zwei nasen tanken super (dieter pröttel, deutschland 1984)

Veröffentlicht: Februar 9, 2015 in Film
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Noch vor Jahresfrist hatte mich DIE SUPERNASEN unerwarteterweise positiv überrascht. Die gestern erfolgte Neusichtung im Rahmen meiner kleinen Gottschalk/Krüger-Retro brachte keine wesentlichen neuen Erkenntnisse, sodass ich hier direkt zum Sequel übergehe, das ich damals wie so viele andere Bundesbürger im Kino sah. Es ist heute, wo man nur mit Schwierigkeiten eine brauchbare Abbildung des Filmplakats im Netz findet und die DVD-Veröffentlichung von einem Billiglabel mit selbstgebasteltem Cover besorgt wird, gar nicht so einfach, Menschen, die 1984 nicht selbst dabei waren, zu erklären, was für ein Ereignis dieser Film war. Der extremste Auswuchs des Supernasen-Hypes war sicherlich der Promo-Besuch der Hauptdarsteller beim „Aktuellen Sport-Studio“ im ZDF, wo sie zwar nix verloren hatten, das die im Film populär verwendeten Trikes aber trotzdem gern als fadenscheinigen Motorsport-Aufhänger benutzte, um vom erwarteten Erfolg des Films zu profitieren. Ich weiß noch, dass die beiden „Helden“ ihrem Image als glückliche Underdogs entsprechend erstaunlich gut beim Torwandschießen abschnitten, und die Trikes, eine genau genommen ziemlich idiotische Erfindung, weder Fisch noch Fleisch, für ein paar Tage der Traum jedes Jungen auf dem Grundschulhof waren, bis sie den Weg ins Vergessen antraten, wie ihre Kollegen Segway und Jetpack. Doch auch die Trikes konnten kaum darüber hinwegtäuschen, dass ZWEI NASEN TANKEN SUPER gemessen an den beiden Vorgängern eine Enttäuschung war, zudem Beleg dafür, dass weder das Autoren- und Hauptdarstellerteam noch Regisseur Pröttel noch die Geldgeber der LISA-Film verstanden hatten, was sowohl PIRATENSENDER POWERPLAY als auch DIE SUPERNASEN gegen jede Wahrscheinlichkeit hatte funktionieren lassen.

ZWEI NASEN TANKEN SUPER ersetzt die an einem dünnen roten Faden aufgereihten Gags, die Krüger und Gottschalk zuvor den losen Rahmen für ihre liebenswerten Taugenichtse gegeben hatten, nun gegen eine „echte“ Handlung: Der Raub zweier wertvoller Juwelen geht schief, die Gangster (András Fricsay & Achim Gunske) können die Klunker gerade noch in zwei Trikes verstecken, die Teil einer Motorausstellung sind. Durch Zufall gelangen ausgerechnet Thommy und Mike in den Besitz der Dreiräder und begeben sich ohne jede Vorahnung auf Deutschlandreise. Die Gauner heften sich an ihre Fersen und fordern die Herausgabe der Steine, die die beiden jedoch längst als Andenken an die Anhalterinnen Birgit (Simone Brahmann) und Farah (Sonya Tuchmann) verschenkt haben. Es gilt nun, die Mädels ausfindig zu machen und ihnen die Steine wieder abzunehmen. Zwar bietet auch diese Geschichte letztlich auch nur den recht beliebigen Anlass für Zoten, Kalauer und Slapstick-Einlagen, dennoch vermisste ich schon nach kurzer Zeit die Lockerheit und Unbekümmertheit, den mild-anarchischen Charme, der mich für PIRATENSENDER POWERPLAY und DIE SUPERNASEN so eingenommen hatte. Die Existenz einer Story bringt keinen Gewinn für Gottschlak und Krüger, schnürt sie im Gegenteil in ein Korsett und lässt ihre frappierenden Unzulänglichkeiten nur noch stärker hervortreten. Wirklich witzig ist ZWEI NASEN TANKEN SUPER nur selten und wenn, dann sind es eher kleine Beobachtungen oder Nebenepisoden, die für Lacher sorgen, etwa wenn der betrunkene Mike sich über ein paar Rocker empört: „Der hat ,Torte‘ zu meiner Ische gesagt!“ Dass die beiden nur deshalb in den Schlamassel geraten, weil Mike dringend pinkeln muss, ist im Grunde genommen der beste Einfall des Films, und diese Prämisse auszudehnen, hätte gewiss mehr hergegeben als die lahme Roadmovie-Handlung, die ohne jedes Gespür für Spannung, Bewegung und Körperlichkeit inszeniert wurde. Immerhin war schönes Wetter am Wörthersee.

Man merkt dem Film an, dass für die Beteiligten plötzlich etwas auf dem Spiel stand. Während sie vorher einfach irgendeinen Quatsch verzapfen konnten, knüpftn die Gags nun häufiger an irgendwelche zeitgenössischen Themen an, aber nicht, weil das besonders witzig wäre, sondern einfach, weil nichts besseres einfiel. Ein Anhalter, der nach Sarajewo will, wird von Krüger mit dem Erkennungsruf des Maskottchens der im selben Jahr in Sarajewo ausgtragenen Winterolympiade bedacht, und Jürgen von der Lippe darf sich in einem quälend unlustigen Gastauftritt als Kellner eines Burgerladen über ein berühmtes Fastfood-Restaurant lustig machen, für das Gottschalk seinerzeit warb. Der mit platinblonder Frisur und einem Silberohr ausgestattete Verbrecher soll wahrscheinlich an einen Bondschurken erinnern, die Marotte seines Chefs (Karl Spiehs), jede Äußerung mit der Phrase „Wenn ich x sage, dann meine ich auch x.“ abzuschließen, erinnert ein wenig an die Sprüche aus dem ein halbes Jahr zuvor sehr erfolgreich gelaufenen Hallervorden-Film DIDI – DER DOPPELGÄNGER. Überall wird ein bisschen was ausgeliehen und abgezweigt, Gottschalk darf einmal als Karateka auftreten und sich als Künstler über die doofen Intellektuellen lustig machen, die Bilder mit Dreiecken mögen, aber wirklich hängen bleibt nichts und so hat der fragwürdige Spaß nach 92 zähen Minuten ein Ende. Und es ist ja durchaus auch ein bisschen beruhigend, dass Nostalgie nicht alles schönfärben kann.

Kommentare
  1. Schlombie sagt:

    Als Kind fand ich zumindest noch den Krügerspruch zur Frau im Zelt gut: Ich bin doch die rutschfeste Gummimatte! Oder sie ist die rutschfeste Gummimatte? Ach egal. Auf jeden Fall hast Du Recht. Genau aus dem von Dir genanntem Grund ist die Fortsetzung nicht mehr so lustig wie sein Vorgänger. Außerdem ist der Soundtrack so verkrampft popkulturell zeitgenössisch ausgefallen. Wenn ich da an das sympathische Ding Dong-Lied aus Teil 1 denke… das hatte Charme! 🙂

  2. Schlombie sagt:

    Anbei wüsste ich ja all zu gerne, warum das Programm auf Deiner Homepage unter ähnliche Artikel Wes Cravens „Shocker“ vorschlägt. *g

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