metal: a headbanger’s journey (sam dunn/scot mcfadyen/jessica joy wise, canada 2005)

Veröffentlicht: Dezember 22, 2014 in Film
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Der kanadische Metalfan und Anthropologe Sam Dunn reist zu Beantwortung der Frage, was Metal als Musik auszeichnet, was Fans an der Musik schätzen und was es mit ihren Eigenheiten genau auf sich hat, auf Weltreise, landet beim größten Metalfestival in Wacken, begibt sich nach Norwegen zu fundamentalistischen Black Metallern und plaudert mit Metalgrößen wie Bruce Dickinson, Ronnie James Dio, Tony Iommi, Lemmy Kilmister, Alice Cooper, Geddy Lee, Vince Neil, Dee Snider, Rob Zombie, Tom Araya und Kerry King sowie diversen Wissenschaftlern, Plattenfirmen-Funktionären und natürlich Fans.

Das ist über 90 Minuten durchweg schwungvoll, unterhaltsam und leidenschaftlich, bleibt aber angesichts des enormen Pensums, das sich Dunn vorgenommen hat, auch sehr oberflächlich. Wer sich mit Metal auskennt, lernt hier kaum etwas Neues, bekommt lediglich Altbekanntes neu aufbereitet. Dass Metal den Bombast von Klassik mit der Aggressivität von Punk verbindet, dass es eine männlich dominierte Musik ist, in der es um Dominanzgebaren und „Power“ geht, dass sie sich mit Religion, Tod und Gewalt auseinandersetzt, dass ihre Fans ein hohes Maß an Fanatismus mitbringen, sind Allgemeinplätze, die kaum noch Informationswert besitzen. Dunn buhlt um Akzeptanz, widerlegt mithilfe von amüsantem Bildmaterial von Dee Sniders Auftritt vor dem Ausschuss von Tipper Gores PMRC das Vorurteil vom Metaller als dumpfem Hornochsen, lässt zahlreiche Soziologen und Musikwissenschaftler von der gesellschaftlichen Relevanz seiner Lieblingsmusik künden, ringt einem ehemaligen Groupie die Aussage ab, sie würde sich für ihrer Tochter ein ganz ähnliches Leben wüschen, und zeigt bei der Auseinandersetzung mit norwegischem Black Metal und seinen kriminellen Auswüchsen in den frühen Neunzigerjahren das gebotene kritische Bewusstsein. Das bleibt alles sehr im Rahmen des Erwartbaren und bei aller Kurzweil war ich doch etwas enttäuscht darüber, dass Dunn die Einladung, hier und da auch mal nachzuhaken, zugunsten der Zufriedenheit mit dem Naheliegenden ablehnt.

Die Frage, warum eine Musik, die von Outcasts für Outcasts gemacht wird, in den Achtzigerjahren zur populärsten Musik der Welt avancieren konnte, stellt er nicht. Den impliziten Chauvinismus, der mit dem erwähnten (männlichen) Dominanzgebaren einhergeht, tut er recht oberflächlich als emanzipatorisch ab, Zensoren als Spießbürger ohne Kunstverständnis. So sehr man ihm vor allem beim letzteren Punkt zustimmen mag: Dass eine Musik, der die Aufmüpfigkeit und das Aufbegehren gegen den Status quo quasi in die DNA eingeschrieben ist, diese Zensoren, die Protestbewegungen und die elterliche Empörung benötigt, scheint ihm gar nicht aufgefallen zu sein.

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