pompeii (paul w. s. anderson, (kanada/deutschland/usa 2014)

Veröffentlicht: September 7, 2014 in Film
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Ich hatte relativ große Hoffnungen in den Film gesetzt, doch leider ist Paul W. S. Andersons großes Pop-Art-Talent hier verschenkt. POMPEII bietet über zwei Drittel seiner Laufzeit aus zahlreichen Versatzstücken zusammengesetztes, daher vorhersehbares und zudem unangemessen überernstes Gladiatoren-Drama und im letzten Drittel dann einen Effektoverkill, der Roland Emmerich gut zu Gesicht gestanden hätte. Natürlich bietet Anderson dank tatkräftiger Unterstützung der Überstunden keulender Effektleute reichlich Eye Candy, weiß die erdige Farbpalette ebenso gut zu nutzen wie die zahlreichen Bird’s Eye Views, die die Chancenlosigkeit der Menschen und die Schicksalhaftigkeit der Ereignisse betonen, aber gegen das einfallslose Drehbuch hat er letztlich keine Chance. Man muss es so deutlich sagen: Ein Vulkanausbruch, so spektakulär er auch ist, bietet keinen Stoff für einen 100-minütigen Film. Doch das, womit die Laufzeit hier notgedrungen aufgefüllt wird, kann seine Alibihaftigkeit zu keiner Sekunde verbergen.

POMPEII erzählt die Geschichte des Kelten Milo (Kit Harington), der als Kind mitansehen musste, wie seine Eltern von den einfallenden Römern abgeschlachtet wurden. Man ist bei Gedanken noch bei CONAN THE BARBARIAN, da wird Milo von seinen neuen Herren schon zum Gladiatoren ausgebildet, der mit seinen unvergleichlichen Talenten im entfernten Londrinum aber hoffnungslos verschenkt ist und deshalb nach Pompeii transferiert wird. Dort angekommen, beginnt der SPARTACUS-Rip-off: Milo findet nicht nur den Mörder seiner Eltern wieder, sondern lernt auch den Gladiator Atticus (Adewale Akinnuoye-Agbaje) kennen, freundet sich trotz – oder wegen – anfänglicher Rivalität schließlich mit ihm an und beginnt die Mini-Revolte gegen die Sklavenhalter, die dann im entscheidenden Moment vom Ausbruch des Vesuv unterbunden wird. In dieses nur wenig originelle Szenario spielt noch die Liebesgeschichte zwischen Milo und Cassia (Emily Browning), der Tochter eines reichen römischen Geschäftsmanns hinein, auf die ausgerechnet der schurkische römische Senator Corvus (Kiefer Sutherland) Ansprüche erhebt. Und weil man damit längst noch nicht alle Klischees verbraten hat, verkennen die geldgeilen Römer auch noch die sich durch heftige Vorbeben und plötzlich im Gemäuer auftretende Risse abzeichnende Gefahr. Das alles wird mundgerecht dargeboten und kommt wenigstens einigermaßen schwungvoll über die Rampe, dennoch kann man nicht verhehlen, dass POMPEII jederzeit redundantes Filmemachen nach Zahlen ist.

Bilder auf Pompeii niedergehender Feuerbälle, einstürzender Häuser, sich im Erdboden auftuender Schluchten und plötzlich wegbrechender Küsten und einer sich zu allem Überfluss noch anschließender Flutwelle, die nur der Vorbote der finalen Feuersbrunst ist, wirken wie eine Befreiung und dass Anderson die Eier hat, inmitten dieser Apokalypse noch den unausweichlichen Zweikampf zwischen Milo und Corvus anzusiedeln, ohne dass der Film hoffnungslos auseinanderbricht, zeugt durchaus von seinem inszenatorischen Geschick. Auch die zentnerschwere Tragik, mit der er die zentrale Romanze beendet, nötigt Respekt ab – wenn sie auch ins Leere läuft, da die Fuguren über den Status von Pappkameraden nie hinauswachsen dürfen. Aber den Humor und die bilderstürmerische Originalität, mit der er einem ähnlich gut abgehangenen Stoff wie THE THREE MUSKETEERS neues Leben einhauchte, sucht man hier vergebens, vom Avantgardismus eines RESIDENT EVIL: AFTERLIFE oder RESIDENT EVIL: RETRIBUTION ganz zu schweigen. Zum Glück zeichnet sich am Horizont ein RESIDENT EVIL: THE FINAL CHAPTER ab.

Kommentare
  1. Harry sagt:

    Resident Evil: The final chapter leider aber doch nur am sehr fernen Horizont, da Milla ja erst einmal den Nachwuchs zur Welt bringt.

    Dass der „Pompeii“ derart in die Hose geht, ist schade. Der ist in meiner nächsten (größeren) Filmlieferung bei und ich hatte mir auch zumindest durchgehend gute Unterhaltung erwartet.

    Für künftig (Februar) bin ich gespannt auf „Big Game“ mit Samuel L. Jackson, obwohl der Clip doch etwas naiv wirkt, ist eine erste Rezension vom Toronto-Filmfest sehr positiv ausgefallen. Und ich schätze solche Wildnisfilme.

    Gruß
    Harry

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