sabotage (david ayer, usa 2014)

Veröffentlicht: September 10, 2014 in Film
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John „Breacher“ Wharton (Arnold Schwarzenegger) ist eine Ikone des „War on Drugs“ und bärbeißiger Anführer eines Sondereinsatzkommandos des DEA, einer Truppe knallharter Kämpfer und durchgeknallter Adrenalinjunkies (Sam Worthington, Mireille Enos, Terrence Howard, Joe Manganiello, Josh Holloway, Max Martini, Kevin Vance und Mark Schlegel), die ihrem Leader treu ergeben sind. Als während eines ihrer Einsätze 10 Millionen Dollar Drogengeld spurlos verschwinden, wird die Einheit für die Dauer der allerdings ohne Ergebnis bleibenden Ermittlungen aufgelöst. Die Freude über ihre sechs Monate später erfolgende Reaktivierung währt aber nur kurz: Ein Killer hat es auf sie abgesehen und ermordet einen nach dem anderen. Die Beamtin von der Mordkommission (Olivia Williams), die auf den Fall angesetzt wird, versucht zunächst vergeblich, den Kämpfern etwas zu entlocken, erfährt dann aber, dass Whartons Frau und Sohn einst von den Mitgliedern des mexikanischen Drogenkartells auf brutale Art und Weise gefoltert und hingerichtet wurden …

Writer-Director David Ayer hatte mich zuletzt mit seinem Cop-Thriller END OF WATCH restlos überzeugt. Der eher stille Film begeisterte mich mit seiner Subtilität, sehr genauen Beobachtungen, einem Ohr für authentische, alltägliche Dialoge und hervorragenden Leistungen von Jake Gyllenhaal und Michael Peña; Aspekte, die die Tatsache, dass END OF WATCH nichts bahnbrechend Neues zu erzählen hatte, mehr als vergessen machten. SABOTAGE hat mich ein bisschen unentschlossen zurückgelassen, auch wenn er den bisher besten Part für Arnold seit dessen Comeback bereithält und andeutet, was da noch kommen könnte. Ayer verfolgt den mit  END OF WATCH oder auch dem von ihm geschriebenen TRAINING DAY eingeschlagenen Weg weiter und befasst sich mit Cops, den Problemen, mit denen diese sich herumschlagen müssen, sowie den Verlockungen, die sie immer wieder vom rechten Weg abzulenken drohen. In SABOTAGE scheint er zeigen zu wollen, was der „War on Drugs“, den die USA seit der Präsidentschaft Reagans verstärkt führen (dem ehemaligen Präsidenten zollt der Film mit einem „Ronbo“-Poster, das die Einheit in ihrem Stützpunkt hängen hat, Tribut), mit seinen Protagonisten anrichtet, welche seelisch zerrütteten Killer der Staat da fahrlässig heranzüchtet. Die Truppe um Wharton, jeder einzelne von ihnen ein muskelbepackter, tätowierter, ständig unter Strom stehender Krieger, ähnelt auch deshalb einer Familie, weil ihre Mitglieder vom Rest der Gesellschaft notgedrungen vollkommen isoliert sind. Für ein normales Leben ist keiner von ihnen noch zu gebrauchen und ein Besuch im örtlichen Stripclub endet regelmäßig in handfesten Schlägereien. Am schlimmsten hat es Wharton selbst getroffen: Abend für Abend sitzt er in seinem abgedunkelten Wohnzimmer und betrachtet das Foltervideo, dass das Kartell ihm als „Andenken“ an Frau und Sohn überlassen hat. Wie macht man danach weiter?

Für den Zuschauer ist SABOTAGE in mehrerlei Hinsicht hartes Brot: In seinen Gewaltszenen macht er manchem Horror- und Terrorfilm der letzten Jahre ernsthafte Konkurrenz, geizt nicht mit blutigen Einschüssen und verstümmelten Toten. Dann sind da die Protagonisten selbst: Ein unerträglicher Haufen vulgärer, chauvinistischer Proleten mit hässlichen Tätowierungen, Bärten, Frisuren und Ansichten. Keiner von ihnen entwickelt eine echte Persönlichkeit über seinen einsilbigen Kampfnamen hinaus. Breacher, Monster, Grinder, Pyro, Tripod, Neck, Sugar: Viel mehr gibt es über sie nicht zu wissen. SABOTAGE lässt keinen Zweifel daran, dass diese Männer so sein müssen wie sie sind: Ein normaler Mensch würde diesen Job nicht nur gar nicht erst annehmen, er wäre auch nicht in der Lage, ihn zu leisten. Er erfordert absolute Rücksichtslosigkeit, stählerne Nerven, einen starken Magen und eine Widerstandsfähigkeit, die jedes normale Maß weit überschreitet. Ayer enthält sich einer Positionierung zu seinen Figuren. Zwar scheint es mir offensichtlich, dass er die Züchtung solcher Killer durch den Staat kritisiertl, aber er tut das eben nicht, indem er sie lange Reden halten lässt, sondern indem er sie und ihre Arbeit ganz einfach so zeigt wie sie sind. Ein ehrenwerter, ehrlicher Ansatz, aber mehr als einmal habe ich mir angesichts des Grades an menschlicher Verkommenheit, der hier zur Schau gestellt wird, eine führende Hand gewünscht, irgendeinen moralischen Anker.

Die ermittelnde Beamtin der Mordkommission könnte einer sein, aber leider ist der Krimiplot, den sie repräsentiert, dann auch das Element, das SABOTAGE letztlich zu einem sehr herkömmlichen Thriller macht. Es gibt das übliche Hin und Her zwischen der auf verlorenem Posten stehenden Polizistin und den verschwiegenen Kameraden um Wharton, das typische Katz-und-Maus-Spiel um die Frage, ob sie in ihren Ermittlungen wirklich durch eigenes Geschick weiterkommt oder ob man ihr die wenigen Hinweise nicht absichtlich überlässt, um sie auf eine falsche Fährte zu lenken. Noch nicht einmal von einer höchst unglaubwürdigen Affäre zwischen ihr und Wharton sieht der Film dabei ab. Spätestens als es irgendwann nur noch um die Identität des Killers und den Verbleib des Geldes geht, begnügt sich Ayer damit, auf ein Ende zuzusteuern, das zwangsläufig ein bisschen enttäuschend sein muss. Immerhin versöhnt die Schlussszene, mit der ich dann auch wieder auf Schwarzenegger zurückkomme: Sie lebt ganz von ihm und seiner Präsenz, zeichnet ihn als granitenes Naturereignis, als lederhäutigen Dinosaurier, und zeigt, wie man ihn in hoffentlich kommenden Filmen gefälligst zu inszenieren hat: Nicht als „I’m too old for this shit“-Oneliner paraphrasierenden Balleropa wie in THE LAST STAND, auch nicht als gesetzten Mythos wie in ESCAPE PLAN, sondern als abgefuckten Vollblutkämpfer, der für seine Gegner längst keine Sprüche, nur noch rohe Gewalt und ein Schulterzucken übrig hat.

 

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