diamonds are forever (guy hamilton, großbritannien 1971)

Veröffentlicht: Januar 19, 2015 in Film
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diamonds_are_foreverWährend des Missionsbriefings, mit dem der siebte Bondfilm nach der Titlesequenz, in der Blofeld (Charles Gray) von Bond beseitigt wird, beginnt, beschwert sich der Geheimagent über die seiner Meinung nach banale, unwürdige Aufgabe, die ihm von seinem Vorgesetzten zugeteilt wird. Barsch schmettert M ihn mit folgenden Worten ab: „May I remind you 007, that Blofeld is dead. Finished! The least we can expect from you now is a little plain, solid, work.“ Man darf das durchaus als schlechtes Omen für die folgenden 120 Minuten werten, die sich auch bestenfalls als „plain, solid work“ charakterisieren lassen. DIAMONDS ARE FOREVER ist ohne Frage ein Übergangsfilm: Nach ON HER MAJESTY’S SECRET SERVICE, dem leider finanziell gescheiterten Experiment, der Reihe einen ernsteren übergespannten erzählerischen Bogen und Bond mehr Tiefe zu verleihen, ist er überdeutlich von dem Bemühen geprägt, zu dem lockeren Plauderton der ersten fünf Filme der Reihe zurückzukehren, aber auch von der Abwesenheit eines Plans, wie man das bewerkstelligen sollte. Offensichtlich war man der Überzeugung, die Vogel-Strauß-Methode oder ein „Augen zu und durch“ seiem die beste Lösung: Die Pretitle-Sequenz verleugnet das Ende des Vorgängers in fast schon unverschämt oder auch publikumsverblödend zu nennender Manier, und ansonsten verließ man sich ganz darauf, dass es die Rückkehr des beliebten Connerys schon richten würde, der nach YOU ONLY LIVE TWICE seinen Abschied bekanntgegeben hatte. Connery ließ sich seine Rückkehr teuer bezahlen mit einem fürstlichen Gehalt und der Zusage, zwei seiner Wunschprojekte realisieren zu dürfen (nur eine davon, Sidney Lumets THE OFFENCE, wurde realisiert und floppte), und riss sich in seiner sechsten und insgesamt vorletzten Darbietung als Bond kein Bein aus. Der Mime – sichtlich angegraut und nicht mehr ganz in körperlicher Topform – stolziert auf Autopilot  durch den Film, sich ganz auf sein charmantes Lächeln, die behaarte Brust und die Sympathien der Zuschauer verlassend, jeden Anflug von Spannung mit dieser Attitüde bereits im Keim erstickend. DIAMONDS ARE FOREVER ist eigentlich ein typischer Roger-Moore-Bond – klamaukig, episoden- und formelhaft, vollgestopft mit Gimmicks, selbstrefrenziell –, aber eben ohne den Schauspieler, der die neuen Anforderungen hätte mit Leben füllen können. Es gibt ein paar nette Einfälle und One-Liner – der mit Abstand beste sicherlich Bonds Bemerkung zu Tiffany Cases (Jill St. John) zugiger Bekleidung: „That’s quite a nice little nothing you’re almost wearing.“ –, aber nur wenig, was das Interesse über die großzügig bemessene Spielzeit von 120 Minuten wirklich dauerhaft fesseln würde. Um genau zu sein, ist DIAMONDS ARE FOREVER sogar noch langweiliger als THUNDERBALL.

Mit diesem Film beginnt auch die Unsitte des vollkommen undurchsichtigen Plotverlaufs. Was man auf den ersten Blick für die passende Form für einen Film über ein Metier halten könnte, in dem es wesentlich um Täuschung und Verrat geht, entpuppt sich in erster Linie als Ausdruck von drehbuchschreiberischer laziness. Die „Story“ stand in den Bondfilmen selten im Vordergrund, aber hier bietet sie zum ersten Mal nichts anderes mehr als den Vorwand für eine lose Abfolge von Attraktionen, die allerdings deutlich weniger attraktiv ausfielen als in den folgenden Installationen der Reihe. Man sieht DIAMONDS ARE FOREVER auch an, dass die swingin‘ sixties unleugbar zu Ende waren: Die unbarmherzige Wüstensonne, die über Las Vegas brennt, dem Haupthandlungsort des Films, hat auch die sonst so poppigen Farben ausgeblichen, der kultivierte, ornamentale Charme des Europulps weicht der US-amerikanischen Ökonomisierung und einer wenig ansprechenden Vulgarität. Jill St. John ist eine erschreckend leere Figur, nichts anderes als eine attraktive Hülle ohne Inhalt (Lana Wood hat in ihrem Kurzauftritt als „Plenty O’Toole“ wenigstens einen lustigen Rollennamen). Charles Grays Blofeld, der weder Donald Pleasence noch Telly Savalas das Wasser reichen kann, muss sich schon Doppelgänger heranziehen, um überhaupt noch irgendwie eine Bedrohung darzustellen – eine Idee, aus der Hamilton erschreckend wenig zu machen weiß. Das homosexuelle Killerpärchen Mr. Wint (Bruce Glover) und Mr. Kidd (Putter Smith) stellt – auch dank der eigenwilligen Darstellung der beiden Schauspieler – einen leisen Anflug von Kreativität dar, kommt aber ebenfalls nicht über den Status eines sich mehr und mehr abnutzenden Running Gags hinaus (die beiden werden mit dem lesbischen Pärchen „Thumper“ und „Bambi“ gespiegelt) und hat den unentschlossen und unbeholfen zwischen Thrill und Camp stehenden Ton des Films entscheidend mitzuverantworten. Andere Nebendarsteller wie Sid Haig, Jimmy Dean oder Bruce Cabot werden in unterentwickelten Parts verheizt. Nichts bleibt wirklich hängen, und weil dieser Mangel an excitement wohl auch den Machern nicht verborgen blieb, werden alberne Gimmicks eingebaut wie die völlig sinnlose Verfolgungsjagd mit einem Mondfahrzeug oder Schwachsinn wie die „Circus Circus“-Sequenz, die in der „Verwandlung“ einer Schwarzen in einen Menschen im Gorillakostüm gipfelt. Was das alles soll, wussten die Macher wahrscheinlich selbst nicht.

DIAMONDS ARE FOREVER gilt heute zu Recht als einer der schwächsten Filme der Reihe – dass ich ihn bis zu diesem ermüdenden Wiedersehen in positiver Erinnerung hatte, kann ich mir heute nicht anders erklären als mit pubertärer Geschmacksverwirrung. Nach dem durch und durch aufregenden, visuell atemberaubenden ON HER MAJESTY’S SECRET SERVICE sind seine zahlreichen Fehlleistungen wohl auch für den gnädigsten Zuschauer unübersehbar, genauso wie die Tatsache, dass es mit Connery nicht weitergehen konnte, wollte man die eingeschlagene Richtung hin zur Actionkomödie weiterverfolgen. Hier kann man das Ende einer Ära betrauern und, wenn man geneigt ist, die Geburt einer neuen feiern. Von diesem Zeitpunkt an wurden die Bondfilme immer größer, alberner, absurder, aufwändiger und größenwahnsinniger, und mit dem bei seiner Premiere bereits 44-jährigen Roger Moore fand man dann auch den richtigen Darsteller für die neuen Aufgaben. Als Kind mochte ich die Moore-Bonds gerade wegen dieser farbenprächtigen Mischung besonders gern. Nach DIAMONDS ARE FOREVER habe ich aber auch ein bisschen Angst vor ihnen. Ich bin gespannt auf LIVE AND LET DIE, mehr dazu morgen in diesem Theater.

 

 

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