x-men: days of future past (bryan singer, großbritannien/usa 2014)

Veröffentlicht: Oktober 8, 2014 in Film
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Nach nunmehr sechs Filmen, die ich mal grauenhaft (X-MEN ORIGINS: WOLVERINE ) und mal mehr (X-MEN: FIRST CLASS, dieser hier), mal weniger (X-MEN, X-MEN 2) egal bis enttäuschend fand  – es ist bezeichnend, dass ich mit dem weitestgehend verhassten X-MEN: THE LAST STAND noch am meisten Spaß hatte –, muss ich wohl endlich einsehen, dass die X-MEN-Reihe nix für mich ist. Fürsprecher, und davon gibt es ja nun nicht wenige, loben die Reihe nicht zuletzt für ihre Ernsthaftigkeit, ihren gewissermaßen queeren Subtext, nach dem die Filme vom Kampf einer Minderheit für Toleranz handeln. Schön und gut, aber kann man vielleicht auch irgendwann mal den nächsten Schritt machen? Seit sechs Filmen wird hier immer und immer wieder die gleiche Geschichte erzählt, dabei immer der gleiche zunehmend unangenehme, mahnende Ton angeschlagen, ganz so, als handele es sich nicht um Comicverfilmungen, sondern um die Umsetzung eines literarischen Meisterwerks mit heiliger Weltgeltung. Sicher, man darf Comics ruhig ernstnehmen, aber wird man der Vorlage wirklich gerecht, wenn man konsequent jeden Funken Spaß aus ihnen heraussaugt? Das, was hier angeblich so deep und intellektuell anregend sein soll, ist meines Erachtens nicht viel mehr als das, was uns auch die Disney-Filme seit rund 50 Jahren erzählen: Alle Menschen haben ihren Wert, auch der mit der lustigen Mutation, sofern er immer recht brav ist. Wow. Welche Erkenntnis. Der neueste Auswurf des Franchises setzt auf die ätzende Wichtigtuerei des auch schon öden Vorgängers X-MEN: FIRST CLASS noch einmal einen drauf: Die 120 Minuten ziehen sich wie ein bereits hinreichend ausgelutschtes Kaugummi. Setzte man in den ersten Installationen der Reihe immerhin noch auf eine recht ausgewogene Verteilung von effektreichem Krawumm und eher charaktergetriebenen Passagen, so ist Singer nun wohl endgültig dem Trugschluss erlegen, etwas Substanzielles zu erzählen zu haben. Ein Irrtum, der umso folgenschwerer ist, als es sich beim Regisseur um einen der größten hacks überhaupt handelt. X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST kommt komplett persönlichkeitsarm sowie stil- und witzlos über die Rampe. Auf- und Erregung: Fehlanzeige. Vorgänger Matthew Vaughn wusste immerhin noch etwas mit der Period-Piece-Ausstattung anzufangen, aber solcherlei Vordergründigkeiten scheinen Singer erst gar nicht zu interessieren. Wenn da nicht ein Nixon-Lookalike als Präsident rumliefe und mehrfach auf den Vietnamkrieg Bezug genommen würde, man käme nicht auf die Idee, dass sein Film in den Siebzigerjahren angesiedelt ist. Man muss ihm zugutehalten, dass schon das zugrundeliegende Drehbuch nichts hergibt. Der Zeitreiseplot weiß mit dem potenziell schönen Thema nichts anzufangen, was nicht schon in den ersten beiden TERMINATOR-Filmen abgehandelt worden wäre, und so habe ich mich die ganze Zeit gefragt, worum da um Himmels willen ein solches Geschiss gemacht wird. War wirklich irgendjemand der Meinung, diese Geschichte sei irgendwie interessant oder gar spannend? Does anyone really give a shit über den inneren „Konflikt“ der Gestaltwandlerin Mystique (Jennifer Lawrence)? Hat irgendjemand während des Films wirklich bangend dagesessen und gehofft, dass Professor Xavier (James McAvoy) endlich von seinen Medikamenten lässt, die ihm zwar die Beine wiedergeben, aber dafür seine Mutantenfähigkeiten rauben? Hat irgendwer irgendwelche bleibenden Eigenschaften an „Beast“, Hank McCoy (Nicholas Hoult) festgestellt? Oder im Finale mit den in der Zukunft/Gegenwart verbliebenen Mutanten gezittert? Herzlichen Glückwunsch, denn mir ging das alles meilenweit am Arsch vorbei. Und das lag sicherlich nicht an meiner mangelnden Bereitschaft. Der einzige Moment, bei dem ich mich in X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST einigermaßen amüsiert habe, war der Auftritt von Quicksilver. Es ist der einzige Moment des Films, in dem so etwas wie Freude an den Superhelden-Eigenschaften vermittelt wird, der über visuellen Witz verfügt, der die Bilder sprechen lässt – was die gottverdammte Aufgabe einer Comicverfilmung, ja ihre einzige Daseinsberechtigung überhaupt ist –, anstatt seine Charaktere verdrießlich aus der Wäsche gucken und lange Vorträge halten zu lassen. Ich könnte jetzt einschränken, dass diese Quicksilver-Szene auch keinen Einfall bringt, den die Wachowskis nicht schon in ihrer MATRIX-Trilogie vor nunmehr 10 bis 15 Jahren umgesetzt hätten, aber ich will mal nicht so sein. Das Erlebnis war auch so schön ernüchternd genug. X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST ist ein großes Nichts.

Kommentare
  1. Jens Jeddeloh sagt:

    Hallo Oliver, kam gestern aus dem Urlaub zurück und da meine Gattin berufsbedingt noch drei Tage
    nicht vor Ort ist, gönnte ich mir bisher mal zwei „Guilties“, die sie sicher nicht mitgeguckt hätte, nämlich POMPEJII und den letzten X-MEN. Bei beiden bin ich grundsätzlich auf Deiner Linie, wobei
    mich der Singer-Film (in seiner kurzen Fassung ) mehr enttäuscht hat. Wohlmeinende können das
    Drehbuch komplex nennen, ich halte es für Flickwerk, komplett überfrachtet mit all den vermeintlich wichtigen politischen Querverweisen verbunden mit dieser Besetzung großer Namen, die vielleicht auch irgendwann Schaden nehmen, wenn sie sich dauerhaft in solchen Rummelplatzwerken als Stichwortgeber hergeben. Jackman und Fassbender sind gut, alle anderen können schauspielerisch nicht viel zeigen, (Halle Berry hat wohl nur zwei gute Filme gemacht, wobei ich mich an den zweiten
    schon nicht mehr erinnern kann), und den besten Auftritt hat tatsächlich der mir bis dahin unbekannte Quicksilver-Darsteller, in dessen Episode auch der schönste Gag fällt, nämlich der mit unzähligen Tapes an die Fahrstuhlwand geklebte Sicherheitsbeamte.
    Humor scheint etwas zu sein, das Bryan Singer nicht im Blut liegt, sonst hätte er aus dem Zeitreise-
    Clash was machen können ( Dass Wolverine mit seinen Metall-Stacheln das 70er -Jahre Wasserbett demoliert, lag so was von in der Luft und wurde dann jämmerlich aufgelöst).
    Nun will ich nicht GUARDIANS OF THE GALAXY als Massstab für alle Comic-Verfilmungen hernehmen, doch dieser hat ein wenig gezeigt, dass es möglich ist, heute noch dieses
    Vergnügen zu erzeugen, das ich als 18-jähriger hatte, als STAR WARS in die Kinos kam.
    Jemanden wie James Gunn,,der SLITHER und SUPER hingelegt hat, zu verpflichten, zeugt zumindest von einem Fingerspitzengefühl seitens Marvel.

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