macht und ihm ein Fünkchen Wahrheit verleiht. Neben Channing Tatums natürlichem Boy-next-door-Charme und dem aufmüpfigen Selbstbewusstsein Cody Horns ist es vor allem Alex Pettyfer, dessen Verwandlung vom naiven Spätpubertierenden zum hedonistischen Arschloch einem einen leisen Schauer über den Rücken jagt. Er entwickelt ungemeine Präsenz in der Art und Weise, wie seine Figur nie ganz da ist. Und dann dieser Schlussdialog, mit der wahrscheinlich romantischsten Frühstücksverabredung der Filmgeschichte. Wenn sich Mike und Brooke in der letzten Sekunde des Films diesen ersten, noch zurückhaltenden, aber doch ungemein verheißungsvollen Kuss geben, den die Kamera nur aus pietätvoller Distanz zeigt, wird klar, dass es in MAGIC MIKE gerade darum geht, die Klischees aus dem eigenen Leben zu räumen, um zur Wahrhaftigkeit zu gelangen.

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