popcorn und himbeereis (franz josef gottlieb, deutschland 1978)

Veröffentlicht: August 2, 2014 in Film
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Vivi (Olivia Pascal) arbeitet für ein Möbelhaus und hat den Auftrag, die Tageseinnahmen von 17.000 DM zur Bank zu bringen. Unterwegs wird sie von ihrer Freundin Bea (Gesa Thoma) aufgehalten, die ihr das Geld abnimmt, ihrerseits jedoch von ihrem Macker Bob (Karl Heinz Maslo) davon abgehalten wird, es einzuzahlen. Bob ist seinerseits Lagerarbeiter bei Vivis Arbeitgeber, gibt sich vor Bea aber als Sohn des Chefs aus. Als die beiden bei ihrem Schäferstündchen im Möbellager gestört werden – die Betten, auf denen sie sich verlustieren, müssen dringend ins Hotel Zavattini am Wörthersee gebracht werden –, verliert Bea den Umschlag mit dem Geld, den der echte Chefsohn Bobby (Benny) nun mitsamt der Betten nach Velden fährt. Als Vivi erfährt, was passiert ist, bricht sie mit Bea ebenfalls nach Österreich auf, um das Geld zurückzubekommen. Unterwegs treffen sie auf den dicken Jonny (Zachi Noy), der im Hotel Zavattini eine Stelle als DJ antreten soll …

POPCORN UND HIMBEEREIS ist so etwas wie ein Best-of-Lisa-Film, beinhaltet er doch alle Elemente, die die Sexkomödchen der umtriebigen Produktionsgesellschaft zu jener Zeit auszeichneten – und das zudem auf einem vergleichsweise, ähem, hohen Niveau: Der Zuschauer bekommt eine hinreichend turbulente Geschichte serviert, die wiederum den willkommenen Rahmen für zahlreiche Verwechslungen, Tanz- und Partyszenen, unterleibszentrierte Zoten, nackte Tatsachen, grellen Slapstick, einen Hauch Action und etwas Romantik liefert. Elemente, die sich hier wohldosiert abwechseln, sodass einem nicht langweilig wird, sofern man mit dieser Form der Lowest-common-denominator-Unterhaltung denn etwas anfangen kann. POPCORN UND HIMBEEREIS hat einigen Schwung, profitiert von seiner bekannten Urlaubskulisse (überhaupt: die besten LISA-Filme wirken immer, als wären sie nebenbei, während einer Urlaubsreise entstanden) und den Darstellern, die wenn schon keine brillanten Mimen, so doch immerhin brauchbare und hier sogar recht sympathische Projektionsflächen sind. Olivia Pascal raubte Halbwüchsigen damals als erreichbar scheinendes, nicht zu loses Mädchen von nebenan den Verstand, Zachi Noy verkörpert frisch nach dem Erfolg des ersten ESKIMO LIMON den Typus des vom Pech verfolgten Losers in Perfektion und Schlagerbarde Benny bietet den jungen Zuschauerinnen etwas zum Anhimmeln, ohne das männliche Publikum dabei allzu sehr zu nerven. Neben diesen agiert das gewohnte LISA-Ensemble: Otto W. Retzer gibt den Halbstarken, Herbert Fux einen Priester, Alexander Grill den trotteligen Hotelchef und Walter Kraus den unfreundlichen Berliner Gast. Für das regelmäßige Herzeigen der Brüste engagierte man die allgegenwärtige Bea Fiedler (als Politesse, die die Tanzfläche nach Dienstschluss im Leoparden-Bodysuit unsicher macht), Ursula Buchfellner und Christine Zierl, ein Volksfest nutzte man frech, um Niki Lauda als prominentem Stargast ungefragt die Kamera ins Gesicht halten zu können. So machte man damals Filme!

Ich kann nicht anders, als für diese Art von Exploitation große Sympathien zu hegen, auch wenn POPCORN UND HIMBEEREIS ungefähr so zwingend ist wie die 25. Sorte Magnum auf der Langnese-Eistafel. Der Plot ist mit ganz heißer Nadel und ohne Rücksicht auf Logik gestrickt: Da transportiert Vivi 17 große Scheine in einer Plastiktüte auf dem Fahrrad durch München und keinen der Geschäftsführung scheint das auch nur im Mindesten zu bekümmern. Da macht das Riesenmöbelhaus tatsächlich „Betriebsferien“ und schließt für zwei Wochen seine Pforten. Und da gerät die Hatz auf das Geld zwischendurch mal ganz aus dem Blick, weil ja auch was für die Libido getan werden muss. Überhaupt: Könnte man die Situation nicht ganz einfach erklären und freundlich um Erlaubnis bitten, in die Betten schauen zu dürfen? Nein, stattdessen müssen die Protagonisten unter den fadenscheingsten Vorwänden in die Zimmer schleichen, um sie dort zu zerwühlen – und dabei natürlich regelmäßig in die Bredouille zu geraten. Der arme Jonny stört die dicke Frau des Hotelchefs beim Schäferstündchen mit dem Berliner Bronzky, beide werden wiederum vom Hotelchef ertappt, der nun die Möglichkeit sieht, den Weg für seine Beziehung zu der nymphomanen Yvonne (Ursula Buchfellner) zu ebnen. Herrje. Am Ende findet sich das Geld im Bett eines Totkranken im Krankenhaus, doch stattdessen greift man dessen geliebte Mettwurst, die durch Zufall ebenfalls in einer gelben Plastiktüte steckt. Nach 90 Minuten wildestem Hedonismus – einer der Songs, die den Film antreiben, heißt „Zufrieden mit mir“ – kommt Schwippschwager Humanismus auf einen Kurzbesuch vorbei und überlässt besagtem Totkranken die 17.000 DM, der sich davon die lebensrettende Operation leisten kann. Diesen Bogen muss man auch erst einmal spannen, ohne sich dabei ins Auge zu schießen.

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