the amsterdam kill (robert clouse, hongkong/usa 1977)

Veröffentlicht: November 16, 2014 in Film
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De la neige sur les tulipes (A)Der ehemalige Drogenbeamte Quinlan (Robert Mitchum) wird von Chung Wei (Keye Luke), Mitglied des Hongkonger Drogenkartells, beauftragt, ihm bei seinem Ausstieg zu helfen. Quinlan soll als Mittelsmann zwischen Wei und der Polizei fungieren, ihr mittels Tipps zu Verhaftungen und Beschlagnahmungen verhelfen. Als mehrere Polizisten bei einer Razzia in eine Falle laufen, wird Quinlan klar, dass es einen oder mehrere Verräter in den eigenen Reihen gibt. Und er selbst schwebt somit auch in Lebensgefahr …

Ob man diesen Film mag, hängt entscheidend davon ab, ob man Siebzigerjahre-Exploitation irgendwo im Niemandsland zwischen Hollywood-Glamour und Bahnhofskino-Ranz angesiedelt sowie den damit einhergehenden Style zu schätzen weiß. Eine Vorliebe für Hollywood-Recken kurz nach Überschreitung ihres Verfallsdatums kann gewiss auch nicht schaden. Robert Mitchum steht ganz im Zentrum von THE AMSTERDAM KILL, bestreitet nahezu jede Szene und sieht den ganzen Film über aus, als sei er morgens am Tresen eben jener Pinte aufgewacht, in die er sich nach Drehschluss des Vortages begeben hatte. Er „trübt“ sich von links nach rechts und umgekehrt durch die Szenenbilder, ab und zu rennt er auch mal und am überzeugendsten ist er, wenn er das Etikett seiner Flasche J&B liest. Nein, nein, er ist schon toll hier und ohne ihn wäre THE AMSTERDAM KILL weniger als die Hälfte wert. Der Plot ist Jacke wie Hose und ich habe irgendwann ganz aufgehört, ihm zu folgen. Es ging auch so, denn es ist eigentlich immer irgendwas los, und die Fotografie – an zugegebenermaßen nicht wenig telegenen Orten wie Hongkong und Amsterdam – ist schon die halbe Miete.

Regisseur Robert Clouse, der mit ENTER THE DRAGON nicht nur einen veritablen Hit landete, sondern dabei gleich Popkultur-Geschichte schrieb, hat eine sehr durchwachsene Filmografie vorzuweisen. Nachdem er Bruce Lee zu Superstar-Status verholfen hatte, war er zunächst auf weitere Eastern-inspirierte Stoffe festgelegt, wenngleich er sicherlich nicht der größte Action-Regisseur vor dem Herrn war. Sein BLACK BELT JONES markiert die damals wahrscheinlich  unvermeidbare Verbindung von Martial Arts und Blaxploitation, GOLDEN NEEDLES klingt nach der IMDb-Inhaltsangabe wie eine Mischung aus Turnier- und Abenteuerfilm und THE ULTIMATE WARRIOR ist ein früher Beitrag zum Endzeit-Genre (den ich immer noch nicht gesehen habe). Nach dem darauffolgenden THE AMSTERDAM KILL drehte er den guten Tierhorrorfilm THE PACK sowie den aus Bruce-Lee-Archivmaterial zusammengeklöppelten GAME OF DEATH. Er war verantwortlich für den ersten gescheiterten Versuch, Jackie Chan in den USA populär zu machen (BATTLE CREEK BRAWL), verfilmte mit NIGHT EYES einen der damaligen Ratten-Bestseller von James Herbert und drehte mit GYMKATA den wohl absurdesten Kung-Fu-Film aller Zeiten, bevor er zum Abschluss seiner Karriere mit Cynthia Rothrock und Bolo Yeung die Kickbox-Abteilung der Videotheken belieferte. Sein Werk, soweit ich es kenne, ist sehr hit & miss. Mir scheint es, als sei Clouse mehr als andere Filmemacher davon abhängig gewesen, was die Crew um ihn herum auf die Beine stellte. THE AMSTERDAM KILL ist nicht gerade von nervenzerfetzender Spannung geprägt, aber er sieht gut aus und ist relativ schwungvoll, mit ein paar Momenten der Inspiration inmitten des Genre-Allerleis. Bradford Dillman und Leslie Nielsen haben diese typischen Rollen, bei denen offenkundig wird, dass sie aus Budgetgründen wahrscheinlich nur für ein paar Tage zur Verfügung standen. Sie haben kaum etwas zu tun und sitzen fast ausschließlich am Schreibtisch. Man weiß eigentlich von Anfang an, dass sie etwas im Schilde führen, weil es sonst keinen Grund gäbe, ihre Rollen derart prominent zu besetzen, sodass sich die Überraschung am Ende doch sehr im Rahmen hält. Ich mochte den Film trotz aller offenkundigen Schwächen, aber das liegt sicherlich daran, dass ich solchem Käse generell sehr aufgeschlossen gegenüberstehe. Und der Showdown auf einer holländischen Tulpenplantage, bei dem Mitchum ein Gewächshaus mit einer Planierraupe plattmacht, ist zugegebenermaßen sehr hübsch. Wer genau hinschaut, erkennt dort auch den späteren Jackie-Chan-Weggefährten Yuen Biao in einer Minirolle als henchman.

Kommentare
  1. Harry sagt:

    Hi,
    den Großteil davon hab ich gesehen, auch den prominent besetzten „Ultimate Warrior“, der mir damals und später zu VHS-Zeiten sehr gefiel. Hab zwar jetzt auch die DVD hier stehen, aber bis dato noch nicht gesichtet. Ob der Film auf ich immer noch so wirkt wie damals? Keine Ahnung. Aber sicher besser als vieles von der Grütze, die heutzutage die Kinos für bessere Filme sperrt. (Okay, Seagal hat mit Aldamisa wohl jetzt ein 25 Millionen Dollar Projekt namens „Cypher“ in der Pre-Production, wo ich mir sage, dass ein Lord Steven im Kino auch nicht mehr unbedingt sein muss). Von Clouse soll ja nach diversen Terminänderungen sein „Enter the dragon“-Abklatsch „Die Macht der Fünf“ mit Joe Lewis von Shamrock Media auf DVD kommen. Die Order liegt meinem Händler vor.

    Gruß
    Harry

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