mark of cain (bruce pittman, kanada 1986)

Veröffentlicht: November 4, 2014 in Film
Schlagwörter:, , , ,

Ärzte und Gutachter stehen vor einem Rätsel, als Michael O’Brien (Robin Ward) eines Tages aus heiterem Himmel einen grausamen Ritualmord verübt. Es gibt keinerlei Erklärung, warum aus dem zurückhaltenden jungen Mann plötzlich ein Mörder wurde. Sein eineiiger Zwillingsbruder Sean (Robin Ward) ist nicht nur geschockt, sondern auch verängstigt: Steht ihm eine ähnliche Verwandlung bevor? Eine Sorge, die seine Ehe mit Dale (Wendy Crewson) merklich belastet. Als er Michael 15 Jahre nach der schrecklichen Tat offenbart, dass er gedenkt das familieneigene Anwesen zu verkaufen, brennt bei dem durch die Isolation der Haft eh schon unter Spannung stehenden Mann erneut eine Sicherung durch: Er ermordet eine Krankenschwester und flieht aus der Heilanstalt …

MARK OF CAIN ist ein kleiner, handwerklich sauber gefertigter und gut gespielter Psychothriller, wie man ihn heute gar nicht mehr produziert. Er kommt angenehm unaufgeregt daher, ohne sich dem Zuschauer mit marktschreierischem Gekreisch oder irgendwelchen fragwürdigen Gimmicks aufzudrängen, ganz zufrieden damit, seine Geschichte über zwei denkbar verschiedene – oder doch nicht so verschiedene? – Zwillingsbrüder zu erzählen. Anstatt den finalen Belagerungszustand und die handfeste Auseinandersetzung mit dem Killer in den Fokus zu rücken, etabliert Pittman sehr subtil eine gedrückte, depressive Stimmung, die von den leisen, aber unaufhörlich nagenden Sorgen Seans, der Einsicht in die schiere Unerklärlichkeit des Geschehenen und leisen Hinweisen auf die repressive katholische Erziehung der Brüder geprägt wird. Visuell trägt das Setting des dunklen, altehrwürdigen Hauses sehr dazu bei, dass das gelingt. Es ist auffällig, wie wenig der Regisseur an jenen Tricks und Drehbuchkniffen interessiert ist, die heute ohne Frage in den Vordergrund gerückt würden. Die unweigerliche Verwechslung der beiden Brüder ist nur die äußerst logische Folge der Plotkonstellation, keinesfalls aber Anlass für unzählige Plottwists und Verwirrstrategien. Die Auflösung der Situation wird von langer Hand telegrafiert – als zu Beginn einmal nur anscheinend beiläufig erwähnt wird, woran man die beiden Brüder auseinanderhalten kann, weiß man sofort, dass das später noch einmal von Bedeutung sein wird – und als heutiger Zuschauer wundert man sich schon etwas darüber, wie fahrlässig Pittman das sich eröffnende Potenzial liegen lässt. Wenn es zum Konflikt kommt, auf den MARK OF CAIN sehr stringent hinausläuft, scheint der Regisseur fast ein bisschen ratlos, was er damit nun anfangen soll. Eine weitere Zuspitzung, eine unvorhersehbare (oder auch nur vorhersehbare) Offenbarung oder aber eben der heute ohne Zweifel folgende Twist bleiben aus, fast schmucklos kommt der Film zu seinem einfachsten möglichen Ende. Eine gewisse Ratlosigkeit war bei mir gestern die Folge: Was wollte Pittman eigentlich erzählen? Was ist der Punkt von MARK OF CAIN, worin liegt hier gewissermaßen der Witz? Diese Fragen bleiben offen, Pittman weicht ihnen geradezu offenherzig aus. Andererseits ist es aber fast wohltuend, einen Film zu sehen, der sich damit begnügt, ganz altmodisch eine Geschichte zu erzählen, eine Geschichte, die auf Charakteren basiert, nicht auf einer möglichst clever konstruierten Prämisse. Das Drehbuch kreist um menschliche Fragen und ist nicht bloß eine Aneinanderreihung letztlich leerer formaler Kniffe. Pittman, dessen bekanntester Film das halboffizielle PROM NIGHT-Sequel MARY LOU ist, der in seiner mittlerweile 44-jährigen Regiekarriere aber überwiegend für das Fernsehen tätig war, hat mit MARK OF CAIN einen sauberen, stimmungsvollen Film ohne technische Mängel abgeliefert. Schade, dass er sich damit begnügt hat, denn auf dem grundsoliden Fundament hätte man durchaus etwas Größeres errichten können. (Warum der Film für Menschen, die sich für kanadische Exploitation interessieren, von Interesse ist, erklärt Canuxploitation.)

Kommentare
  1. Daniel Jung sagt:

    Hi,

    schön das du Mark of Cain zu etwas mehr Bekanntheit verschafft hast.

    In Deutschland ist der Film leider nur auf Video mit einer FSK 18 erhältlich.

    Eigentlich etwas merkwürdig, liegt das Gewaltniveau von Mad Killer (der dt. Titel) auf dem Niveau einer Tatortfolge (was nicht negativ gemeint ist).

    Als ich den Film zum ersten Mal sah, fiel auch mir die bedrückende Stimmung auf, die sich über die ganze Handlung erstreckt.

    Eigentlich wäre es ganz schön wenn Mark of Cain ein Remake spendiert kriegen würde.

    Da du ja Interesse an älteren / speziellen Filmen hast, wollte ich hier mal einige Titel nennen, die dich interessieren könnten:

    Geschichten, die zum Wahnsinn führen
    Die Verschwörung von Assisi
    Silent Madness
    Insanitarium
    Season of the Witch (George A. Romero)
    Die Legende vom schwarzen Fluss
    In den Fängen des Wahnsinns
    Alamo Bay (Ed Harris)
    Clownhouse

    Auch wollte ich wissen ob du Interesse an einer DVD-Spende hättest.

    Ich habe die ersten beiden Staffen von Tales from the Darkside (RC 1) auf DVD.

    Ins Leben gerufen wurde diese 80-er Jahre Episodenhorrorserie von George A. Romero, der auch selbst einige Folgen inszenierte.

    : )

    • Oliver sagt:

      Hallo Daniel, vielen Dank für deinen netten Kommentar. 🙂

      Ich habe erst nach der Sichtung, bei Verlinkung meines Textes in der OFDb, bemerkt, dass der Film überhaupt eine deutsche VÖ erfahren hat. Titel und Freigabe sind in der Tat reichlich lachhaft (das Videocover übrigens auch), letzteres (also FSK) aber wahrscheinlich der damals noch grassierenden Panikmache um „Gewaltvideos“ geschuldet.

      Auf einen deutschen DVD-Release sollte man wahrscheinlich eher nicht hoffen: Der Film ist viel zu klein, zu unbekannt und zu schwer zu vermarkten. Selbst deutlich größere Titel haben es da hierzulande schwer. Er ist nicht blutig und auch stilistisch nicht außergewöhnlich genug, um Horrorfans dafür begeistern zu können und es hängt auch kein großer Name daran, der irgendwelche Käufer motivieren könnte. Aber es gibt eine Regionalcode-freie US-DVD, auf der MARK OF CAIN im Double Feature mit einem anderen kanadischen Horrorthriller namens THRILLKILL (Deutsch: THRILLKILL – DAS TÖDLICHE COMPUTERSPIEL) enthalten ist. Vielleicht interessiert dich das.

      Von den genannten Filmen kenne ich TALES THAT WITNESS MADNESS – und CLOWNHOUSE zumindest vom Namen her. ASSISI, SILENT MADNESS und LEGENDE sehen interessant aus, WITCH wäre wegen Romero irgendwann mal nachzulegen. Die anderen Titel haben leider reichlich öde Videocover spendiert bekommen, die eher abschreckend wirken … Mal sehen. 🙂

      Eine DVD-Spende? Wie in: Du willst mir DVDs schenken? Da sage ich natürlich nicht nein. Von TFTD kenne ich bislang nur den Kinofilm von 1990. Wenn du mir deine E-Mail-Adresse gibst, können wir den Deal perfekt machen.

      • Daniel Jung sagt:

        Hi,

        danke für die schnelle Antwort.

        Meine E-mail: DanielJung88@web.de.

        Ich selbst bin ebenfalls ein großer Filmfan.

        Zuerst waren es Videokassetten im Sonderangebot aus einer Bremer Videothek später DVDs.

        Auch recherchiere ich gerne zu Filmen.

        Ich bin dabei u. a. auf einen Film gestoßen, den es weltweit (bis jetzt) nur auf Video gibt
        (zumindest hier in Deutschland):

        Krieg der Verrückten

        FSK 16/Taurus Video/nicht indiziert/unbekannt ob (un)geschnitten/1987

        STORY: Spanien, August 1936. Der geisteskranke Angel gibt sich als Chefarzt eines Irrenhauses aus und erbeutet zusammen mit ein paar Freunden von den Faschisten einen Lastwagen und Waffen. Die ziellosen Flüchtlinge werden von dem Republikaner El Rubio aufgelesen, der sie als Werkzeug seiner Rache gegen den Faschistenführer Don Salvador ausbildet. Angel schießt allerdings El Rubio nieder und zieht fortan in dessen Namen mordend durchs Land, bis er vom Don entwaffnet wird. Um die Qual der Wahl zu ersparen, werden beide El Rubios hingerichtet.
        KRITIK: Beachtenswerter spanischer Erstlingsfilm, der den Wahnsinn des Krieges durch seine geisteskranken Protagonisten zum Ausdruck bringen will. Das gelingt ihm überzeugend über weite Strecken, und auch die Bilder vermögen zu faszinieren.

        Rückseite des Covers:
        1936:
        Beginn des spanischen Bürgerkrieges.
        In der Nähe von Toledo hat eine Kompanie faschistischer Soldaten eine Irrensanstalt besetzt, um dort ihr Lager aufzuschlagen.
        Sie wissen nicht, daß der Chefarzt gar kein Arzt ist.
        Es ist Angelito, ein Insasse der Anstalt, der an demselben Tag einen debilen Mitinsassen dazu angestiftet hatte, eine junge Nonne zu vergewaltigen und zu ermorden.
        Der falsche Arzt flieht mit einigen Leidensgenossen in einem schrottreifen LKW.
        Unterwegs werden sie von einer republikanischen Widerstandsgruppe unter der Führung von El Rubio entdeckt.
        Rubio faßt den fatalen Entschluß, die Verrückten für sich einzuspannen.
        Doch bevor der Wahnsinn des blutigen Krieges über sie hereinbricht, kommt es zu einem furchtbaren Gemnetzel…

        (amazon.de)

        Anmerkung:
        Leider war es mir nicht möglich das Cover zu diesem Film hinzuzufügen.
        Auf amazon.de ist es aber zu begutachten.
        Hierbei scheint es sich um einen sehr seltenen Film zu handeln, da dieser nicht mal auf ofdb.de verzeichnet ist.
        Die auf amazon angeboteten Videokassetten kosten bis zu 30, – Euro, was aus diesem Film ein echtes Sammlerstück macht.
        Eine Veröffentlichung auf DVD wäre wirklich wünschenswert.

        Ich schicke dir dann die Filme zu.

        MfG

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.