quantum of solace (marc forster, großbritannien/usa 2008)

Veröffentlicht: Februar 2, 2015 in Film
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Wenn man Rezensionen im Netz liest, wird die Kritik am nur lauwarm empfangenen QUANTUM OF SOLACE nicht zuletzt mit der Inszenierung der Actionszenen festgemacht. Marc Forster, nicht gerade ein Spezialist für handfeste Kost, um es mal freundlich auszudrücken, geht den Weg, den so viele Filmemacher in den letzten Jahren gegangen sind, und versucht Dynamik vor allem am Schneidetisch zu erzeugen. Nach dem, was ich so gelesen hatte, hatte ich mir diese Exzesse zwar schlimmer vorgestellt, aber gerade in der Verfolgungsjagd, mit der der Film beginnt, kommen viele der unglaublichen Stunts nicht zur Geltung, weil Forster der Meinung zu sein scheint, fünf Einstellungen seien grundsätzlich besser als eine. Wo man früher eine statische Totale gewählt hätte oder sogar dieses wahrhaft irrwitzige Stilmittel namens „Zeitlupe“, da wird hier alles in winzige Fragmente zerhäckselt. Man fragt sich, wofür die Stuntmen da eigentlich ihr Leben riskieren, wenn man am Ende gar nichts mehr von ihrer Arbeit sehen kann. Aber wie ich schon andeutete: Das ist nicht das Hauptmanko des Films, lediglich eines der Symptome, die Ausdruck seiner Anlage als Finale des vorangegangenen CASINO ROYALE sind. Und diese Ausrichtung raubt gleich auch ein wenig von dem Enthusiasmus, den die Neuerfindung im genannten Vorgänger ohne Zweifel auslöste.

QUANTUM OF SOLACE schließt unmittelbar an CASINO ROYALE an, erzählt die Geschichte der Rache Bonds für die Ermordung seiner Geliebten Vesper Lynd. Der Ruhe, mit der Campbell zuvor seinen Protagonisten langsam entwickelte, vom blunt object hin zum Menschen aus Fleisch und Blut, setzt Forster nun ein nahezu pausenloses Actionfeuerwerk entgegen, in dem kaum Raum für Charakterentwicklung bleibt. Das mag konsequent sein, wenn man QUANTUM OF SOLACE lediglich als Schlusskapitel von CASINO ROYALE betrachtet, aber er ist nun einmal ein eigenständiger Film, der nach dem überreichen Vorgänger demzufolge leer und eindimensional wirken muss. Betrachtet man die Art und Weise, mit der der zuvor behutsam entwickelte innere Konflikt Bonds hier schnell und handfest gelöst, der Agent gewissermaßen auf den Nullpunkt resettet wird, sieht das fast ein wenig so aus, als hätten die Produzenten Angst vor der eigenen Courage – einem zerrissenen Bond eben – bekommen. Der Held soll schnell, schnell wieder einsatzbereit sein, weil eine allzu brüterische Figur dem Franchise vielleicht doch im Wege stünde. Dabei wäre es doch gerade interessant gewesen, genau diesen Weg weiterzuverfolgen.

Visuell ist QUANTUM OF SOLACE, abgesehen von den eingangs erwähnten Einschränkungen, wieder sehr reich, die Sequenz in der Oper oder das Finale in einem bauhausartigen Luxushotel in der Wüste stechen als Höhepunkte hervor, die Action knallt, sofern man was erkennen kann, ganz gut rein, auch Mathieu Amalric ist als Schurke höchst effektiv, gemessen an dem, was ihm das Drehbuch da an Zeit zur Verfügung stellt. Aber es bleibt einfach nicht viel hängen und irgendwie wirkt das alles, als habe man nur schnell eine als lästig empfundene Pflichtaufgabe abhaken wollen. Wo sind der Erfindungsreichtum, die Risikofreude, Eleganz und Tiefe von CASINO ROYALE abgeblieben? Gegen die „Wham, bang, thank you, ma’am“-Kurzatmigkeit von QUANTUM OF SOLACE wirkt ja selbst TOMORROW NEVER DIES noch wie ein Epos. Ich hoffe jedenfalls inständig, dass SKYFALL wieder besser ist und sich CASINO ROYALE nicht als Strohfeuer entpuppt. Das wäre dann tatsächlich eine absolut unentschuldbare Fehlleistung.

Kommentare
  1. Ghijath Naddaf sagt:

    Quantum ist einer der schwächsten Bond Filme überhaupt. Forster ist ein lausiger Regisseur.
    Ja,Ja ich weiss zu pauschal und alles. Keine Sorge, Skyfall ist klasse. Auch wenn es gerade schwer
    in ist, den doch nicht so gut zu finden.

  2. Oliver sagt:

    Ach ja, schlecht finde ich ihn nun nicht, er ist halt sehr enttäuschend nach CASINO ROYALE. DIE ANOTHER DAY, A VIEW TO A KILL und DIAMONDS ARE FOREVER finde ich dann doch noch eine ganze Ecke mieser.

  3. Skyfall ist zwar besser, aber für meine Begriffe nicht wirklich gut. Er wirkt etwas arg bieder in Mendes‘ Hang, sich auf die gute alte Zeit zu besinnen, was im Kontext des Films (Moneypennys Figur ist eine einzige chauvinistische Katastrophe m.E.) nicht funktionieren will. Der Film möchte – gerade im Finale – sehr persönlich sein, gelingen will ihm das aber nicht. Ich hab so meine Probleme mit ihm, aber generell wird er ja als Meisterwerk angesehen. Blicke deiner Besprechung folglich erwartungsvoll entgegen.

    • Oliver sagt:

      Ich bin mit SKYFALL zwar auch nicht zu 100 % zufrieden, aber deine Kritik kann ich dennoch nicht nachvollziehen. Bieder ist er überhaupt nicht, im Gegenteil ist sein größtes Problem m. E., dass er sich zu oft am modernen amerikanischen Big-Budget-Actionfilm orientiert und dabei seine Wurzeln aus den Augen verliert. Und warum ist Moneypenny eine Katastrophe? Ihr Frausein spielt für diese Figur doch eigentlich überhaupt keine Rolle. Sie ist für den Field-Service nicht gemacht und schlägt deshalb eine andere Laufbahn ein. Soll es geben, sowas.

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