die prinzessin von st. wolfgang (harald reinl, deutschland 1957)

Veröffentlicht: Januar 12, 2015 in Film
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45918484 DIE FISCHERIN VOM BODENSEE war noch nicht fertiggestellt, da wurde Reinl bereits für diesen Film verpflichtet, einen dem Vorgänger in Besetzung und Handlung fast originalgetreu nachempfundenen Aufguss. Der Heimatfilm, der zu Beginn der Fünzigerjahre mit Erfolgen wie SCHWARZWALDMÄDEL, GRÜN IST DIE HEIDE oder DER FÖRSTER VOM SILBERWALD heute geradezu utopisch erscheinende Zuschauermassen mobilisierte und mit entsprechend vielen Produktionen im Kino vertreten war, verzeichnete zu dieser Zeit bereits ein sinkendes Publikumsinteresse und stark verminderte Erträge. Übersättigung und generell sinkendes Niveau waren die Ursachen. DIE PRINZESSIN VON ST. WOLFGANG trägt dieser Entwicklung durch eine Art inhaltlicher Verallgemeinerung Rechnung: Zwar dient das österreichische St. Wolfgang als gewohnt heimelige, urtümliche Kulisse, doch die Geschichte könnte eigentlich überall spielen. Am Ende wird gar ein Ausflug an die Côte d’Azur und den Badeort Cannes gewagt.

Der Film erzählt von der Liebesgeschichte des jungen Werkstatt-Besitzers und Tüftlers Toni Leitner (Gerhard Riedmann) und Josefa (Marianne Hold), ihres Zeichens waschechte Prinzessin. Dem Adelshaus ist die Beziehung der beiden Jugendfreunde natürlich ein Dorn im Auge und so wird Josefas Heirat mit Frinz Georg Alexander (Thomas Reiner) forciert. Dank der Unterstützung eines Lokalpolitikers (Joe Stöckel) und eines Berliner Journalisten (Walter Gross) kann Josis gestrenge Tante, die Fürstin Isabella (Annie Rosar), jedoch davon überzeugt werden, der jungen Liebe nachzugeben. In St. Wolfgang findet schließlich die Hochzeit statt.

Heimatfilm-typische Themen wie der Kontrast zwischen Natur und Stadt spielen hier keine Rolle mehr, eine Entwicklung, die 12 Jahre nach Kriegsende wahrscheinlich auch dem mittlerweile nicht mehr zu leugnenden Wirtschaftsaufschwung geschuldet war. Der Film thematisiert die mit diesem verbundenen neuen Hoffnungen indessen eher nebenbei: Toni, der eigentlich vom Ingenieursberuf träumte, als ihn der Tod des Vaters zum Werkstattbesitzer machte, hofft, eine seiner Erfindungen patentieren zu können und begibt sich gegen Ende des Films, als seine Beziehung zur Prinzessin gescheitert scheint, zum Antritt einer neuen Stelle nach Australien. Beim Besuch des Liebespaares auf der Gaisbergspitze wohnen beide der von einem Volksfest begleiteten Einweihung einer Antennennanlage bei: Auch hier also Wachstum, Fortschritt und das Gefühl des Aufstiegs. Zeichneten die frühen Heimatfilme der zweiten Welle das Naturidyll noch als ein vom Stadtleben abgeschiedenes, wird der touristische Aspekt hier ganz offen ins Bild gerückt, wenn Reisebusse mit winkenden Urlaubern durchs Bild fahren. DIE PRINZESSIN VON ST. WOLFGANG handelt nicht mehr von ländlicher Utopie, er betrachtet seinen Handlungsort nur noch als attraktiven Backdrop, den Harald Reinl mit dem von ihm gewohnten Professionalismus, aber auch ohne echte Inspiration zu nutzen weiß. Der Film läuft ganz gut rein, ist zwar zu jeder Sekunde absolut vorhersehbar, entwickelt dabei aber jene „Gemütlichkeit“, die für den Erfolg dieser Filme von wesentlicher Bedeutung war. Riedmann gibt den Toni als herzensgutes Schwiegersöhnchen mit unerschöpflichem Talent und Marianne Hold beherrscht diesen schmachtenden Blick aus feurigen Augen, der für die Überhöhung romantischer Gefühle und damit das Gelingen dieser Filme so wichtig ist, nahezu perfekt. Die bestehenden Geschlechterrollen werden am Ende erwartungsgemäß zementiert, wenn Josi ihrem Toni mit einem befreiten Lachen das Steuer überlässt, weil es schließlich so sein muss. Aufgelockert wird die Geschichte durch kurze Gesangs- und Tanzeinlagen, durch Stöckel und Gross, die als ungleiches Paar den Klischees vom Stadt- und Landmenschen ein humorvolles Gesicht verleihen und als Comic Relief fungieren, und eine kurze Suspense-Szene, in der Toni und Josi den kleinen Franzl (Michael Ande) aus einem VW-Käfer (Wirtschaftswunder!) retten müssen, der über einem reißenden Wasserfall in den Bäumen hängt. Hier übte Reinl wahrscheinlich schon für den actionlastigen Thrill der späteren Karl-May-Filme. Dass DIE PRINZESSIN VON ST. WOLFGANG – der als „auf wahren Tatsachen beruhend“ beworben wurde, tatsächlich aber eine Literaturverfilmung ist – in allererster Linie aber eine auf kommerziellen Erwägungen beruhende Nummernrevue ist, kann Reinl nie verbergen. Vor allem am Ende, wenn der herzensgute Toni ganz aus dem Film genommen wird und an der positiven Wendung gar keinen Anteil hat, stattdessen etwas mediterran-mondänes Cannes-Flair mitgenommen werden muss, zeigt sich, dass da mit ganz heißer Nadel gestrickt wurde.

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